Reisel-Interview: „Covid wirkt sich auf Motivation aus“. Fehlen des sozialen Lebens für Meiseldorfs Bürgermeister Niko Reisel großes Manko in der Covid-Krise. Trinkwasser als aktuelles Thema.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 11. Februar 2021 (03:55)
Der Meiseldorfer Bürgermeister Niko Reisel.
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Die NÖN sprach mit Bürgermeister Niko Reisel über die Covid-Situation und aktuelle Projekte der Gemeinde Meiseldorf.

NÖN: Wenn Sie auf das Jahr 2020 zurückblicken: Wie fällt dann Ihre Bilanz aus?

Niko Reisel: Es war ein Wahljahr für unsere Gemeinde, der neue Gemeinderat wurde angelobt und dann kam Covid-19 als beherrschendes Thema. Die Gemeindearbeit war sehr fordernd – plötzlich haben vielen Aufgaben, die wir sonst praktisch nicht am Tisch haben, den Arbeitsablauf bestimmt.

Wie haben sich diese neuen Aufgaben und die nicht vorhersehbare Situation auf Ihren Alltag als Bürgermeister ausgewirkt?

Reisel: Home-Office wurde zur bestimmenden Arbeitsform – und gegen die Erwartung von Vielen funktioniert dieses System und erhält quasi unbeeindruckt vom Virus viele Arbeitsplätze am Leben. Als Bürgermeister entfallen die unzähligen Termine mit meinen Bürgern – und das ist wirklich schmerzhaft.

Sie sprechen den Kontakt zu den Bürgern an: Wie sehr leidet unter der Situation die Kommunikation mit den Bewohnern der Gemeinde?

Reisel: Ich bin derzeit auf die Kommunikation über Telefon, Video, Whatsapp oder die Website unserer Gemeinde angewiesen und mehr oder weniger an den Sessel bzw. den Schreibtisch im Gemeindeamt „gefesselt“.

Was fehlt den Meiseldorfern derzeit am Meisten?

Reisel: Der fehlende soziale Kontakt zwischen den Bürgern ist deutlich spürbar. Das gesellschaftliche Miteinander und gerade die Veranstaltungen unserer Vereine gehen uns allen wirklich ab.

Kommen wir zur Gemeinde selbst: Wie hat sich die Krise auf die Vorhaben der Gemeinde ausgewirkt?

Reisel: Ganz vorne ist unser Veranstaltungskalender leider leer – das wirkt sich nicht nur auf alle Kassen aus, sondern auch auf die Motivation. Wir haben das eine oder andere Vorhaben zurückgestellt. Als Beispiel kann ich die Fertigstellung des Veranstaltungszentrums nennen, die hat sich ebenso verzögert, da das Mängelmanagement mit COVID-19 ebenso eine Herausforderung ist.

Sie sind bekannt als Mensch, der positiv denkt. Auch wenn 2020 viel Negatives gebracht hat, was bleibt für Sie als positive Erfahrung aus diesem Jahr?

Reisel: Ganz besonders die Hilfsbereitschaft und die gegenseitige Fürsorge, die die Menschen an den Tag gelegt haben. Das hat die Menschen durchaus näher zusammen gebracht – und das ist kein Widerspruch zu den Regeln der Regierung. Ich verspüre ein vermehrtes Miteinander und habe große Zuversicht, dass wir als Gesellschaft so gestärkt aus der Krise heraus kommen werden. Die Bedeutung unserer ländlichen Region hat deutliche Aufmerksamkeit und Interesse aus dem urbanen Raum bekommen. Ich würde mich über eine nachhaltige Auswirkung freuen.

In der Krise hat sich gezeigt, dass Freiwilligkeit in unserer Region großgeschrieben wird. Wie empfindet man das als Bürgermeister?

Reisel: Danke für diese Frage, denn ein ganz großer Dank gilt den vielen Freiwilligen in meiner Gemeinde, die bis heute und auch noch weiter die Herausforderungen der Krise lösbar machen. Als Beispiel sei die angebotene Hauszustellung genannt, oder auch die Bereitschaft, in der Teststraße mitzuarbeiten. Besonders erwähnen möchte ich da unsere Feuerwehren, die immer freiwillig für die Gemeinschaft da sind.

Richten wir den Blick weiter nach vorne: Welche Projekte stehen 2021 in der Gemeinde Meiseldorf auf dem Plan? Was ist Ihnen besonders wichtig? Was wollen Sie unbedingt umsetzen?

Reisel: Wir wünschen uns Veranstaltungen – die Vereine stehen in den Startlöchern. Natürlich wollen wir die Eröffnung und damit den Abschluss im Veranstaltungszentrum durchführen – hoffentlich ohne Masken. Dann steht die Erschließung der neuen Bauplätze in Klein-Meiseldorf auf dem Programm, um den Häuslbauern den Baustart zu ermöglichen. Als Projekt steht unsere Trinkwasserversorgung an der ersten Stelle – das hat Priorität. Nachdem wir im Sommer nach einer Trinkwasseruntersuchung einen negativen Bescheid bekommen haben, ist es wichtig, das Projekt Trinkwasseraufbereitungsanlage anzugehen.

Ein wichtiges Projekt der vergangenen Monate war die Errichtung der Photovoltaik-Anlage am Areal des ehemaligen Steinbruchs. Wie ist bei diesem Projekt der aktuelle Stand?

Reisel: Da schaut es gut aus. Wir hatten im Dezember die technische Abnahme der Anlage. Aktuell läuft die letzte Etappe des Anschlusses ans EVN-Netz. Wir werden von dieser Anlage schon in wenigen Monaten Strom ins Netz einspeisen und von dieser Anlage profitieren.

Gibt es auch Projekte, die der Krise und damit der finanziell schwierigen Situation zum Opfer fallen?

Reisel: Im Straßenbau und der Straßensanierung werden wir deutlich kürzertreten müssen.

Was erhoffen Sie sich vom Rest des Jahres 2021?

Reisel: Eine Normalität, die unser soziales Zusammenleben wieder möglich macht.