Horn

Erstellt am 01. März 2017, 02:22

von Christoph Reiterer

„… auf einmal ruft die Landeshauptfrau an!“. Im NÖN-Gespräch: Ludwig Schleritzko, designierter Landesrat, über Überraschungen, Herausforderungen und ein künftiges Politiker-Leben.

Starke Verwurzelung im Waldviertel: Bei der Amtseinführung als Nationalpark-Direktor gratulierten Ludwig Schleritzko (Zweiter von rechts) neben seinem neuen Chef (und nun baldigen Regierungskollegen) Stephan Pernkopf (rechts) auch sein ehemaliger Lehrer, Abt Michael Proházka, und seine Ex-Chefin Agnes Schierhuber.  |  NOEN, Fotos: Martin Kalchhauser

Mit dem Mödringer Ludwig Schleritzko, aktuell Direktor des Nationalparks Thayatal, stellt die Stadt Horn ab 19. April ein Mitglied der Landesregierung. Er wird für Finanzen, Straßenbau sowie den Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) zuständig sein.

Ludwig Schleritzko wird am 19.4. angelobt.  |  NOEN, Kalchhauser

NÖN: Vom Nationalpark-Direktor zum Finanzlandesrat – haben Sie diese politische Karriere angestrebt?

Schleritzko: Nein. Ich bin zwar ein politischer Mensch, komme aus einem politischen Haus und habe eine politische Vergangenheit – das ist kein Geheimnis. Aber dieser Schritt war nicht absehbar. Der Grund, warum ich damals aufgehört habe (Anm.: 2012 als Referent des damaligen Ministers Berlakovich), war, dass es mich zurück in meine Heimat, ins Waldviertel, gezogen hat. Der Kontakt in die Politik ist nie abgerissen, weil damals auch Freundschaften entstanden sind.

Wie ist es dann zur überraschenden Bestellung gekommen?

Schleritzko: Man wird gefragt, ob man sich das vorstellen könnte, und auf einmal ruft die künftige Landeshauptfrau an. Wenn dir dann diese Frage gestellt wird, ist das „once in a lifetime“, eine große Ehre und Herausforderung. Für mich hat sich die Frage gestellt: Wann, wenn nicht jetzt? Ich bin 38, habe keine Kinder und abgesehen von meiner Lebensgefährtin keine Verpflichtungen.

Hätte Ihnen vor kurzem jemand gesagt, dass Sie am 19. April als Landesrat angelobt werden …

Schleritzko: … hätte ich das ins Reich der Märchen verwiesen.

Was sagt Ihre Familie zu diesem Karrieresprung?

Schleritzko: Meine Eltern sind stolz, das kann man schon sagen. Meine Partnerin freut sich für mich, und ich erfahre von ihr die Unterstützung, die ich brauche. Wir wissen beide, dass es für unser Privatleben eine große Herausforderung wird.

Wie waren die ersten Kontakte mit Ihren Regierungskollegen? Kannten Sie Johanna Mikl-Leitner zuvor persönlich?

Schleritzko: Nein, wir waren per Sie – jetzt sind wir per Du. Und ich spüre ihr großes Vertrauen in mich, wofür ich dankbar bin. Mit Stephan Pernkopf, der mein ehemaliger Chef ist, habe ich ein gutes Einvernehmen. Ich spüre den Rückhalt des ÖVP-Klubs und fühle mich da sehr gut aufgehoben.

Durch Ihre Funktion als Nationalpark-Direktor wäre es logisch gewesen, dass Sie die Umwelt-Agenden übernehmen. Jetzt werden Sie für Finanzen, Verkehr sowie NÖGUS zuständig sein. Wie gehen Sie an die Herausforderung heran?

Schleritzko: Ich freue mich auf die Aufgaben und habe einen riesigen Respekt davor. Aber ich weiß, dass ich durch meine Erfahrungen gut vorbereitet bin. Und ich bin ein Mensch, der sich darauf freut, Herausforderungen anzunehmen. Ich habe auch hier im Nationalpark ein Budget zu verwalten. Natürlich ist die Dimension eine andere, aber die Sorgfalt, wie man damit umgehen muss und was zu beachten ist, um gute Leistung zu bringen, ist gleich.

Sie sind seit drei Jahren mit Herzblut im Nationalpark engagiert. Wie schwer fällt der Abschied?

Schleritzko: Es war eine großartige Zeit mit einem großartigen Team, die viel Spaß gemacht hat. Ich kann behaupten, dass wir in den letzten drei Jahren einiges weitergebracht, das Haus gegenüber der Öffentlichkeit noch mehr geöffnet haben. 2017 ist darüber hinaus ein Schlüsseljahr, in dem hier ein ökopädagogisches Zentrum entstehen soll, das mir ein großes Anliegen ist. Wir haben tolle Ini tiativen gesetzt, die mich persönlich interessieren. Das wird mir abgehen. Daher gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Was haben Ihre Mitarbeiter gesagt?

Schleritzko: Sie freuen sich mit mir über die Aufgabe, aber natürlich ist Wehmut dabei, wenn man einander schätzt und gut zusammengearbeitet hat.

Ihr Vertrag würde turnusgemäß bis 2018 laufen. Wie lange werden Sie noch hier Direktor sein?

Schleritzko: Bis zur Angelobung.

Die Strukturschwäche des Waldviertels ist immer wieder ein Thema. Aus Ihrer Heimat wird es einen gewissen Erwartungsdruck geben. Wie gehen Sie damit um?

Schleritzko: Ich bin ein Horner, ich bin ein Waldviertler, aber letztlich geht es darum, für das ganze Land zu arbeiten. Wenn ich unterstützend wirken kann, dann werde ich das machen.

Wie stehen Sie zur Vision einer Waldviertel-Autobahn, die künftig in Ihr Ressort fällt?

Schleritzko: Verkehr ist mehr als Straßen bauen. Ich bin aber selbst jahrelang Pendler aus dem Waldviertel gewesen, und mir ist bewusst, wie wichtig das Thema für die Menschen ist. Man muss jedoch auch sagen, dass auf den Achsen Gmünd-Horn-Wien und Zwettl-Krems-St. Pölten schon viel passiert ist. Wenn ich auf dieser Strecke fahre und das mit früher vergleiche, muss ich sagen: Das hat sich schon ganz gut entwickelt. Bevor ich aber inhaltliche Festlegungen mache, sollte man mir zugestehen, dass ich die nächsten Wochen bis zur Amtsübernahme erst einmal für die inhaltliche Vorbereitung mit den Experten des Landes nutze.

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