Eggenburger Hans Leidenfrost: „Jeder braucht Engel“. Hans Leidenfrost fertigt Engel aus Holz an. In seinem Hobby hat er Weg gefunden, zur Ruhe zu kommen.

Von Petra Hauk. Erstellt am 14. November 2020 (04:31)
Der frühere Unternehmer Hans Leidenfrost hat in der Gestaltung von Engeln aus Holz seine große Leidenschaft gefunden.
Petra Hauk

Jeder Mensch braucht einen Engel, meint Hans Leidenfrost aus Eggenburg. Einen? Am besten gleich mehrere! Und am liebsten schnitzt er sie in allen Formen und Größen aus seinem Herzensmaterial Holz. Denn der frühere Unternehmer, der 40 Jahre in der Kunststoffbranche tätig war und laut eigener Aussage „mit Holzspänen im Blut“ geboren wurde, hat in der Pension seine Liebe zu figuralen Skulpturen aus dem so wandelbaren Werkstoff entdeckt. Zwischen 15cm kleinen Engerln und einer 2,50m großen Statue sind alle Formen, Größen und Holzarten in „Opas Werkstatt“ – so das Schild an Hans Leidenfrosts Atelier – vertreten.

Wie er zu seinen Engeln gefunden hat? „Im Vorjahr habe ich meiner lieben Bekannten, der Künstlerin Gabriela Hohenegger geholfen, eine Vernissage mit sehr farbenfrohen, lebensfreudigen Engelbildern vorzubereiten. Ich habe mir Gedanken über die Dekoration gemacht, mich von den Bildern inspirieren lassen und vorgeschlagen, kleine Holzengel als Tischdekoration und beim Eingang als lebensgroßen Willkommensgruß aufzustellen“, erzählt Hans Leidenfrost.

„Für mich weisen die Flügel der Engel in eine höhere Dimension, wir sind dazu angehalten, über unsere fünf Sinne hinaus zu denken.“ Hans Leidenfrost

Gesagt, getan. Und sofort, so berichtet das handwerkliche Multitalent, hatte er das Gefühl: „Das liegt mir.“ Das schwunghafte Herausholen einer Form aus dem Holzstück, das Experimentieren mit Holzarten, die Aufgabe, manchmal auch um fehlerhafte Holzstücke herumzuarbeiten oder genau das zu betonen, das sei eine wunderbare meditative Arbeit.

Bei Leidenfrost ist jedes Stück ein Unikat und wird geölt oder handgewachst. Besonders wenn es mal stressig ist, ziehe er sich in seine Werkstatt zurück und finde dann wieder zur Ruhe, erzählt er. Die Bäume schneidet er natürlich selber ein. Und auf die Frage nach seinem Lieblingsholz denkt Hans Leidenfrost lange nach. „Ich visualisiere ein Werkstück und dann kommt sofort automatisch die Holzart, die dazu passt. Ich habe zehn verschiedene Holzarten auf Lager und ich arbeite mit allen gerne, ob das Nuss, Birke, Ahorn, Erle, Kirsche oder Eiche ist. Alle haben ihre Vorzüge und Besonderheiten.“

Besonders stolz ist der Künstler auf seinen überlebensgroßen Engel. Für das 2,50 m große Stück hat er im Korpus Ahorn verarbeitet und bei den Flügeln Nuss, der Sockel musste, der Standfestigkeit wegen mit Platten verstärkt werden. 80 Stunden Arbeitszeit sind in die beeindruckende Figur geflossen.

Dass Engelfiguren auf viele Menschen eine große Faszination ausüben, beweist ein Geschenk, das Hans Leidenfrost der Stadtbücherei Eggenburg gemacht hat. Viele Kunden, vor allem Kinder, wollen den Engel unbedingt berühren. Die spirituelle Seite seiner Skulpturen sind dem Künstler auf jeden Fall wichtig: „Für mich weisen die Flügel der Engel in eine höhere Dimension, wir sind – so sehe ich das – dazu angehalten, über unsere fünf Sinne hinaus zu denken, unseren Gedankenhorizont zu erweitern.“

Wie heißt es so schön in dem kleinen Gedicht: jeder Mensch braucht einen Engel, der ihn schützt, der ihn hält, der ihn auffängt, wenn er fällt …