Erstellt am 28. Oktober 2014, 11:07

von Martin Kalchhauser

Windräder in der Wild: Zweifel an Gutachten. Gegner orten Gefahr für besonderes Natur-Gebiet und werfen Gemeinden und Betreibern mangelnde Information vor.

»Keine Windräder in der Wild!« Vertreter der Interessengemeinschaft Waldviertel und des Vereins Pro Thayatal - im Bild Michael »Jimmy« Moser, Doris Walter, Manfred Maier, Ewald Schrenk, Wolfgang Lechthaler und Kurt Kienast - erhoben in Horn schwere Vorwürfen gegen Gemeinden, Betreiber und Gutachter.  |  NOEN, Martin Kalchhauser

Massive Geschütze gegen den von der Gemeinde Brunn/Wild mit den Nachbarn Ludweis-Aigen und Göpfritz geplanten Windpark in der Wild fahren die Gegner auf. Sie zweifeln Gutachten an, kritisieren die ihrer Ansicht nach mangelhafte Informationspolitik der Gemeinden und der Betreiber.

„Auswirkungen auf die Gesundheit nicht auszuschließen"

14 Windkraftanlagen der neuesten Generation (200 Meter hoch) sollen im „Dreiländereck“ der Bezirke Horn, Zwettl und Waidhofen im Gebiet der Wild errichtet werden. Sieben davon würden im gemeinsamen Projekt von EVN Naturkraft und WEB auf Brunner Gemeindegebiet, vier in Ludweis-Aigen und drei in Göpfritz errichtet.

Harte Kritik daran gab es in der Vorwoche seitens einer Gegner-Phalanx in Horn. „Es gibt zunehmende Evidenz, dass Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen nicht ausgeschlossen werden können. Im Gegenteil, sie sind sogar zu erwarten“, meinte der Allgemeinmediziner Manfred Maier, Obmann des Vereins Pro Thayatal. „Man müsste die Abstände auf 3.000 Meter erhöhen!“

Kritik: Gutachtern fehlt fachliche Kompetenz

In der Wild, einem 2.500 Hektar großen, großteils geschlossenen Waldgebiet, das nur von der Bundesstraße 2, der Franz-Josefs-Bahn und einer Hochspannungsleitung durchschnitten wird, gebe es eine besondere Flora und Fauna, wie Ornithologin Doris Walter betonte. „Es gibt dort rund 100 teils seltene Vogelarten, viele davon stehen sogar auf der ,Roten Liste‘ geschützter und vom Aussterben bedrohter Arten.“

Mit den Gutachten ging der Biologe Wolfgang Lechthaler hart ins Gericht. Sie seien gar keine Fachleute für jene Bereiche, für die sie ihre Expertisen abgeliefert hätten. „Die Wild ist der einzige Fall, in dem das Land NÖ in einer naturräumlichen Ausschließungszone eine Widmungsfläche für Windräder ausgewiesen hat!“

Die Infopolitik der Gemeinden kritisierte Michael „Jimmy“ Moser von Pro Thayatal am Beispiel Brunns. Die Bürgermeister seien „Handlanger der Windkraft-Lobby“. Der „Energiefahrplan 2030“ im Waldviertel sei bereits erfüllt. Mosers Sorge: „Wenn die Umwidmung durch ist, wird gebaut. Den Fall, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung einen Windpark verhindert hat, gab es noch nie!“