Kultur in Coronazeit: „Warum war man da nicht kreativ?“. Musiker Rainer Greylinger aus Starrein im Waldviertel (Gemeinde Weitersfeld, Bezirk Horn) kritisiert langes Warten auf Corona-Entscheidung im Kultur-Bereich – und unterhält online.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 22. Mai 2020 (14:46)
Rainer und Sabine Greylinger sorgen mit ihren Online-Videos zumindest für virtuelle Unterhaltung. Gemeinsam mit den Bandmitgliedern Michi Scheed, Max Neubauer, Werner Grolly und Tochter Flo gibt es auch schon ein von der Ferne zusammengeschnittenes Video.
privat

Immer größer wird der Unmut in der Kultur-Szene über die lange Zeit herrschende „Nicht-Behandlung“ der Kultur und Kunst in der Coronakrise durch die Regierung. Nicht nur Größen der Österreichischen Szene wie Lukas Resetarits, auch heimische Kulturschaffende formulieren ihre Unzufriedenheit.

Einer, der sich kein Blatt vor dem Mund nimmt, ist der Starreiner Rainer Greylinger. Auch wenn er selbst sein musikalisches Tun „nur als Hobby“ bezeichnet, findet er klare Worte: „Für Leute, die von ihrer Kunst leben müssen, ist die Situation ein Drama.“

So gut die Regierung bei Fragen für die Wirtschaft reagiere, so wenig sei lange Zeit von ihr gekommen, was den Kulturbereich betreffe. „Es ist wenig, was die Beträge betrifft, die Kulturschaffenden in Aussicht gestellt werden, und es ist wenig, was der Regierung zur Zukunft der Kunst generell einfällt“, sagte er und moniert Ungleichheiten.

Veranstaltungen mit etwas Hausverstand möglich

Wenn es der Gastronomie gestattet sei, wieder aufzusperren, warum sei es dann noch nicht möglich, unter ähnlichen Rahmenbedingungen auch wieder Auftrittsmöglichkeiten für Künstler zu schaffen? Denn mit etwas Hausverstand sei es leicht möglich, Veranstaltungen durchzuziehen.

Er könne sich vorstellen, dass man in Sälen Tische aufstellt, an denen dann auch vier Erwachsene sitzen dürfen oder bei „Gartenkonzerten“ mit Heurigengarnituren mit genügend Abstand zueinander Veranstaltungen abhalten könnte: „Das würde gehen, wenn man es mit Hirn macht“, sagte Greylinger und zieht einen Vergleich: „Da würden sich die Leute nicht so nahe kommen wie in den engen Gängen in manchen Baumärkten.“

Auch wenn der Kulturbetrieb für einen Staat „nicht zwingend erforderlich“ sei, gerade in einer Kulturnation wie Österreich könne man von der Politik den Willen, rasch Lösungen für Kulturschaffende zu finden, erwarten. „Warum war man hier nicht ein bisserl kreativ?“, fragte er sich. Schließlich müsse man schauen, dass die Künstler wieder die Möglichkeit bekommen, sich ein Einkommen zu erarbeiten.

Seit 15. März täglich ein Song im Internet

Dass der Hunger nach Kunst groß ist, zeige das Interesse an seinen Online-Videos. „Die Leute sind enorm dankbar, dass wir täglich eine Nummer online stellen“, sagte er. Denn seit zu Beginn der Corona-Krise aufgerufen wurde, am 15. März Live-Musik vom Balkon zu spielen, sei es für Greylingers Band „solid&gold“ klar gewesen, bei dieser Aktion mitzumachen.

„Dann haben wir gemerkt, dass viele Musiker täglich weitermachen – da war es Ehrensache, dass wir das auch tun.“ Seither wird täglich eine Nummer auf Facebook und Youtube veröffentlicht, insgesamt schon an die 50, die jeweils mehrere tausend Klicks erhalten. „Offensichtlich ist Musik gerade in schwierigen Zeiten Balsam für die Seele“, sagte er und schiebt nach: „Wir freuen uns schon auf hoffentlich baldige Live-Auftritte.“

Ab dem 29. Mai sind ja wieder Veranstaltungen bis 100 Personen erlaubt, da haben auch „solid&gold“-Fans wieder Chancen, ihre Helden nicht nur am Bildschirm zu bewundern.