Friedliches Begegnungsfest in Gars. Keinen Grund zum Einschreiten gab es für die Polizei gegen Plattform, die im Vorfeld Unruhe stiftete. Asylwerber und Bevölkerung feierten friedliches Miteinander.

Von Gerhard Baumrucker und Rupert Kornell. Erstellt am 21. September 2016 (12:34)
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Die „grünen“ Helferinnen Heidi Schrammel, Martina Kaiblinger, Helga Gradner, Sandra Marchsteiner, Regina Ratheiser, Birgit Dollensky, Edeltraud Steiner, Luzia Leodolter, Renate Zirkat, Gabriele Wittmann, Sigrid Köhl, Elisabeth Ehrenberger (v.l.) sowie Hayder Muslit organisierten das gelungene Fest.

Angekündigte Revolutionen finden bekanntlich nicht statt, so verlief auch das Begegnungsfest auf der Burg am Nachmittag des Samstags äußerst friedlich, wie Bürgermeister Martin Falk und Bezirkspolizeikommandant Günther Brinnich übereinstimmend berichteten (auch NÖN.at hatte berichtet, siehe ganz unten).

Aktionsgruppe hatte Stimmung gemacht

Im Vorfeld hatte eine dreiköpfige Aktionsgruppe, zumindest einer davon selbst ernannter Akademiker, durch Postings in sozialen Medien und Flugblättern („Asylanten nicht willkommen!“) Stimmung gegen die Flüchtlinge gemacht, die in Gars untergebracht sind.

Brinnich war daher mit einem Dutzend Polizeibeamten und weiteren zwei vom Verfassungsschutz vor Ort: „Grund unserer Aufmerksamkeit war in erster Linie nicht so sehr die Plattform ,Gars den Garsern‘, der Fokus lag vielmehr auf einem eventuellen Einsatz aufgrund der Postings. Da diese unbegrenzt sichtbar sind, bestand die Gefahr, dass irgendwelche Gruppen hätten aufspringen können. Aber es blieb alles ruhig.“

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Bürgermeister Martin Falk lobte Hayder Muslit und Mohamed Fredj (von links) für ihre Deutschkenntnisse.

Das Trio habe sich friedlich verhalten, die Versuche, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen, scheiterten allesamt, sodass es nach einer Stunde wieder abzog.

„Integrationsprozess verläuft bei uns ruhig“

Bei dem Fest, ausgerichtet von der Marktgemeinde und den Aktivisten von „willkommen MENSCH! in Gars“, konnte Falk an die 40 Asylwerber und gut 200 Gäste, darunter Pfarrer Josef Zemliczka und Raffaella Pagogna, die Freiwilligenkoordinatorin des Flüchtlingsdienstes der Diakonie, begrüßen. „Es gibt Diskussionen, auch gegensätzliche“, stellte er fest, „aber als Bürgermeister kann ich sagen, dass der Integrationsprozess in unserer Gemeinde ruhig über die Bühne geht.“

Er dankte den freiwilligen Helfern, die den Asylwerbern vor allem beim Erlernen der deutschen Sprache zur Seite stehen. Als Dolmetscher für Arabisch fungierte Mohamed Fredj, dessen Gattin Doris eine Österreicherin ist. Auf Deutsch dankte Hayder Muslit aus dem Irak namens der Asylwerber für die Gastfreundschaft in Gars: „Wir haben schon viele Freunde und hoffen auf eine gute Zukunft.“

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Das Garser Ärzteehepaar Harald und Birgit Dollensky kennt Nabil Deeb und Ghasi Nasif (von links) schon lange. Foto: Gerhard Baumrucker

Zu einem Fest gehört ein spannendes Programm. Es gab orientalische Schmankerln, frisch zubereitetes Fladenbrot, Mehlspeisen, Kaffee, Fruchtsäfte und Mineralwasser. Für „Nicht-Moslems“ spendierte Hans Biffl seinen „Wiedehopfwein“ aus Thürneustift. Zauberer „Prof. Bombasti“, Gerichtsmediziner Manfred Hochmeister, begeisterte die große Kinderschar mit einer fast einstündigen Show – ganz ohne Sprachbarrieren!

Eine Gruppe von Trommlern, zeitweise verstärkt durch Falk mit der Ziehharmonika und Andreas Hadl mit der Bassgeige, sorgte für die musikalische Umrahmung. Dank der Bemühungen von Gemeinderätin Pauline Uitz und den Freiwilligen um Gabriele Wittmann und Regina Ratheiser war es ein gelungenes Fest, womit die Veranstalter sehr zufrieden sein konnten.