"Szene Waldviertel": Junges Publikum rückt in Fokus. Stephan Rabl und sein Nachfolger Holger Schober über ihre persönliche Zukunft und die des „Szene Waldviertel“-Festivals.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 14. Januar 2021 (04:49)
Holger Schober übernimmt als neuer künstlerischer Leiter und Geschäftsführer von Szene Waldviertel.
Agentur Fürst

Kurz vor dem Jahreswechsel kam die große Nachricht aus dem Hause „Szene Waldviertel“: Gründer Stephan Rabl verlässt das Festival und konzentriert sich nun voll auf seine Aufgabe als künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der europäischen Kulturhauptstadt 2024 Bad Ischl. Mit Autor, Regisseur und Schauspieler Holger Schober wurde direkt ein Nachfolger Rabls verkündet. Die NÖN sprach mit den beiden Künstlern, was dieser Wechsel für sie persönlich und das Festival „Szene Waldviertel“ bedeutet.

NÖN: War die Entscheidung, Szene Waldviertel zu verlassen, eine schwere?

Stephan Rabl: Ja sehr. Gerade im letzten Jahr ist mir das Waldviertel durch die Coronasituation noch mehr ans Herz gewachsen. Aber gleichzeitig werde ich dem Waldviertel nicht verloren gehen. Die europäische Kulturhauptstadt 2024 ist eine zeitlich begrenzte Aufgabe. Eine Rückkehr 2025 ist nicht ausgeschlossen. Abgesehen davon werde ich immer noch oft im Waldviertel sein. Ich glaube schon, dass es mich irgendwann wieder zurückziehen wird. Wichtig ist aber, dass jemand da ist, der sich voll um die Agenden des Festivals kümmert. Ich habe realisiert, dass das neben Bad Ischl nicht möglich wäre. Es braucht jemanden, der diese Idee voll leben kann und die nötige Zeit und das Engagement mitbringt. Mir blieb da leider keine andere Wahl, als mich vom Festival zurückzuziehen.

Was erwartet sie jetzt bei ihrer neuen Position in Bad Ischl?

Rabl: Es wird sicher eine große Herausforderung, aber auch eine tolle Aufgabe. Die neue Tätigkeit vereint alles, was ich die letzten Jahrzehnte in meinem Beruf gelernt habe. Den Gedanken einer europäischen Kulturhauptstadt zu formulieren, diese Chance gibt es auch nicht so oft in Österreich. Ich freue mich, meine bisherigen Erfahrungen jetzt in dieses Großprojekt einbringen zu können.

Gründer Stephan Rabl verabschiedet sich von Szene Waldviertel. Ihn verschlägt es jetzt nach Bad Ischl.
G. Cizek-Graf, Agentur Fürst

Wieso fiel die Wahl des Nachfolgers auf Holger Schober?

Rabl: Zum einen ist er bereits gut mit dem Festival vertraut und ich kenne ihn auch schon sehr lange. Zudem hat er in den letzten Jahren an vielen Produktionen mitgewirkt, die sich gezielt mit dem Waldviertel beschäftigt haben. Mir war vor allem wichtig, dass er der Region verbunden ist und ihre Inhalte kennt.

Herr Schober, wie groß sind die Fußstapfen von Stefan Rabl?

Holger Schober: Die sind natürlich riesengroß. Er macht das schließlich schon seit 30 Jahren. Zudem war das Festival für ihn als Waldviertler auch ein Heimspiel. Ich muss mich natürlich erst einarbeiten und kenne vielleicht nicht jeden. Es ist schon eine gewisse Vorgabe und Herausforderung, aber auch schön, dass mit dem Festival viel Tradition verbunden ist, auf die ich jetzt aufbauen kann. Natürlich will ich aber auch eine eigene Handschrift finden.

Herr Rabl, werden Sie Szene Waldviertel in naher Zukunft trotzdem in irgendeiner Form erhalten bleiben?

Rabl: Ich bin natürlich immer da, wenn es Fragen gibt und ich unterstützen kann. Es könnte auch die eine oder andere Idee der Verbindung zwischen Waldviertel und Salzkammergut entstehen. Die Gestaltung des Festivals liegt jetzt aber voll bei Holger Schober.

Was geben Sie ihrem Nachfolger für seine neue Aufgabe mit?

Rabl: Ich gebe ihm die Zuversicht mit, dass er das Waldviertel noch mehr lieben lernen wird. Ich bin gespannt, wie er das Festival jetzt nach seiner Handschrift gestalten wird.

Stefan Rabl meinte, dass es für diese Arbeit enorm wichtig ist, der Region verbunden zu sein. Gewinnt das Waldviertel für Sie jetzt noch mehr an Bedeutung?

Schober: Natürlich. Ich war in der Vergangenheit sowieso schon viel mit meinen Stücken im Waldviertel unterwegs. Auch mit der Arbeit mit Szene Waldviertel bin ich viele herumgekommen und habe sehr viel Einblick bekommen. Es ist klug gemacht vom Stefan. Er hat mich quasi als Nachfolger aufgebaut, ohne dass ich es wirklich gemerkt habe (lacht). Ansonsten sind ich und meine Frau aber auch schon länger am Überlegen, ein Haus im Waldviertel zu kaufen. Der Gedanke wird jetzt natürlich noch weiter befeuert. Meine Frau kommt ja auch mit. Sie wird kaufmännische Leiterin beim Festival.

Was sind jetzt ihre Pläne für das Festival? Kommen größere Veränderungen?

Schober: Es ist Wunsch des Landes, aber auch ein Gedanke von mir, dass sich das Festival wieder mehr Richtung junges Publikum und Familien orientiert. Es wird jetzt sicher nicht ein „Szene Bunte Wähne 2.0“ werden. Ich möchte aber das Beste aus den beiden Festivals nehmen und daraus etwas Neues machen. Dabei stelle ich mir auch die Frage, was ein junges Publikum heutzutage überhaupt ist und bedeutet. Weiters möchte ich eine „Waldviertler Dramaturgie“ machen. Ich möchte Themen finden, die das Waldviertel emotional betreffen und in das Festival einbringen. Das Festival soll einen Grund haben, wieso es dort stattfindet wo es stattfindet. Es soll nicht austauschbar sein und in der Region verwurzelt sein.

Wird es weiter Kooperationen mit Schulen geben?

Schober: Ja, ich möchte viel mit Jugendlichen direkt zusammenarbeiten. Es wird zumindest zwei Projekte geben, bei denen die Kinder/Jugendlichen direkt mit dem Künstler zusammenarbeiten. Damit will ich den partizipativen Gedanken fördern.

Welche Aspekte des Festivals werden Sie ganz sicher beibehalten?

Schober: Es wird auf jeden Fall wieder Initiativen wie „Rock am Schrott“geben. Auch an den Orten will ich nicht viel ändern. Horn und Raabs werden wieder im Zentrum stehen. 2020 ist mit Allentsteig zudem eine sehr engagierte Gemeinde dazugekommen. Das „Theater am See“ will ich unbedingt wieder ins Programm nehmen. Es gibt keinen Anlass oder Wunsch das Rad jetzt neu zu erfinden. Wir werden also ganz sicher auf dem Bestehenden aufbauen, aber auch vereinzelt neue Punkte setzen.

Wird es auch neue Spielstätten geben?

Schober: Es gibt Ideen, aber wir beginnen erst jetzt vor Ort und inhaltlich zu arbeiten. Mehr kann ich aktuell noch nicht sagen. Es ist ja auch noch nicht klar, in welchem Ausmaß Zuschauer möglich sein werden. Deshalb haben wir das Festival jetzt schon von Juni/Juli in den Herbst verlegt. Ich glaube nicht, dass ein Festival im Sommer funktionieren würde, vor allem mit den Schulen. Wenn die aus dem Lockdown herauskommen, haben sie andere Probleme und müssen erst wieder in die Spur finden. Im Herbst ist dann hoffentlich wieder ein „normaler“ Spielbetrieb möglich.

Sie waren bei Szene Waldviertel auch öfter als Schauspieler zu sehen, wie zuletzt bei „Herr Rolf der Werwolf“. Werden Sie jetzt mit der neuen Position weniger auf der Bühne zu sehen sein?

Schober: Mittlerweile arbeite ich eh so gut wie gar nicht mehr als Schauspieler. Das hat aber mit dem Festival nichts zu tun, sondern hat sich einfach so entwickelt. Es war bei mir immer phasenweise. Letztes Jahr war es ein bisschen mehr und jetzt halt wieder ein bisschen weniger. Prinzipiell werde ich schon künstlerisch tätig sein, aber dann eher als Regisseur und Autor.

Was wünschen Sie sich für das Kulturjahr 2021?

Schober: Der erste ganz große Wunsch ist, dass Kultur überhaupt wieder stattfinden kann. Ich habe erst kürzlich gelesen, dass die Theater in Hessen sicher bis Ostern geschlossen bleiben. Ich hoffe, dass das bei uns nicht passiert und es bald wieder geht. Bis sich die Kulturszene aber normalisiert, wird es vermutlich noch sehr lange dauern. Nur weil man wieder aufsperren kann, heißt das nicht, dass jemand kommt. Gerade mit den Kindern, wie bei unserem Publikum, ist man – glaube ich – nochmal vorsichtiger. Ich hoffe, dass es besser wird, aber die Krise wird uns sicher noch Jahre begleiten. Die Menschen müssen sich wieder gerne ins Theater setzen und frei genießen können. Wir haben es im Herbst schon gemerkt. Das Sicherheitskonzept war eh gut, aber die Stimmung ist schon eine ganz andere.