Unmut bei der Blasmusik im Bezirk Horn. Vereinsvertreter beklagen fehlende Regelungen für Wiederaufnahme des Probenbetriebs.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 05. Mai 2021 (04:14)
Erich Trauner, Obmann der Musikkapelle Burgschleinitz-Kühnring.
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Unmut und Unverständnis herrscht derzeit bei den Blasmusikvereinen im Bezirk Horn. Der Grund: Obwohl die Bundesregierung weitgehende Öffnungsschritte für den 19. Mai angekündigt hat, wurden bisher keine Regelungen getroffen, wie es für Blasmusikvereine mit Probenmöglichkeiten weiter gehen wird. „Wir sind ein bisschen verzweifelt. Schön langsam wird es zach, der Wille, endlich wieder zu proben, ist bei unseren Mitgliedern schon groß“, erzählt etwa Erich Trauner, Obmann der Musikkapelle Burgschleinitz-Kühnring: „Wir hatten erst vorigen Freitag Online-Probe. Alle haben gefragt, wann es endlich wieder richtig losgeht“, ergänzt er.

„Entscheidungen werden am Schreibtisch getroffen“. So richtig „angefressen“ zeigt sich Harald Schuh, Kapellmeister der Musikkapelle Langau.

Harald Schuh, Kapellmeister der Musikkapelle Langau.
Archiv, Archiv

Er habe wenig Verständnis dafür, warum es in anderen – vergleichbaren – Bereichen wie dem Sport Öffnungen gibt, Blasmusikvereine aber weiter warten müssen. „Die Entscheidungen werden von Leuten am Schreibtisch getroffen, die keine Ahnung vom Vereinsleben haben“, ärgert er sich. Warum aus seiner Sicht die Aufnahme des Vereinslebens – und zwar sowohl des musikalischen als auch des sozialen Teils – so wichtig wäre, macht er an einigen Argumenten fest. So bestünde gerade um diese Jahreszeit die Möglichkeit, Proben im Freien zu machen. Zumindest hätte man Registerproben und Proben in kleinen Besetzungen – in Musikschulen sind diese möglich – auch im Blasmusikbereich erlauben können. Dies wäre auch in Hinsicht auf die musikalische Qualität für künftige Auftritte wichtig. Im Vorjahr habe man, als kurzfristig nach längerer Pause wieder Proben möglich waren, gemerkt, dass das Niveau nicht mehr das selbe war wie vor dem Lockdown.

Kommt „Testpflicht“ für Probenbesuch? Außerdem: „Gerade in Langau haben wir noch dazu direkt vor der Haustür die Möglichkeit, zwei Stunden vor dem Probentermin in die Teststraße zu gehen“, bringt er ein weiteres Argument vor. Dass die Mitglieder das auch tun würden, ist für ihn fix: „Ich leite drei Klangkörper. Da gibt es niemanden, der andere vorsätzlich gefährden würde. Das sind Leute, für die Eigenverantwortung kein Fremdwort ist“, sagt er. Ähnlich sieht das Trauner: „Bei der Gastro wird das auch verlangt werden. Ich halte es für möglich, dass eine Testpflicht künftig auch für Proben kommen wird.“

Etwas mehr Verständnis für die aktuelle Situation bringt Rainer Forster, Obmann der Jugendkapelle Weitersfeld, auf. Zwar sei auch seine Kapelle „in Wartestellung“ und freue sich, wenn es wieder losgehe, aber: „Das ewige Öffnen und wieder Schließen macht auf Dauer auch keinen Sinn“, sagt er. Es sei nicht leicht, Entscheidungen über Öffnungen zu treffen, wenn die Situation noch ungewiss sei.

Kapellen droht Mitglieder-Abgang. Für seine eigene Kapelle habe er diese Sorge zwar nicht, von Kollegen habe er aber häufig die Befürchtung gehört, dass die Vereine aufgrund der langen aufgezwungenen Pause Mitglieder verlieren könnten, sagt Schuh. Hier könne das, was der Blasmusikverband in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut hat, rasch kaputtgemacht werden. Auch Forster sei schon neugierig, ob Mitglieder jetzt „wegbrechen“. Er wisse aber, dass es in seiner Kapelle viele Musiker gebe, „die schon darauf warten, dass wir wieder starten“.

Auch die Psyche leidet. Ein weiterer Aspekt, den die Verantwortlichen häufig übersehen, sei die Bedeutung der Vereine für das soziale Leben, meint Schuh. „Für viele ist die Geselligkeit bei uns wichtiger als die Musik an sich. Der Austausch mit anderen wirkt sich positiv auf die Psyche aus, das wird von der Politik vielleicht unterschätzt“, sagt Schuh.