Mit Workshops in Mittelalter-Zeit eingetaucht. Das Mittelalterfest haben die Veranstalter - dem Verein zur Erforschung des Mittelalters in Eggenburg - nach langem Überlegen abgesagt, aber sie stellten ein Ersatzprogramm mit Workshops auf die Beine, womit die Einhaltung Corona-Bestimmungen möglich war.

Von Petra Hauk. Erstellt am 14. September 2020 (08:48)

Einen Workshop zum Thema „mittelalterliches Kochen für die Familie“ bot das „Koch Kultur Museum“ unter der Leitung von Georg Geml an. Acht Teilnehmer unternahmen einen Streifzug durch verschiedene Rezepte des späten Mittelalters mit so klangvollen Namen wie „Zanzarelli“, „Schwallenbergs Salse“, „Fungi die Monte“ oder „Rechproten in der Vasten“. 

Die interessierte und vor allem hungrige Gruppe lernte, dass man für historische Rezepte vor allem eines braucht: Zeit. Ein gebratener Hammel wurde etwa stilgerecht auf einem jahrhundertealten Spieß, dank einer Leihgabe des Krahuletz-Museums, zubereitet.

„Wie lange das Fleisch braucht, mussten wir in diesem Experiment tatsächlich austesten“, meinte Georg Geml schmunzelnd. „Notfalls hätten wir noch ein Backrohr gehabt.“
Einig waren sich alle: Der geschichtliche Ausflug zu den Gerichten unserer Ahnen war nicht nur lehrreich, sondern auch extrem schmackhaft.

Dreynschlag zeigt, wie man richtig drauf haut

Dass historischer Schwertkampf nicht nur Männer interessiert, bewiesen die Teilnehmerinnen des Workshops zu diesem eher männlich dominierten Thema. Unter der Führung der bekanntesten Spezialisten auf diesem Gebiet, der Gruppe „Dreynschlag“, lernten die elf historisch Interessierten, dass man einige Klischees zum Thema Fechten & Kämpfen vergessen kann.

So erfuhr die Gruppe, dass ein Schwert eine schnelle und mit 1,5 Kilogramm auch leichte und präzise Waffe war. Das typische zweihändige behäbige Draufhaun wie im Film gab es damit nicht.

Was auch nicht stimmt: Schwerter konnten keine Rüstungen durchstechen oder zerschneiden. „Es hat schon einen Grund, warum Rüstungen erfunden wurden“, erklärt Bernhard, einer der Experten von „Dreynschlag“. Verletzte gab’s natürlich keine: Zum Einstieg übte man mit Plastikschwertern.

Eulenspiel sorgt für den richtigen Takt

Auf reges Interesse stieß der Workshop „Mittelalterliche Tänze“ des Kulturvereins Eulenspiel. Vortänzer Peter Kobrc zeigte den stilecht gewandeten 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Reihe alter Tänze, sogenannter Brandles, wie sie am Hof eines französischen Königs aufgeführt wurden.

Bei heißem Sommerwetter kam die Gruppe in den nicht ganz zwei Stunden gehörig ins Schwitzen. Alte Ausdrücke wie „Double links, Double rechts“, Schritt und Sprung saßen zum Schluss perfekt. Über die rasche Auffassungsgabe seiner Schüler zeigte sich Kobrc erfreut und meinte mit einem Augenzwinkern: „Wir haben schon Schlimmeres gesehen! Spaß beiseite: Alle haben die Schrittfolgen fantastisch schnell gelernt.“

Die Jubelrufe am Ende des Workshops bewiesen, alle hatten Spaß bei der Sache - und am Hof des Königs hätte jeder geglänzt.