Pipibox: „Alle müssen sich an Vorschriften halten“. Das Irnfritzer Unternehmen Stark wehrt sich gegen Firma, die mit „Kompostierung menschlicher Fäkalien“ warb. „Wollen Öko-Schmäh entlarven.“

Von Thomas Weikertschläger und Michael Pfabigan. Erstellt am 11. August 2019 (04:56)
Reinhard und Gottfried Stark (von links) sind seit dem Jahr 2000 mit ihren Pipiboxen aktiv. „Luxus-Varianten“ der mobilen Toiletten-Anlagen sind auch bei Großevents wie der Ski-WM in Schladming oder dem RedBull-Air-Race im Einsatz.
Thomas Weikertschläger

Erklärungbedarf sehen die Irnfritzer Unternehmer Gottfried und Reinhard Stark aufgrund der Berichterstattung in diversen Medien über den angeblichen „Klo-Krieg“ zwischen ihrem Familienbetrieb, der mit der Marke „Pipibox“ seit dem Jahr 2000 mobile WC-Anlagen anbietet, und dem niederösterreichischen Start-Up „Öklo“.

„Es wurde so dargestellt, als würden wir uns vor dem neuen Mitbewerber fürchten. Das ist nicht so, dem Mitbewerb muss man sich in einer Marktwirtschaft stellen“, sagt Gottfried Stark. Es gehe aber darum, dass sich alle Wettbewerbsteilnehmer an geltende Vorschriften zu halten haben.

Ausgelöst hatte die Auseinandersetzung eine Diskussion um umweltfreundliche Mobil-WCs. Das Start-Up hatte in Fernseh-Sendungen, Zeitungsberichten und auch auf der eigenen Website angegeben, aus menschlichen Fäkalien Kompost herzustellen. „So verlockend es auch sein mag, menschliche Fäkalien direkt als Kompost sowohl in den Öko- als auch den Wirtschaftskreislauf einzubringen – es ist schlicht und einfach verboten“, begründet Stark, warum sein Unternehmen auch gerichtliche Schritte gegen den Mitbewerber eingeleitet hat.

Das Kompostieren menschlicher Fäkalien sei vom Gesetzgeber zum Schutz vor Seuchen – auch vor dem Hintergrund, dass sich darin Keime, Krankheitserreger, Medikamenten- und Drogenrückstände befinden könnten – verboten. Die einzige legale Möglichkeit der Entsorgung von menschlichen Fäkalien sei jene in Kläranlagen. Dort könne man mit Verunreinigungen und etwaigen „Fehlwürfen“ (etwa Getränkedosen oder Becher, aber auch Spritzen oder Kleidungsstücke wie BHs) auch professionell umgehen. Die Kompostierung des Klärschlammes sei dann erst nach einer Mindestfrist von acht Wochen erlaubt.

1.400 „Pipiboxen“ in Ostösterreich im Einsatz

Im Bereich von mobilen Sanitäranlagen gebe es daher auch höchste Hygiene- und Umweltschutzstandards einzuhalten, sagt Stark. Um diese strengen Auflagen erfüllen zu können, bedürfe es nicht nur einer guten Kenntnis der Gesetzeslage und technischer Vorkehrungen, sondern auch gut geschulter Mitarbeiter. Bei Stark arbeiten die Mitarbeiter mit einer Schutzausrüstung und sind Hepatitis-geimpft.

„Und darauf müssen wir im Sinne der gesamten Branche pochen – und manchen Öko-Schmäh entlarven“, meint Stark weiter. Die Verwendung von Sägespänen zum Abdecken der Fäkalien bei „Öklo“ – Stark verwendet in seinen Polyethylen-WCs ein Desinfektionsmittel, das auch in Camping-Klos verwendet werden darf – sei keine ökologische Alternative. Abgesehen davon, dass sie in Kläranlagen, wo die menschlichen Fäkalien ja entsorgt werden müssten, einen reibungslosen Ablauf verhindern, müsse man auch mit der Meinung aufräumen, dass Holz im Hygiene-Bereich besser als Kunststoff sei: „Holz ist anfälliger für Keime und Bakterien und kann nie so gründlich gereinigt werden wie Kunststoff.“.

„Da entsteht ein Bild, das nicht der Wahrheit entspricht. Auch unseren Mitarbeitern, die tolle Arbeit leisten, tut das weh.“Gottfried Stark

Auf Drängen Starks räumte der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe „Öklo“ eine dreimonatige Frist ein, zu den Vorwürfen, menschliche Fäkalien unerlaubterweise der Kompostierung zuzuführen, Stellung zu beziehen. „Nachdem dann aber von ,Öklo‘ nichts gekommen ist, waren wir an einem Punkt angelangt, erstmalig in unserer Firmengeschichte zu klagen. Schließlich geht es bei diesem Thema um etwas Ernstes“, sagt Stark.

„Öklo“-Geschäftsführer Nikolaos Bogizanidis legte daraufhin einen Bescheid des Landes vor, in dem angeführt wird, dass „Öklo“ die menschlichen Fäkalien gar nicht der Kompostierung zuführe, sondern nur für Testzwecke und Versuche kompostiert wurde. Die Klage Starks wurde erstinstanzlich abgewiesen. Jetzt geht Stark in Berufung, das Verfahren soll im Herbst beim Oberlandesgericht Wien neu aufgenommen werden. Dabei gehe es darum, zu klären, dass sich auch „Öklo“ an Vorschriften halten müsse. „Anscheinend will unser Gegenüber den Weg der Konfrontation gehen“, sagt Bogianzidis auf NÖN-Anfrage: „Wir sind ja eh schon mundtot und haben unsere Werbung völlig geändert.“

So wird auf der „Öklo“-Website nun nicht weiter mit der Kompostierung der menschlichen Fäkalien geworben. „In Verkaufsunterlagen und in den bei Veranstaltungen aufgestellten Klos aber sehr wohl“, sagt Stark. Man dürfe nicht vergessen, dass es letztendlich bei dieser Diskussion um die menschliche Gesundheit gehe. „Unsere ganze Branche hat auf hohem Level funktioniert. Und jetzt kommt jemand daher, der sich nicht an Vorschriften hält und uns als Bösewicht hinstellt. Da entsteht ein Bild, das nach außen getragen wird und nicht der Wahrheit entspricht. Auch unseren Mitarbeitern, die tolle Arbeit leisten, tut das weh“, schloss Stark.