Landesidentität und wie Eggenburg dazu stand. Historiker Zehetmayer erzählte, wie das niederösterreichische Landesbewusstsein entstand und warum Eggenburg dazugehörte.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 21. Januar 2020 (11:42)
Worauf fußt die mittelalterliche Stadt? Dem gingen Stadträtin Margarete Jarmer, Landesarchivar Roman Zehetmayer, Vizebürgermeisterin Susanne Satory und Museumsvereinsobmann Gerhard Dafert nach.
Karin Widhalm

Sesseln mussten in den Saal des Krahuletz-Museums hineingetragen werden, so groß war das Interesse an Roman Zehetmayer und seinem Vortrag. Obmann Gerhard Dafert holte den Landesarchiv-Direktor - "Niederösterreichs Landeshistoriker schlechthin" - in die Stadt: "Ich bedanke mich für diesen überwältigenden Besuch." Zehetmayer stellte sich den Fragen: Wie entstand das niederösterreichische Landesbewusstsein und was war zu dem Zeitpunkt in Eggenburg los?

Wann die Identifizierung mit einem Land, das sich ausgehend von der Donau entwickelte, einsetzte, sei umstritten. Grundlagende Kriterien sind Gerichtsbarkeit oder Grenzziehung (wobei um 1000 eine Grenze nicht linear erfolgte, sondern eine Übergangszone war). Jüngste Forschungen ergänzen dazu die Entstehung eines Wir-Gefühls, Namens, gemeinsamer Mythen und Ehrenverehrungen. Als sich die Babenberger Markgrafen von dem großen Einfluss der bayrischen Herzögen zu lösen begannen, entwickelte das Land bei der Donau eine Eigenständigkeit.

Erste Versammlungen in Burgschleinitz & Kattau

"Mit dem Einsetzen der landesweiten Versammlungen um 1050 beginnt sich langsam das österreichische Recht vom bayrischen zu unterscheiden", ergänzt Zehetmayer. Einer der ersten Landesversammlungen waren vor 1071 in Burgschleinitz und Kattau.

Und man geht davon aus, dass Kriege so richtig zusammenschweißten. Der Raum Eggenburg, zuerst slawisch besiedelt und um 1050 herrschaftlich von den Babenbergern erschlossen, dürfte wie selbstverständlich teilgenommen haben. Man fühlte sich mit "ostarrichi" (der Begriff von Außenstehenden fand zunehmende Verwendung) verbunden, aber dennoch noch als Bayer ("abgestufte Identität"). Das ausgeprägte Wir-Gefühl setzte erst 1120 ein, berichtet der Landesarchivar.

Für Gerhard Dafert war es überraschend, dass Zehetmayer eine Quelle fand, wo ein „Stadtvater“ fassbar war. Der Name Eggenburg könnte auf den ursprünglichen Gründer zurückzuführen sein. Zehetmayer versprach, die besagte Quelle zu suchen und das Museum zu informieren. Der nächste Vortrag dreht sich um neue geologische Entdeckungen in Schiltern (18. Februar, 19 Uhr). Vortragender Andreas Thinschmidt ist Geologe.