Müdigkeit unter den Musikern im Bezirk Horn. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. April 2021 (05:58)
Musik kann im Corona-Lockdown Spaß machen: Musikschulleiterin Andrea Binder, Schülerin Luisa Busta und Pädagogin Elsa Unterrainer. Aber: Der Online-Unterricht kann durchaus auf die Substanz gehen.
Reininger

Viktoria Zeder, zwölf Jahre jung, steigt jede Woche pünktlich ins Internet ein, ihr Tenorhorn griffbereit: Die Musikschulen sind derzeit geschlossen, die Lehrtätigkeit wird wie in früheren Lockdown-Phasen online fortgesetzt. Das hat Nachteile: „Man hört die Stimmung nicht so gut“, erklärt die Stoitzendorferin, die seit sechs Jahren Tenorhorn spielt.

Die Internetverbindung sei zudem nicht immer die beste. Sie freue sich auf den Präsenzunterricht in der Musikschule Eggenburg, wenn sie mit ihrem Lehrer „live“ arbeiten kann. Georg Winkler, erst 13 Jahre alt geworden, sieht das ganz ähnlich: Er spielt seit sechs Jahren Posaune, jetzt musiziert er online, während sein Lehrer zuhört – oder er ihm etwas vorspielt. „Es ist etwas Anderes, aber man lernt genauso gut“, erzählt der Eggenburger. Eine Barriere schafft das Internet dennoch: „Man hört’s nicht g’scheit. Mir wäre der Präsenzunterricht lieber, aber man kann derzeit nichts machen.“

„Es ist wichtig, dass wir bald wieder einen halbwegs normalen Musikunterricht haben können.“ Harald Schuh

Der Online-Unterricht „ist wirklich nur eine Überbrückung“, sagt Andrea Binder, Direktorin an der Musikschule Eggenburg. Die Grenzen werden schnell erreicht: Die Pädagogen hören, ob das Tempo eingehalten und die Noten getroffen werden. Aber: „Du kannst nie ins Detail gehen“, denkt Binder etwa an die Nuancen in der Lautstärke, also an „das, was das Musizieren ausmacht“. Die Einzelstunde funktioniert online „großteils sehr gut“, schwieriger sei die Verlegung der Gruppenstunde ins Internet.

„Das ist auf Dauer mühsam für Kinder, Eltern und Lehrende – und extrem anstrengend für alle, wenn man die ganze Zeit vor dem Computer sitzt“, bestätigt Musikschuldirektor Harald Schuh (Horn). Das gemeinsame Musizieren fehle sehr: „Das Onlineunterrichten ist nicht ganz das Gelbe vom Ei.“

„Die Schüler sind wirklich erschöpft“

Binder ergänzt: „Ich verstehe es: Die Schüler sind stundenlang im Distance Learning. Sie sind wirklich erschöpft, haben Probleme mit den Augen und der Konzentration. Man merkt, dass sie körperlich ausgepowert sind, weil’s jetzt schon so lange dauert.“ Schuh sieht das ähnlich: „Jeder Lehrer muss extrem dran bleiben. Wenn nach vier Wochen immer noch kein Ende in Sicht ist, dann werden die Leute müde. Man merkt’s auch bei den Erwachsenen.“

Den Verantwortlichen sei zudem noch nicht klar, dass die Auswirkungen aufs Kultur-Leben groß sein werden: „Es wird sicher einiges verloren gehen“, fürchtet Schuh. Einmal vom Vereinsleben entkoppelt, „ist es umso schwieriger, dass du die Leute wieder zurückholst“. Das falle zumindest in der Musikschule mit dem regelmäßigen Unterricht ein bisschen leichter. Aber: „Die kulturelle Szene ist sehr eingeengt. Wir hatten im heurigen Schuljahr ein einziges öffentliches Konzert und das ist relativ wenig“, schildert Schuh. 100 Auftritte verzeichnet Horn üblicherweise.

Horn hat laut Schuh einen geringen Abgang an Schülern, in Eggenburg sorgt sich Binder: „Freilich haben wir weniger Schüler und heuer befürchten wir, dass sich das verstärken wird“. Gerade jene Schüler, die jetzt mit ihrer Motivation zu kämpfen haben, könnten abspringen. „Wir sind schon besorgt, dass wir das Förderkontingent nicht füllen können, darum kommt uns der Lockdown sehr ungelegen.“ Die Anmeldephase fürs nächste Schuljahr steht nämlich bevor, für Schuh „die nächste Herausforderung“, denn die Schüler sollten Instrumente ausprobieren können.

Aber: Nicht alles ist schlecht. Binder weist darauf hin, dass heuer drei Musikschüler aus Eggenburg beim „prima la musica“-Bundesbewerb antreten. „Die Kinder haben Zeit zum Üben“, erzählt sie. Schuh führt als Beispiel an, dass im Februar sich gleich 20 Personen gemeldet haben, um das Leistungsabzeichen im Blasmusikverband „erspielen“ zu können. Sie haben freie Zeitressourcen dafür genutzt. „Das war eines der wenigen guten Aha-Erlebnisse.“ Die musikalische Früherziehung habe zudem geboomt, weil vieles andere nicht möglich war.

„Es ist wichtig, dass wir bald wieder einen halbwegs normalen Musikunterricht haben können. Wir schauen so viel auf Sicherheit“, betont Schuh (siehe Seite 4). Binder blickt noch weiter: „Wir hoffen sehr, dass die Impfung greift und wir im September starten können.“ Gerade Anfänger benötigen den Präsenzunterricht: „Die gerade Haltung, der Ansatz oder die Atmung können mit speziellen Übungen nur vor Ort gelernt werden.“

Umfrage beendet

  • Beherrscht ihr ein Instrument?