Bürgermeister Gruber: „Doppelte Arbeit, halber Erfolg“. Irnfritz-Bürgermeister Hermann Gruber sprach mit der NÖN über schwierige Arbeitsbedingungen und anstehende Großprojekte.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 21. Februar 2021 (04:35)
Auch für einen Veteranen wie Hermann Gruber war 2020 kein leichtes Jahr.
Gemeinde Irnfritz-Messern

Seit 26 Jahren ist Bürgermeister Hermann Gruber schon im Amt und damit der erfahrenste Gemeindechef im gesamten Bezirk. So etwas wie eine weltweite Pandemie ist trotz aller Routine eine gewaltige Herausforderung.

NÖN: Sie sind jetzt seit 1995 im Amt, haben also schon viel erlebt. War das Jahr 2020 das bisher herausfordernste Ihrer Amtszeit?

Hermann Gruber: In gewisser Weise schon. Mir würde jetzt kein anderes Jahr einfallen, dass schwieriger zu bewältigen war. Es ist in der Hinsicht herausfordernd, dass man die Arbeiten nicht so erledigen kann, wie man gerne möchte. Es gab das ganze Jahr keine richtige Sitzung an einem Tisch mit den Kollegen. Alles geht nur mehr über Videokonferenzen oder sehr eingeschränkt mit Masken. Die Arbeit ist sicher erschwert, aber wenn sich alle an die Regeln halten, ist es auch zu bewältigen. Ganz einfach ausgedrückt ist es aber oft die doppelte Arbeit und nur der halbe Erfolg. Ich pflege ja normalerweise alle zwei Monate zur Landesregierung zu fahren und dort meine Anliegen persönlich vorzubringen. Das ging 2020 überhaupt nicht.

Was waren Ihre ersten Gedanken, als im März 2020 der erste Lockdown verkündet wurde?

Gruber: Der erste Gedanke galt natürlich der Gesundheit meiner Familie und Mitbürger. Meine Hoffnung war, dass sich das Virus nicht zu weit ausbreitet. Das wirkliche Ausmaß konnte man aber zu Beginn noch nicht absehen. Der zweite Gedanke galt der Wirtschaft und wie diese unbeschadet die Krise überstehen soll.

Wie wirkte sich die Pandemie auf die finanzielle Lage der Gemeinde aus?

Gruber: Wir haben in Irnfritz sowieso nicht die höchsten Einnahmen aus der Kommunalsteuer, weil wir auch nicht so viele Betriebe haben. Der eine größere Betrieb, die Firma Stark, konnte zum Glück weiterarbeiten. Die Zuwendungen vom Land sind auch nach wie vor da und manchmal sogar mehr als bisher. Deshalb konnten wir uns auf jeden Fall über Wasser halten.

Wie ist die Gemeinde im Hinblick auf Ansteckungen durch das Jahr gekommen?

Gruber: Es war ein kleines Auf und Ab. Wir waren aber eigentlich immer im Rahmen. Es waren öfter so um die zwei bis fünf Fälle im Gemeindegebiet. Glücklicherweise waren alle bisher nur mit leichtem Krankheitsverlauf.

Irnfritz war in den vergangenen Wochen die am stärksten betroffene Gemeinde im Bezirk. Können Sie sich erklären, warum das so ist?

Gruber: Ich glaube, dass viele Ansteckungen am Arbeitsplatz passiert sind. Bei unseren Fällen waren auch Leute vom Militär in Allentsteig und Horn, aus dem Gesundheitswesen und natürlich Pendler dabei. Da wird so etwas schnell von auswärts eingeschleppt und wenn sich dann auch noch die ganze Familie ansteckt, hat man gleich ein paar Fälle zusammen.

Können Sie dem Jahr 2020 im Rückblick auch etwas Positives abgewinnen?

Gruber: Wenn ich zurückdenke, war es ja auch ein Jahr der Wahlen. Mit dem Ausgang bin ich sehr zufrieden. Da konnten wir mit der ÖVP wieder die eindeutige Mehrheit erringen und ein Mandat dazugewinnen. Sehr positiv aufgefallen ist mir auch, dass wir alle in Krisenzeiten näher zusammengerückt sind. Die Hilfsbereitschaft war enorm. Ich glaube, dass manchen auch bewusst geworden ist, wie gut es uns eigentlich geht. Manche vergleichen es ja mit Kriegszeiten. Davon sind wir meiner Meinung nach aber weit entfernt.

Welche Projekte stehen 2021 an?

Gruber: Wir haben Einiges schon seit Längerem geplant. Zum Beispiel bekommt die Gemeinde ein neues Mehrfamilienhaus der Siedlungsgenossenschaft Kamptal. Das Ganze ist bereits in Arbeit, aber in Zuge dessen kommt auch ein neuer Bauhof mit Altstoffsammelzentrum und ein neues Feuerwehrhaus. Das war bereits vor Corona geplant und muss jetzt auch durchgezogen werden. Neben diesen beiden Großprojekten stellen wir die gesamte Ortsbeleuchtung auf LED um. Das alleine kostet 140.000 Euro, wird aber gut gefördert. Mit der Unterstützung vom Land werden wir auch die anderen Projekte durchbringen. Die Kosten des Bauhofs sind ja doch auf rund bis zu 900.000 Euro geschätzt. Fast dasselbe gilt für das Feuerwehrhaus, dass mit Mannschaftsräumen und Garage auf rund 700.000 Euro kommen wird.

Wann soll mit dem Bau begonnen werden?

Gruber: Der Bauhof wird auf alle Fälle in den nächsten Monaten begonnen. Mit der Feuerwehr soll auch bald nach Abschluss der Planung gestartet werden. Bis 2023 rechnen wir vorsichtig mit der Fertigstellung beider Projekte.

Sie sind nicht mehr der Jüngste. Haben Sie im Angesicht der Pandemie schon daran gedacht, aufzuhören?

Gruber: Ich denke darüber nach, aber nicht aufgrund der Pandemie. Ich bin schon mit dem Hintergedanken in die Wahl letztes Jahr gegangen, dass ich die Periode nicht fertigmachen werde. Die bereits erwähnten Projekte würde ich schon noch gerne bis zum Ende mitverfolgen. Nebenbei laufen aber auch schon die Gespräche in der Partei, wie es nach mir weitergehen soll. Ein Wechsel ist also irgendwann in den nächsten Jahren vorgesehen.

Hat sich, seit Sie das Amt angetreten haben, viel am Job und den Anforderungen verändert?

Gruber: Der Job hat sich in den 26 Jahren, in denen ich jetzt Bürgermeister bin, enorm verändert. Ich würde sagen, der Zeitaufwand hat sich seit Beginn verdreifacht, die Bürokratie wurde mehr und Verhandlungen dauern länger. Neben einem Job in der Privatwirtschaft ist das Bürgermeisteramt mittlerweile fast unmöglich auszuüben. Ich habe mich irgendwann selbstständig gemacht. Anders wäre es sich einfach nicht ausgegangen, alles unter einen Hut zu bekommen.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Gruber: Fürs Erste wünsche ich mir Gesundheit für meine Familie und Mitbürger. Dann hoffe ich natürlich auch, dass die Pandemie bald eingedämmt wird und wir wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können. Neben der Wirtschaft hat auch das Gesellschaftliche enorm gelitten. 2020 hätten wir einige große Feste geplant gehabt, die alle nicht stattfinden konnten.