41 Jahre im Schuldienst: „Waren erfüllende Zeiten!“. Nach 41 Jahren im Schuldienst, zuletzt in Spitzenposition in der Bildungsdirektion, genießt Rudolf Köstler die Ruhe daheim.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 25. März 2020 (04:30)
Auf der Terrasse seines Hauses in Altenburg kann Rudolf Köstler jetzt mehr Zeit verbringen und in Ruhe und ohne Hektik den Nachmittagskaffee genießen. Auf keinen Fall fehlen darf dabei die Zeitung aus seiner Heimat Salzburg.
privat

Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, dass er Jahre, ja sogar Jahrzehnte lang das Bildungsgeschehen im Bezirk und auch im Land NÖ entscheidend mitgeprägt hat. Seit wenigen Tagen ist der mit den Titeln „Regierungsrat“ und „Hofrat“ ausgezeichnete Schulqualitätsmanager Rudolf Köstler im Ruhestand. Mit der NÖN sprach er via Telefon über Vergangenheit und Zukunft.

NÖN: Herr Köstler, Sie sind ja ein gebürtiger Salzburger, genauer gesagt aus St. Johann im Pongau. Wie sind Sie eigentlich nach Horn gekommen?

Köstler: Nachdem ich in meiner Geburtsstadt die Volks- und Hauptschule besucht habe, wollte ich ein Musisch-Pädagogisches Gymnasium besuchen, weil ich Lehrer werden wollte. Das gab es nicht, also kam ich nach Horn ins Aufbaugymnasium und wohnte im Canisiusheim. Und dann bin ich eben – auch nach dem Präsenzdienst in St. Johann – in Horn hängengeblieben, von hier aus habe ich auch die Pädagogische Akademie in Krems besucht und die Ausbildung zum Hauptschullehrer für die Fächer Englisch und Bewegung und Sport abgeschlossen.

Wie verlief dann Ihre „Karriere“ in der Schule?

Köstler: Meine erste und einzige Dienststelle war ab September 1979 die Hauptschule in Gars, wo ich in meinen Fächern eingesetzt war. Worauf ich auch ein bisschen stolz bin, dass ich dort bei der Einführung der Sporthauptschule maßgeblich mitwirken durfte. Schon in diesen Jahren habe ich mich in der Personalvertretung der Pflichtschullehrer und im gewerkschaftlichen Dienststellenausschuss engagiert, was schließlich dazu geführt hat, dass ich in den Zentralausschuss der Landeslehrer zuerst „geschnuppert“ habe und dann hineingewählt wurde.

Da gab es doch noch etwas, wofür Sie sich engagiert haben und das für ihre Wahl in den Zentralausschuss maßgeblich war …

Köstler: Richtig, nämlich meine Mitarbeit zuerst in der Lokalredaktion der NÖN – ich erinnere mich noch genau an meine erste große Geschichte, den tödlichen Unfall zweier Ruderer im Kamp – und dann als Sportkoordinator für das Waldviertel. Und für etwa eineinhalb Jahre habe ich nach dem Abgang des leider schon verstorbenen Redakteurs Karl Müllauer als Produktionsleiter nach St. Pölten die Horner NÖN mit einem gewissen Rupert Kornell geführt (lacht). Diese Arbeit hat mir sehr viel für meine spätere Tätigkeit gegeben.

Und dann begann ja Ihr rasanter Aufstieg.

Für den ehemaligen Lehrer für Bewegung und Sport ist der Aufenthalt im Freien ein unbedingtes Muss, gleichgültig ob bei der Gartenarbeit, beim Laufen oder beim Golfen. Letzteres muss der aktive „Jung-Pensionist“ derzeit aber hintanstellen …
NOEN

Köstler: Bei meiner spannenden Tätigkeit im Zentralausschuss von 1994 bis 1999 – ein politisches Mandat hat mich nie sonderlich interessiert – habe ich sehr viele Kontakte knüpfen können und einen Einblick in das Bildungssystem gewonnen. Als sicherlich meine schönste Zeit kann ich die von 1999 bis 2011 bezeichnen, als ich Bezirksschul- bzw. später Pflichtschulinspektor im Bezirk Horn war. Diese Arbeit und die Begegnung mit Direktoren, Lehrern, Eltern und Schülern, auch mit Kommunalpolitikern, hat mir unheimlich viel gegeben. In der Zeit war ich übrigens auch EU-Inspektor in Brüssel und habe beim Aufbau der Regionalstruktur in den heutigen Bildungsregionen mitgeholfen.

Diese Arbeit hat Sie ja dann auch auf die nächste Ebene geführt.

Köstler: Ja, und zwar erst einmal als erster Bildungsmanager für das gesamte Waldviertel, ab 2011 dann als Landesschulinspektor und bis zu meinem Ruhestand, den ich mit 1. März angetreten habe, als Schulqualitätsmanager.

Ehe wir über den Ruhestand reden: Was zählt noch zu den Höhepunkten ihrer Tätigkeit?

Köstler: Im Bezirk sicher die Einrichtung der Polytechnischen Schule für den ganzen Bezirk in Horn, da galt es, alle Gemeinden unter einen Hut zu bringen. Und das war keine ganz leichte Aufgabe. Dann die Einführung eines Pädagogentages mit namhaften Referenten zur Weiterbildung der Lehrer und schließlich die Zusammenarbeit mit allen Schulen. Da habe ich viel initiieren und unterstützen sowie weitgehend Schulautonomie zulassen können. Als Schulqualitätsmanager darf ich auch drei Dinge herausstreichen: Die maßgebliche Betreuung als Landeskoordinator bei der Umwandlung der Haupt- in die Neuen Mittelschulen, das war eine Riesenaufgabe, der Vorsitz in der Kommission zur Auswahl der Leiter und das Knüpfen und Pflegen von Kontakten zwischen dem Landesschulrat – jetzt Bildungsdirektion – und der Landesregierung.

Trauern Sie dieser Zeit nach?

Köstler: Nein, die 41 Jahre im Schuldienst waren eine erfüllende Zeit mit vielen Erfolgen, aber dieser Lebensabschnitt ist jetzt vorbei und ich freue mich auf die nächste Zeit. Ich verfolge nach wie vor alles, was in der Schule passiert, aber habe eben keinen operativen Part mehr. Den werden andere übernehmen, man ist nicht unersetzbar.

Wie wird diese neue Zeit, der Ruhestand, aussehen? Haben Sie sich schon damit angefreundet?

Köstler: Zuerst gilt es einmal herunterzukommen. Die derzeitige Situation hilft mir dabei. Ich muss meinen Tagesablauf neu gestalten, habe keine „To-do-Liste“ mehr und keinen Terminzwang. In der vielen Freizeit pflege ich zum einen mein Netzwerk, derzeit per Telefon, wenn es wieder möglich ist persönlich, betreibe Sport, arbeite im Garten, gehe mit dem Hund spazieren und vor allem freue ich mich auf die Familie. Es ist schön, meine derzeit noch drei Enkerl, ein viertes wird demnächst erwartet, aufwachsen zu sehen. Ganz zurückziehen werde ich mich allerdings nicht, denn ich werde noch die Pflichtschulabschlussprüfungen abnehmen und vermutlich ab Herbst den Österreichischen Buchklub der Jugend übernehmen, denn Lesen und Leseförderung waren mir immer ein großes Anliegen.