Krahuletz' Anfänge in Zeitungen durchleuchtet. Gerhard Dafert durchforstete alte Zeitungen, die früh über Museumsgründer Johann Krahuletz schrieben.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 08. Oktober 2019 (14:36)
Karin Widhalm
Krahuletz ist im druckfrischen Waldviertel-Heft vertreten: Autor Gerhard Dafert, Schriftleiter der Zeitschrift Markus Holzweber und Vortragender Johannes M. Tuzar.

Johann Krahuletz: Der Name ist untrennbar mit der Stadt verbunden, nicht zuletzt, weil seine historische Sammlung in seinem 1902 eröffneten Museum in Eggenburg zu sehen ist. Gerhard Dafert, Obmann der Krahuletz-Gesellschaft, hat sich mit dem Gründer auseinandergesetzt, indem er alte Zeitungen durchforstete – und zwar jene, die vor 1902 über den Pionier der prähistorischen Archäologie geschrieben hatten. Darüber sprach der Eggenburger am Montag (7. Oktober) im Museum.

„Die Biografie von Johann Krahuletz ist eine ständige Herausforderung“, vergleicht Dafert dies mit einem „theoretisch unendlichen“ Mosaik, wo ständig Stücke ergänzt werden. Die älteste Meldung über Krahuletz ist aus dem Jahr 1879 in „Die Neue Freie Presse“. Er wird in Zeitungsberichten als Sänger, Schauspieler und Feuerwehrmann erwähnt, oft als Forscher, Sammler und Museumsmensch beschrieben.

"Muss engen Kontakt zu Redakteuren gegeben haben"

Sie beweisen die Kränkungen, die Krahuletz durchmachen musste: Er sei verhöhnt, verkannt und als Vagabund bezeichnet worden. Offenbart wird aber auch die frühe Anerkennung seiner wissenschaftlichen Arbeit. „Es muss einen engen Kontakt zu Redakteuren gegeben haben“, schlussfolgert Dafert. Überraschend war für ihn, dass Krahuletz 1863 oder 1864 schon als 14- bis 16-Jähriger zum Sammeln begonnen haben dürfte.

Und: Das erste Museum bestand schon 1889 in der Bürgerschule, dort war erstmals die Krahuletz-Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich. Dafert zieht daher nicht das Jahr 1902 als Startpunkt, auch wenn er ein Meilenstein sei, heran. „Unser Museum ist 130 Jahre alt", präzisiert er.

Dafert veröffentlichte Recherche-Ergebnisse

Viele Details und einige „Histörchen“ hat Dafert gefunden. Ihm war wichtig, dass die recherchierten Informationen publiziert werden. „Es nützt nichts, wenn nur einer das Wissen hat.“ Der Beitrag „Johann Krahuletz im Spiegel von Zeitungen. Zur frühen Wahrnehmung des Museumsgründers“ ist soeben im druckfrischen Heft „Das Waldviertel“ (3/2019) erschienen.

Die Zeitschrift kann im Abo oder als Einzelheft bestellt werden: www.daswaldviertel.at

Die Krahuletz-Gesellschaft befasst sich gerade umfassend mit dem Gründer, beteiligt sie sich doch am Projekt „MuseumsMenschen“ des NÖ Museumsmanagement. Direktor Johannes M. Tuzar hielt erst in Wiener Neustadt vor Historikern und Projektmitgliedern den Vortrag „Johann Krahuletz. Feldforscher, Museumsgründer, Professor der Geologie“ – und das tat er am Montag nochmal.

"Wuchs wirklich in armen Verhältnissen auf"

„Im Gegensatz zu vielen anderen Gründern wuchs er wirklich in armen Verhältnissen auf“, beschrieb Tuzar. Der frühe Kontakt zu Candid Ponz Reichsritter von Engelshofen, der penibel sammelte und dokumentierte, übte großen Einfluss auf Krahuletz aus. Tuzar hob außerdem hervor, wie groß später sein Netzwerk zu Wissenschaftlern war.

Vieles weiß man, weil etwa viele Briefe von renommierten Forschern an Krahuletz erhalten geblieben sind; alles weiß man aber (noch) nicht. Vielleicht bringt das Projekt „MuseumsMenschen“, das noch bis zum 30. November läuft, weitere Mosaikteile ans Tageslicht.