Anrainer leiden: Gebell von 53 Hunden stört gewaltig. Ärger in Weitersfeld (Bezirk Horn): Die Belastungsgrenze ist in der Nachbarschaft längst erreicht, Tierbesitzerin sieht keine Lärmbelästigung vorliegen. Gerichtsverfahren steht bevor.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 09. September 2020 (05:48)

„Mich machen die Hunde fertig“, sagt ein älterer Weitersfelder, der anonym bleiben möchte. Er hat seit zwei Monaten neue Nachbarn, die gezählte 53 Hunde besitzen; wenn diese bellen und heulen, leidet nicht nur er darunter.

Anrainer entlang der Hauptstraße beklagen den Lärm, der tagsüber und nachts auftrete. „Um zwei Uhr nachts geht’s los. Ich kann nicht mehr schlafen“, musste der sowieso gesundheitlich angeschlagene Mann schon fünf Tage im Spital verbringen.

Selbst vorbeifahrendes Moped übertont Gebell nicht

Vier Anrainer suchen wegen dieser Situation das Gespräch mit der NÖN, alle möchten anonym bleiben. „Kein Weitersfelder ist glücklich darüber“, erzählt einer von ihnen.

Ein vorbeifahrendes Moped könne das Gebell nicht übertönen. „Das ist einfach eine psychische Belastung, die selbst der Doktor attestiert hat“, ergänzt er. „Einer unserer Nachbarn fährt manchmal zu seiner Schwester, um schlafen zu können.“

Die Hundebesitzerin wollte der NÖN gegenüber zuerst keinen Kommentar abgeben, sagt aber dann: „Es liegt keine Lärmbelästigung vor, die Hunde bellen nur, wenn der Postbote kommt oder ein Traktor vorbeifährt.“ Das sei nach zehn Minuten wieder vorbei. Niemand rege sich auf, wenn ein Traktor vorbeifahre: Man müsste sich schon eine Toleranz von den Leuten erwarten können.

Der ältere Weitersfelder geht mit der NÖN in seinen Garten, daneben laufen auf dem Nachbargrundstück bellend die Hunde auf und ab. Er erzählt, dass sich seine Frau kaum mehr traut, das Blumenbeet zu pflegen: Zu bedrohlich wirken die Tiere auf sie.

Besitzerin: „Nie ist jemand gefährdet worden“

„Die Hunde sind nie ausgebrochen, es ist nie jemand gefährdet worden und die Tiere sind alle kastriert“, erklärt indes die Besitzerin, die ebenso ihren Namen nicht in der Zeitung sehen möchte. Sie habe die Hunde aus Tierschutzgründen zum Teil aus dem Ausland aufgenommen, „als die Grenze wegen Corona zugemacht wurde, hat sich niemand mehr zuständig gefühlt“.

Die Behörden und das Bezirksgericht sind mit dem Problem beschäftigt. Die Amtstierärztin war mit Bürgermeister Reinhard Nowak auf dem 1.700 Quadratmeter großen Grundstück. „Die Hunde haben die ganze Zeit, – wir waren von 10 bis 12 Uhr dort, – gebellt“, schildert Nowak.

Er höre die Klagen aus der Nachbarschaft: „Das Lärmempfinden ist da und es gibt Gesundheitsatteste von Ärzten. Es ist extrem gesundheitsgefährdend“, denkt er daran, dass „rundherum“ ältere Menschen wohnen. Eine gesetzliche Handhabe habe er als Vertreter der Baubehörde nicht: „Die Hundebesitzerin ist eine Mieterin, nach der Bauordnung kann ich nur dem Eigentümer etwas auferlegen.“

Die Mieter seien aus dem Weinviertel nach Weitersfeld gekommen: „Dort hatte die Gemeinde dasselbe Problem.“ Es könne sein, dass bei einem Wegzug der Mieter „das Problem bei einem anderen Bürgermeister“ liegt, überlegt Nowak. „Das ist das Traurige daran.“

Die Grundbesitzer haben mittlerweile eine Räumungsklage vor Gericht eingebracht: Das zivilrechtliche Verfahren wird mit Lokalaugenschein Ende September stattfinden. „Ich hoffe, dass dann eine Entscheidung zum Wohle der Bevölkerung getroffen wird“, erklärt der Bürgermeister. Die Anrainer warten ebenso das Gerichtsverfahren ab. „Solange sich nichts tut, haben wir keine Hoffnung. Nach dem Gerichtstermin weiß man vielleicht mehr“, sagt einer von ihnen.