Röschitzer Bürgermeister: „Glasfaser ist große Chance“. Der Röschitzer Bürgermeister Christian Krottendorfer hofft auf Packen der 40-Prozent-Hürde – und vermisst Bürgerkontakt.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 19. Februar 2021 (04:21)
Josef Bollwein

NÖN: Auch wenn 2020 von Corona geprägt war: In Röschitz wurden dennoch einige Projekte umgesetzt. Wie fällt Ihre Bilanz für das abgelaufene Jahr aus?

Christian Krottendorfer: Grundsätzlich sehr durchwachsen. Erfreulich war aber, dass es uns trotzdem gelungen ist, die wesentlichen Projekte abzuarbeiten und umzusetzen. Konkret kann man die Fertigstellung und die Eröffnung des neuen Nah&Frisch Marktes im Ortszentrum von Röschitz und die Fertigstellung und Eröffnung der Tagesbetreuungseinrichtung in Form eines Zubaus zum Kindergarten in Röschitz nennen. Dazu haben wir es geschafft, die Siedlungserweiterung in Roggendorf und in Röschitz zu beginnen. Und ganz wichtig: In unserer Gemeinde hatten wir bis dato keine schweren Krankheitsverläufe und Todesfälle in Bezug zur Pandemie beklagen müssen.

Gesellschaftlich und wirtschaftlich war es dennoch ein hartes Jahr. Wie sehr hat Ihre Gemeinde das gespürt?

Krottendorfer: Gesellschaftlich war das Jahr natürlich negativ, da ja das gesellschaftliche Leben inklusive sämtlicher Vereinsaktivitäten zum Großteil nicht möglich war und bis auf den „Lichtblick“ im Sommer und im Frühherbst fast zu 100 Prozent zusammengebrochen ist und sämtliche Veranstaltungen abgesagt wurden.

Wirtschaftlich war es im gesamten gesehen natürlich ebenso unerfreulich, auch für uns als Gemeinde. Wir hatten bei den Haupteinnahmen – Ertragsanteile und Kommunalsteuer – insgesamt um etwa 12 Prozent an Rückgängen zu verbuchen.

Wirken sich diese Rückgänge auf die aktuellen Projekte aus?

Krottendorfer: Auf die bereits vor der Krise begonnenen Projekte nur bedingt und eher unwesentlich in Form von einigen Tagen Verzug, die für die Gesamtfertigstellung der Projekte letztendlich gar keine Auswirkung mit sich gebracht haben. Für neue oder geplante Projekte gibt es natürlich schon Auswirkungen. So konnte etwa die Siedlungserweiterung entgegen der ursprünglichen Planung anstatt im Sommer erst im Spätherbst begonnen werden. Ein anderes Beispiel ist das aktuelle Glasfaserprojekt. Da ist es nicht möglich, Infoveranstaltungen – weder für große Gruppen noch in Kleingruppen – abzuhalten. Andere Projekte oder Ideen wurden vorläufig überhaupt nach hinten verschoben.

Die Projekte zur Siedlungserweiterung und zum Glasfaser-Ausbau werden aber dennoch vorangetrieben?

Krottendorfer: Auf jeden Fall! Sowohl die Fertigstellung der beiden Siedlungserweiterungen in Röschitz und Roggendorf ist uns wichtig. Der mögliche Glasfaserausbau ist gerade jetzt DIE große Chance für unsere Gemeinde. Ich hoffe, dass das die Menschen auch so erkennen und sich dafür entscheiden und in den kommenden Wochen bis spätestens 14. März „Ja zu Glasfaser“ sagen.

Das heißt, zum Opfer fallen der Pandemie keine Projekte?

Krottendorfer: Mittelfristig hoffentlich nicht. Es ist nur so, dass wir momentan Prioritäten setzen müssen und einige Themen, die wir heuer schon vorbereitet und begonnen hätten, aber momentan nicht „lebensnotwendig“ sind, nach hinten verschoben werden. Das soll aber nicht heißen, dass diese Projekte für immer schubladisiert bleiben und damit sterben. Ich bin schon zuversichtlich, dass wir diese Themen zu einem späteren Zeitpunkt wieder anpacken und womöglich sogar mit dem Einfluss neuer Erkenntnisse durch die Krise umsetzen können.

In der Krise hat sich gezeigt, dass Freiwilligkeit in unserer Region großgeschrieben wird. Wie empfindet man das als Bürgermeister?

Krottendorfer: Freiwilligkeit wird bei uns nicht nur in der Krise großgeschrieben – das war und ist schon immer unsere Stärke gewesen. Man darf stolz sein, es ist beruhigend und gleichermaßen überwältigend, dass es hier immer wieder sofort Institutionen und Vereine gibt, die auf unbürokratischen Wegen da sind, um zu helfen. Das ist auch eines unserer wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale und Stärken gegenüber dem urbanen Raum. Danke auf diesem Wege allen, die immer wieder mitgeholfen haben, etwa bei den Einkaufsdiensten, bei den Apothekenabholdiensten und zuletzt auch bei den freiwilligen Testungen.

Was können wir aus der Krise für die Zukunft mitnehmen?

Krottendorfer: Die Menschen haben wieder erkannt, welche Möglichkeiten der ländliche Raum und damit auch unsere Region bieten und es viele wieder mit Freude und Zuversicht aufs Land zieht. Das schlägt sich aktuell sowohl in der Hauptwohnsitz- als auch in der Nebenwohnsitzbilanz bei uns positiv nieder. Positiv war, dass viele Menschen die Möglichkeit bekommen haben, von zu Hause aus zu arbeiten und vor allem, dass von beiden Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – rasch erkannt wurde, dass diese Form der Arbeit in vielen Bereichen gut funktioniert und ein rasches Vertrauen von beiden Seiten aufgebaut wurde. Daraus resultiert auch, dass viele Autokilometer wegfallen und Menschen, die sonst zur Arbeit pendeln müssen, mehr Zeit zur Verfügung haben und damit der CO 2 -Ausstoß reduziert wird.

War auch der Röschitzer Bürgermeister im Homeoffice? Was hat sich sonst noch in der täglichen Arbeit verändert?

Krottendorfer: Ich hatte die Möglichkeit, drei bis vier Tage pro Woche im Homeoffice zu verbringen. Die Zeitersparnis für die wegfallende tägliche Fahrt ins Büro von zweieinhalb bis drei Stunden bringt auf der anderen Seite ein Plus von neun bis zehn Stunden Mehrzeit pro Woche für die Arbeit von zu Hause aus bzw. auch zur Bewältigung des Mehraufwandes für Krisenmanagement in der Gemeinde. Es gab eben mehr von diesem Krisenmanagement, dafür weniger Sitzungsaufwand und weniger Repräsentationsaufgaben. Fad ist mir dabei aber keinesfalls geworden. Im Gegenteil, die Arbeitszeit bzw. der Aufwand hat sich nur etwas verlagert. Zeit für Familie und Hobbies am Wochenende wurden aufgrund wegfallender Termine und Veranstaltungen natürlich mehr.

Wie sehr leidet der Kontakt zu den Bürgern unter der Situation?

Krottendorfer: Der wegfallende persönliche Kontakt zur Bevölkerung, aber auch kurze Gespräche etwa bei Veranstaltungen und offiziellen Terminen gehen ab und die gewohnte Bürgernähe leidet darunter massiv. Telefonisch, per Mail aber auch per Videokonferenzen versucht man, vieles auszugleichen. Wichtige Gespräche finden selbstverständlich auch jetzt unter Einhaltung sämtlicher Schutzmaßnahmen statt.

Was erhoffen Sie sich für das Jahr 2021?

Krottendorfer: Das wir gemeinsam die Pandemie besiegen und wieder Stabilisierung einkehrt und wir in der zweiten Jahreshälfte wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung verzeichnen können, damit möglichst viele aus der Kurzarbeit zurück ins gewohnte berufliche Leben kommen und Arbeitslose wieder Arbeit haben und die Menschen wieder Zuversicht und Hoffnung haben!

Und dass natürlich das gesellschaftliche Leben auch in unserer Gemeinde wieder möglich ist, unsere Gastronomie und unsere Heurigen wieder geöffnet haben, unsere Vereine ihren Aktivitäten nachgehen können, der Tourismus wieder auflebt und kulturelle Ereignisse stattfinden dürfen. Sehr wichtig wäre es natürlich auch, dass unsere Schulen und Kindergärten wieder „Normalbetrieb“ haben.