Kind von Vater aus Geschäft „entführt“. 9-Jährige der Mutter im Spielzeuggeschäft im EKZ Horn abgenommen. Wunsch des Kindes wird ignoriert.

Erstellt am 17. Juni 2014 (11:55)
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Bedauernswertes Kind seit Jahren zwischen den Fronten: Eine Neunjährige muss Nachwehen der Scheidung ausbaden. Symbolfoto: Wodicka

Die vermeintliche Entführung, die rechtlich genau genommen keine ist, bildet den Höhepunkt eines seit Jahren tobenden Sorgerechtsstreits um ein Mädchen (9), in dem auch Gericht und Jugendamt mitmischen. Derzeit ist die Kleine wieder einmal beim Vater.

Vater schnappte sich Kind in einem Geschäft

2007 wurde die Ehe der Eltern der Schülerin durch überwiegendes Verschulden des Mannes geschieden, 2008 die Obsorge vom Bezirksgericht Horn der Mutter zugesprochen. Später änderte das Landesgericht Krems das Urteil: Kind zum Vater! Nach nicht bewiesenen Missbrauchsvorwürfen gegen ihn (Verfahren eingestellt, Anm.) brachte das Jugendamt der BH Horn Kind und Mutter im September 2013 in einem Frauenhaus unter.

Als sich das Mädchen eben an einer neuen Schule eingelebt hatte, wurde nun Mitte Mai vom Gericht entschieden, das Kind müsse zum Vater zurück. Das damit beauftragte Jugendamt wollte die angeordnete „Abnahme“ nicht gewaltvoll vornehmen und wartete zu.

Da griff der Vater zur Selbsthilfe. Während eines Einkaufs in einem Spielzeuggeschäft im EKZ Horn wurde die Mutter von zwei Frauen (Freundinnen des Vaters) abgelenkt, der Ex-Gatte nahm in der Zwischenzeit das Kind an sich und verschwand …

„Das Gericht tritt das Kindeswohl mit Füßen“

Der Anwalt der Mutter, Heinrich Nagl, hat Rekurs gegen die Entscheidung angemeldet. Aktuell kann er seiner Mandantin trotz der „Selbstjustiz“ des Vaters nicht helfen. „Die Obsorge ist dem Vater zugesprochen, aber das Kind sollte unter Beiziehung eines Jugendwohlfahrtsträgers übergeben werden.“

Er ärgert sich über die Situation: „Das Gericht tritt das Kindeswohl mit Füßen. Sein Wille wird konsequent ignoriert.“ Es habe sich mehrfach dafür ausgesprochen, bei der Mutter bleiben zu wollen. Dennoch würde seine Mandantin das Mädchen nie „zurückentführen“. Selbst entscheiden kann das Kind erst mit 14.

„Entführung“ korrekt? Anwalt: „Warum nicht?“

Völlig anders sieht der Anwalt des Vaters, Josef Wegrostek, die Situation. „Das Kind ist jetzt dort, wo es laut Gerichtsbeschluss sein soll.“ Auf die Frage, ob die „Entführung“ korrekt gewesen sei, kontert er: „Warum nicht? Wäre es besser gewesen, mit dem Exekutor zu kommen?“ Sein Mandant hätte das Mädchen lieber von der Schule abgeholt, aber die (laut Wegrostek „nicht ganz zurechnungsfähige“) Mutter habe es ihm vorenthalten. „Wenn das Kind unglücklich ist, werden wir es zurückgeben.“

Mit diesem Versprechen lehnt sich Wegrostek weit aus dem Fenster. Denn nach Angaben der Mutter und Eltern von Mitschülern sei das Mädchen seit der „Rückstellung“ zum Vater ständig traurig. Die ersten Tage habe es nur geweint.

Eine Freundin des Vaters initiierte nun eine Petition

Parallel zum Gerichtsverfahren laufen Bemühungen eines Freundeskreises des Vaters, der Mutter das Kind dauerhaft zu entziehen. Eine von drei Freundinnen (zwei sind Ex-Kolleginnen des Kindesvaters) initiierte Petition unter dem Titel „Eine unglaubliche und unendliche Geschichte“ liegt der NÖN vor.

Unter der Überschrift „Wir wollen X. (Kindesname, Anm. der Red.) helfen“ stehen Autogramme von einigen Leuten, die die Mutter persönlich gar nicht kennen. Gegen die Frau werden auch wegen einer körperlichen Behinderung schwere Vorwürfe erhoben, nach Ansicht eines befreundeten Juristen handelt es sich bei einem Teil der Vorhaltungen sogar um massive Verleumdungen.

Das letzte Wort ist vermutlich noch lange nicht gesprochen – und es ist überflüssig zu betonen, dass es allen Beteiligten „ausschließlich um das Kindeswohl“ geht.