Familie Hasan ist voll in Horn gelandet. 2015 waren die Hasans die ersten Flüchtlinge in Horn – jetzt stehen sie auf eigenen Beinen.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:38)
Haben sich erfolgreich als Geschäftsfrauen etabliert: Balkis Hasan und Ilmira Chikhou Aldinoufa führen den Orient-Imbiss am Eingang zur Piaristen-Passage.
Thomas Weikertschläger

So geht Integration: die Familie Hasan, die vor mehr als fünf Jahren im Zuge der Flüchtlingskrise die erste Familie war, die nach Horn gekommen ist, ist mittlerweile längst in Horn angekommen. Mit Balkis Hasan und ihrer Mutter Ilmira Chikhou Aldinoufa haben auch zwei Damen aus der Familie den Sprung zu erfolgreichen Geschäftsfrauen geschafft.

Flucht über Istanbul nach Horn. Ihre Heimat in Syrien musste die Familie 2013 verlassen. Über Istanbul gelangte die Familie schließlich nach Europa und landete dann in Horn. Hier schlug ihnen von Anfang an viel Gastfreundschaft entgegen, erzählt Balkis Hasan. Zunächst war die Familie im Pfarrhof untergebracht. Neben Pfarrer Albert Groiß griffen Freiwillige wie Walter Schmidt, Maria Vogler, Uli Kerschbaum, Helga Zettlinger, Charlotte und Otto Valenta und viele mehr der Familie unter die Arme – etwa beim Einrichten einer Wohnung: „Für die viele Hilfe, die uns zuteil wurde, sind wir nach wie vor sehr dankbar“, sagte Hasan. Auch heute könnte sie und ihre Familie noch auf die Unterstützung dieser Menschen zählen.

Deutsch als Notwendigkeit. Das Erlernen der deutschen Sprache war für die Hasans von Beginn weg Grundvoraussetzung, in Horn anzukommen. „Ohne die Sprache des Gastlandes zu können, geht es einfach nicht“, sagt Balkis Hasan. Da es zu Beginn noch keine Kurse gab, wurden sie auch diesbezüglich von den Freiwilligen unterstützt. Beim Lernen der Sprache hatten sie dann wenig Probleme, schließlich war ihr Haushalt schon davor viersprachig. Neben Arabisch wird bei den Hasans auch Türkisch, Russisch (Mama Ilmira war Russisch-Lehrerin) und Englisch gesprochen.

Schicksal selbst in Hand genommen. Für die beiden Damen sei es schwierig gewesen, eine Anstellung zu finden. „Daher haben wir uns entschieden, uns auf die eigenen Beine zu stellen“, erzählt Balkis Hasan, und meint weiter: „Wir haben in unseren Imbiss viel Arbeit hineingesteckt, aber wir haben es aus eigener Kraft geschafft.“ Gemeinsam mit ihrer Mutter hat sie im Februar den „Orient Imbiss“ am Eingang zur Piaristen-Passage in der Horner Innenstadt eröffnet. Nachdem das Geschäft gut angelaufen sei, bedeutete der Corona-Lockdown einen Dämpfer. Zwei Monate war der Imbiss geschlossen. „Unser Imbiss lebt davon, dass Leute in ihrer Mittagspause oder am Nachhauseweg von der Arbeit sich etwas zu essen kaufen. Wenn niemand in der Stadt arbeitet, kommt auch zu uns niemand“, sagt Balkis Hasan. Mittlerweile läuft das Geschäft aber wieder gut: „Wir sind wirklich glücklich, wie sich alles entwickelt hat“, sagte Balkis Hasan – auch wenn es für viele Horner zunächst neu gewesen sei, in einem „Kebap-Stand“ von einer Frau bedient zu werden.

Großer Traum: Ein größeres Restaurant. Dabei ist ihr Imbiss mehr als nur ein Kebap-Stand, es werden auch vegetarische Gerichte angeboten – inklusive täglich frischer Kräuter aus dem eigenen Garten. Nach und nach will man das Angebot ausbauen und eventuell den Standort ändern, um ein größeres Restaurant zu führen. Dabei geht es Balkis Hasan aber nicht nur um den eigenen wirtschaftlichen Erfolg, sie will Frauen, die in ähnlicher Situation sind wie sie selbst, künftig Arbeitsplätze bieten: „Wir wissen, dass es viele gibt, die gerne arbeiten möchten, die aber keine Chance dazu bekommen. Wir wollen diesen Leuten so eine Chance bieten.“ Überzeugt ist sie davon, dass „99 Prozent aller Flüchtlinge gerne arbeiten würden“. Sie habe es gemeinsam mit ihren Eltern geschafft, mit ihrem Geschäft auf eigenen Beinen zu stehen. Andere, die alleine in ein fremdes Land gekommen seien, hätten diese Chance oft nicht.

Auch Männer rasch in Arbeitswelt eingetaucht. Während Balkis Mann Morad Mohamad seit dreieinhalb Jahren bei einem Friseur in Horn arbeitet, arbeitet Vater Imad Hasan seit mehr als vier Jahren bei der Firma Kiennast in Gars. Auch wenn es ihm dort sehr gut gefällt, hätte er als Ingenieur die Qualifikation für mehr, seine Ausbildung wird in Österreich aber nicht anerkannt. Ähnlich würde es vielen ihrer Landsleute gehen. Daher hofft sie, dass sich die rechtliche Grundlage für die Anerkennung syrischer Zeugnisse noch ändert. ‚Einer ihrer Brüder, Eslam, hat vor Kurzem sein Studium „Unternehmensführung und E-Buisness-Management“ an der IMC FH Krems abgeschlossen, ein weiterer geht in die Horner HAK. Balkis beide Töchter besuchen die Volksschule in Horn.