Eggenburg: Stütze für Jugend wird ausgebaut. Die Lehrlingsstiftung bietet ein neues Angebot an, damit Jugendliche besser ins Berufsleben hineinwachsen können.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. Juni 2021 (13:27)

Die Lehrlingsstiftung weitet ihr Angebot aus: Das Vormodul zum Projekt „AusbildungsFit“ ist für 15- bis 24-Jährige gedacht, die noch keine greifbare berufliche Orientierung haben. Gestartet wird mit 1. Juli.

„Es gibt Jugendliche, die noch schwächer sind, die fixe Arbeitszeiten nicht gewöhnt sind, die vielleicht lange nicht mehr in der Schule waren oder vielleicht aufgrund der Pandemie gebremst waren“, erklärt Geschäftsführer Reinhard Zuba.

Das hat sich bemerkbar gemacht, weil sie nicht pünktlich oder gar nicht gekommen sind. „Sie waren überfordert.“ Die Ursachen dafür seien vielfältig: Zuba führt soziale, familiäre oder gesundheitliche Gründe an: „Oder sie sind einfach nur entwöhnt, sich auszubilden, oder haben Konzentrationsschwächen.“

Die betroffenen Kinder werden daher in bis zu 15 Stunden eigens betreut. „Das ist als Vorstufe gedacht“, führt Zuba aus. „Es kann sein, dass sie nur einmal in der Woche kommen.“ Ein Coach steht ihnen als Unterstützung an der Seite. Sie kochen, arbeiten kreativ im Garten oder in der Werkstatt oder Arbeiten am PC. Die Konzentration, Ausdauer und Merkfähigkeit wird trainiert, zudem wird über aktuelle Themen aus Musik, Medien und Politik gesprochen. Ballspiele, Tischfußball, Yoga und einiges mehr sorgen für den Ausgleich.

„Sind in der Entwicklung noch nicht soweit“

Ziel ist es, sie auf eine 35 Stunden-Woche im „AusbildungsFit“ vorzubereiten, um dann in den drei Werkstätten Handwerk, Kompetenz und Wissen weitere Qualifikationen erwerben zu können. „Aber auch eine passende Lehrausbildung oder der Wechsel in andere Projekte sind möglich.“

Zuba betont, dass diese Jugendlichen Zeit brauchen, um sich in einer Tagesstruktur zurechtfinden zu können. „Sie sind einfach in der noch nicht Entwicklung soweit.“ Sie sollen schließlich Teil des Arbeitsmarktes werden. Räumlichkeiten werden für sie in jenem Gebäude geschaffen, das sich gegenüber des früheren Klosters – dem Hauptsitz der Lehrlingsstiftung – befindet.

Vorarbeiten sind noch notwendig, aber die Jugendlichen sollen selbst mitgestalten können; schon bisher haben sie zum Beispiel beim Ausmalen der Wände geholfen. „Partizipation ist uns besonders wichtig. Wir haben auch Jugendvertreter, damit die Anliegen und Bedürfnisse der Jugendlichen Platz finden.“ Jene Vormodul-Interessenten, die eine weitere Anreise in Kauf nehmen müssen, können wochentags die Wohngemeinschaft (30 Plätze) nutzen.

"Rechnen mit vielen Anmeldungen"

Die Lehrlingsstiftung ist zuversichtlich, dass die Anmeldungen nicht auf sich warten lassen werden. Eine erste Bilanz könne man aber erst nach einigen Monaten ziehen. „Es ist Neuland auch für uns, aber wir rechnen mit vielen Anmeldungen“, ist Zuba überzeugt.

Die Lehrlingsstiftung bietet ansonsten zwei Schienen an: die überbetriebliche Lehre, die gerade „eine sehr starke Nachfrage“ erlebt. 40 Jugendliche erfüllen in den acht Werkstätten Büro, Informationstechnologie, Küche, Reinigungstechnik, Tischlerei, Gärtnerei und in dem neuen Bereich „Konditorei“ ihre Aufgaben. Viele Betriebe haben laut Zuba gezögert, Jugendliche aufzunehmen, sie konnten in der Lehrlingsstiftung bleiben. Plätze sind aber noch frei.

Jugend hat unter der Pandemie gelitten

Wenig Auslastung weise zurzeit mit 30 Personen das „Ausbildungsfit“ auf, „weil die Jungcoaches nicht in die Schulen gekommen sind“. Die strengen Corona-Bestimmungen und die Lockdowns haben den Kontakt zu Lehrern und Schülern unterbunden. Genau das sei essenziell, damit jeder weiß, welche Möglichkeiten vorhanden sind.

„Wir haben auch Phasen gehabt, wo wir geschlossen hatten“, ergänzt Zuba. Den Jugendlichen habe in den letzten Corona-Monaten der Kontakt zu Gleichaltrigen gefehlt. „Wir haben schon gemerkt, wie sehr sie darunter leiden“, spricht Zuba von einer „enormen Belastung“. Dabei ist der Austausch mit anderen „gerade für die eigene persönliche Entwicklung der Jugendlichen noch viel wichtiger als bei 40-, 50- oder 60-Jährigen“, führt er aus. „Deshalb habe ich Verständnis dafür, dass sie versuchen, die Räume wieder zurückzuerobern.“

Anmeldung bei Beate Beyer (0664-8199713) oder per Mail buero@lehrlingsstiftung.at