Kritik an Pfarrbrief. Provokation | Kritik im Ort fast nur hinter vorgehaltener Hand. Pfarre Neukirchen nach deftiger Aussendung im ganzen Land bekannt.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 11. Juni 2014 (23:59)

NEUKIRCHEN | Weil „gottlose Gesetzesvorschläge Gesetze werden“, sehe er sich veranlasst, eine „seelsorgliche Aufklärung im Hinblick auf künftige EU- und Österreich-Wahlen“ zu geben. Eine deftige Aussendung des Neukirchner Pfarrers André M. Wingen sorgt für Unruhe.

Im Pfarrblatt, das wenige Tage nach der Europa-Wahl erschien, geißelt der Seelsorger neben der Abtreibung vor allem die Gender-Ideologie und bezeichnet Homosexualität als „pervers und widernatürlich“. Sie „gehört geheilt“. Während der Pfarrer für die NÖN trotz zahlreicher Versuche für keine Stellungnahme erreichbar war und sich engste Pfarrmitarbeiter nur hinter vorgehaltener Hand zu äußern wagen, schlug das Pfarrblatt hohe Wellen.

Neben Berichten in Tageszeitungen gab es eine Reihe von Anfragen von Radio- und Fernsehstationen bei Bürgermeister Josef Gumpinger. „Es ist nicht das erste Mal, dass der Herr Pfarrer so in Aktion tritt“, meint der. „Jeder kann machen, was er glaubt, aber die Wortwahl halte ich schon für verfehlt. Radikalisierung, in egal welche Richtung, lehne ich grundsätzlich ab.“ Mehr wolle auch er nicht zur leidigen Angelegenheit sagen „In kirchliche Angelegenheiten möchte ich mich nicht einmischen.“

Leider konnten wir Pfarrer Wingen auch nicht fragen, ob er die spontan geäußerte Einladung des Kommunikationswissenschafters Raimund Lunzer aus Eggendorf im Thale (Bezirk Hollabrunn) annimmt. Dieser hat dem Seelsorger einen Gratisplatz in seinem Seminar mit dem Titel „Sprache schafft Wirklichkeit – Wie kommuniziert man möglichst fair über sexuelle Orientierung?“ Ende dieses Monats angeboten.