Kunst im Netz statt in Horner Galerie

Erstellt am 19. März 2021 | 04:08
Lesezeit: 4 Min
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Marianne Liebhart stellt via Instagram aus. Die 37-Jährige aktivierte mit der Coronakrise wieder ihre kreative Ader.
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Marianne Liebhart.
Foto: privat, privat

Die Kunst gehört zu den Stiefkindern der Coronakrise, Ausstellungen sind kaum möglich. Aber sie ist ein Ventil für schlummernde Kreativität: Marianne Liebhart malt seit einem Jahr wieder, nachdem ihr der erste Lockdown unvorhergesehen viel Freizeit verschafft hat. Und weil Live-Begegnungen gerade schwer möglich sind, dient ihr Instagram seit zwei Wochen als Ausstellungsraum.

Die Hornerin hat zwei Jobs, die sie üblicherweise sehr in Anspruch nehmen, aber im April 2020 war sie dann als Hörakustikerin in Kurzarbeit und als freiberufliche Masseurin ohne Arbeit. Sie hat ihre frühere Maltätigkeit wieder aufgenommen, aber an Ausstellungen kann sie coronabedingt kaum denken. Die 37-Jährige dachte sich: „Heast, ich könnte das ja online stellen! Wenn die Leute nicht zu mir kommen können, dann komme ich zu den Leuten.“

Liebhart will gerade in Zeiten wie diesen nicht nur für sich künstlerisch tätig sein, sondern bei anderen den Geist beflügeln, Fröhlichkeit und Freude auslösen. Sie malt aktuell mit Acryl und Strukturpaste, den sie selbst aus Kaffeesatz zusammenrührt. Das, was zu sehen ist, sind ihr Fühlen und Denken, „gerade so, wie’s mir kommt“: „Während Corona habe ich viel mit Mond und Bäumen gezeichnet, weil sie für mich die Angst und das Leben widerspiegeln“, schildert sie. „Aktuell bin ich an einem riesigen Bild dran, das mache ich wahrscheinlich komplett abstrakt; aber es kommt darauf an, wie meine Muse gerade ist.“

Instagram zeigt ihr anfängliches Werk: Liebhart war nach ihrer Matura in der Schweiz, wo sie Malkurse besuchte. Zeichnungen mit Graffitistiften entstanden, später Bilder mit Öl. Ihr recht junges Instagram-Profil zieht schon Kreise: Liebhart war überrascht, dass sich die NÖN so schnell meldete.

„Dachte, es wird dauern, bis sich’s herumspricht“

„Ich habe das echt unterschätzt. Ich dachte, es wird dauern, bis sich das herumspricht“, freut sie sich sehr. „Fast täglich kommt ein Abonnent dazu.“ Dieses Wachstum sei ein wichtiges Ziel: „Je mehr Abonnenten ich habe, desto eher kann ich einen Online-Shop eröffnen.“

Trotzdem: Eine Ausstellung in analoger Form ist doch etwas Anderes. „Die Online-Welt ist eine gute und schöne Alternative – und das Beste zurzeit.“ Sie werde aber nicht den Gefühlen gerecht, die bei einer direkten Betrachtung eines Bildes ausgelöst wird. „Das ist genauso, wenn du in der Natur einen Regenbogen siehst“, nennt sie ein Beispiel. „Den Ausdruck und die Struktur des Bildes kannst du nie mit einer Fotografie rüberbringen.“

Ein „Feeling“ der besonderen Art erlebte Liebhart, als sie mit ihrer Freundin Julia im Februar 2020 nach Brisbane flog: Buschbrände wüteten nach wie vor in Australien, wenn auch (noch) nicht am Ziel ihrer Reise. Die Zwei übergaben eine Spende an das dortige Koala-Ressort, halfen mit und sahen sich die Region an – während in Österreich langsam die Gedanken mehr und mehr um Corona kreisten.

Man sorgte sich daheim, ob der Rückflug überhaupt klappen könnte, eine Umbuchung sei kein Thema gewesen: „Ich habe rein auf meine Intuition gehört. Und spaßhalber habe ich gesagt: Wenn’s nicht klappt, dann bleiben wir gleich da“, lacht sie.

Die Reise „war die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Liebhart sei im Nachhinein froh, dass große Corona-Befürchtungen im sommerlichen Australien weit weg waren. Die Ankunft in Wien habe sich aber so angefühlt, als wären sie in einer anderen Welt. „Die Geschäfte waren zu, die Züge gingen nicht: Das war für uns überraschend.“

Die Reisen fließen in Liebharts Kunst mit ein: Die Glühwürmchen-Höhle in Australien hat sie zum Beispiel künstlerisch aufgearbeitet.

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