Weiter Wirbel um Hunde in Weitersfeld. 52 Hunde sorgen in Weitersfeld weiter für Unmut bei Anrainern. Hundehalterin will „Gnadenhof“ für ihre Tiere errichten, im Mai 2021 will sie aber ausziehen.

Von Red. Horn. Erstellt am 30. September 2020 (05:41)
Auch bellende Hunde sorgen in der Nachbarschaft oft für böses Blut.
NOEN, Symbolbild

In der NÖN-Ausgabe 37 vom 9. September wurde das Unvermeidliche angekündigt: Der vom Bezirksgericht Horn angeordnete Lokalaugenschein bezüglich der „Hundegebell-Problematik“ in Weitersfeld begann am 25. September bei strömendem Regen pünktlich um 8 Uhr vor dem Haus, in dem die beklagte Hundehalterin zur Miete wohnt.

Zunächst wollte Richter Thomas Zach die Liegenschaft samt Wohnung, Nebengebäude und Garten betreten, um persönlich eine eventuelle Lärmbelästigung durch Hundegebell wahrzunehmen. Die Hundehalterin stimmte dieser Beweisaufnahme aber nicht zu. Sie argumentierte, dass aufgrund des Regens ihre Hunde im Haus seien und sie durch das Betreten des Hauses, auch nur des Richters alleine, also ohne die klagenden Parteien und deren Rechtsvertretung, derart stimulieren würden, dass sie den coronabedingten Mindestabstand nicht mehr garantieren könne. Auf Vorhalt des Richters sagte sie jedoch zu, bei der kommenden Verhandlung für einen ungehinderten Zutritt des Gerichtes zu sorgen. Bis zur Verlegung der Verhandlung in den nahen Gasthof Kurz – nach etwa 20 Minuten – war übrigens kein Hundegebell zu vernehmen.

Nachdem die Kläger einen Vergleich abgelehnt hatten, wurde die Vermieterin als Klägerin zum Vorwurf der Lärmbelästigung durch Hundegebell befragt. Sie persönlich sei nie vor Ort gewesen, sie wisse nur von einer Liste mit Namen von Nachbarn, die sich durch das Hundegebell gestört fühlten und mit denen sie vereinzelt – allerdings nur telefonischen – Kontakt hatte. Basis der von der Vermieterin eingebrachten Räumungsklage sei aber die nicht eingehaltene, im Mietvertrag enthaltene Klausel, die eine Hundehaltung nur „im Rahmen eines Haushaltes“ erlaube – und nicht die derzeit 52 Hunde.

Als Zeuge wurde Bürgermeister Reinhard Nowak aufgerufen. Auf Ersuchen der lärmbetroffenen Anrainer hatte er ein schalltechnisches Gutachten in Auftrag gegeben, das in einer an einem Tag durchgeführten Messung zwischen 22 Uhr und 6 Uhr einen Lärmpegel von 71 Dezibel durch Hundegebell ergeben habe. Außerdem habe die Amtstierärztin bei einer Beschau am 18. August zehn bis 15 bellende Hunde wahrgenommen. Bürgermeister Nowak habe freundlich, aber sehr nachdrücklich verlangt, dass dieser für mehrere Gemeindebewohner gesundheitsgefährdende Zustand abgestellt werde und legte ein Attest des Gemeindearztes vor. Der Anwalt der Hundehalterin machte geltend, dass aufgrund fehlender eindeutiger Messpunkte diese Feststellungen nicht als Gutachten zu werten seien.

Verfahren wird am 16. Oktober fortgesetzt

Ein weiterer Zeuge gab an, dass es in 24 Stunden drei bis fünf Mal Hundegebell in der Dauer von drei bis 30 Minuten gebe. Der Lärmpegel liege über dem eines Mopeds, Nachbarn mussten teils im Spital oder vom Gemeindearzt versorgt, teils musste bei Verwandten genächtigt werden.

Nach drei Stunden Verhandlung wurde die Hundehalterin einvernommen. Mit Eloquenz, Freundlichkeit aber doch bestimmt, deklarierte sie sich als Tierfreundin, der es ein Anliegen sei, einen Gnadenhof einzurichten und dementsprechende Anträge an die Verwaltungsbehörde gestellt habe. Sie bestritt auch gar nicht, dass bei ihr 52 Hunde Logis haben, sie wolle aber keine weiteren Hunde aufnehmen. Sehr eindringlich im Ton, aber immer höflich, gab die Beklagte zu Protokoll, dass die über 15 Jahre alten Hunde überhaupt nicht bellten, lediglich ein Spitz und mehrere Dackel, zwei bis drei Mal tagsüber Lärm machten – etwa wenn der Postzusteller kommt oder die Sirene heult. Auf die Frage des Richters, warum sie einen Mietvertrag mit der oben erwähnten Einschränkung auf eine Hundeanzahl unterfertigt habe, antwortete sie, dass die Vermieterin sehr wohl um die Lebensaufgabe der Beklagten als Tierschützerin gewusst habe. Sogar eine „Seelenverwandtschaft“ mit der Vermieterin, die gleichfalls mehrere Tiere hält, habe sie wahrgenommen. Für sie sei von vornherein und zwar einvernehmlich festgestanden, dass sie mit vorerst etwa 30 Hunden einziehen wolle. Das wurde von der Vermieterin bestritten.

Die Hundehalterin bot schlussendlich, motiviert durch Richter Zach, zügige Vergleichsverhandlungen an, da sie ohnehin im Mai 2021 ausziehen wolle. Sie habe ein Grundstück erworben, das keine unmittelbaren Nachbarn habe, wo sie ihren Traum von einem Gnadenhof realisieren könne.

Die Verhandlung zur Vernehmung weiterer Zeugen wurde von Zach auf den 16. Oktober angesetzt.

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