Gars am Kamp: Kläranlage ist ein „Muss“. Neues Konzept: Abwasserrreinigung wird bis 2023 auf „Biofiltration“ umgestellt.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 20. März 2020 (05:25)

„Seinerzeit“, und damit meint Bürgermeister Martin Falk das Jahr 1960, also zu einer Zeit, wo er noch gar nicht auf der Welt war, „war einer meiner Vorgänger seiner Zeit voraus und hat eine Kläranlage errichten lassen, die zum Teil heute noch in Verwendung steht, aber natürlich nicht mehr dem derzeitigen Stand der Technik entspricht. Daher ist es unumgänglich, dass die Anlage saniert wird.“

An die letzte Sanierung in den Jahren 1984 bis 1986 unter dem damals zuständigen Referenten Heribert Reisinger, Falks Vor-Vorgänger im Amt, kann er sich allerdings noch erinnern, als die Anlage modernisiert wurde. „Seither hat sie gute Dienste geleistet, die Parameter passen auch jetzt noch, immerhin hat der Kamp ober- und unterhalb der Anlage die gleich gute Badewasserqualität, allerdings kann sie eines nicht richtig, nämlich den Stickstoff entfernen.“

„Ein Neubau der Kläranlage kommt schon aus finanziellen Gründen – Stichwort Hochwasserschutz – nicht in Frage.“ Bürgermeister Martin Falk

Dass die Kläranlage wieder am bestehenden, allerdings etwas beengten Platz beim Bauhof steht, ist für Falk klar: „Ein Neubau kommt aus finanziellen Gründen – Stichwort Hochwasserschutz – nicht in Frage. Der Standort müsste in etwa unterhalb der Leiterplattenfirma KSG in Zitternberg sein.“

Der Zeitplan ist schon in groben Zügen fixiert: Es gibt ein schon seit längerem bestehendes Konzept, das von Ziviltechniker Ernst Grand überarbeitet wird, heuer erfolgt die Detailplanung und das Einholen der behördlichen Genehmigung, 2021 die Ausschreibung für die Firmen, sodass dann 2022/23 mit der Umsetzung begonnen werden kann.

Ziviltechniker hat mit Platznot zu kämpfen

Die technische Seite erklärt Ernst Grand so: „Die Kläranlage ist als Belebungsanlage (Tropfkörper) konzipiert und derzeit nur für eine Kohlenstoffentfernung und Phosphatelimination ausgelegt. Die Stickstoffentfernung ist nur in geringem Umfang möglich.“ Deshalb habe die Wasserrechtsbehörde der Gemeinde die Auflage erteilt, bis 2023 für eine entsprechende Sanierung zu sorgen.

Ein großes Problem, mit dem der Ziviltechniker zu kämpfen hat, ist der Platzmangel, wobei für Falk klar ist, dass man auf Teile des Bauhofareals ausweichen wird, zumal ja die Überlegung besteht, in (ferner) Zukunft den Bauhof in das Areal in der Schillerstraße, wo ja auch das neue Sicherheitszentrum entstehen wird, abzusiedeln.

„Es musste daher ein Verfahren gesucht werden, das mit dem vorhandenen Platzangebot das Auslangen findet“, so Grand. „Für die Anlagenerweiterung wurde als weitere Verfahrensstufe die Biofiltration gewählt. Die biologischen Filter sind als ,Biofilmreaktoren mit einem Festbett aus körnigem Material als Füllstoff, in dem Filtration und biologischer Abbau kombiniert erfolgen‘ definiert. Somit finden die Prozesse der biologischen Abwasserreinigung – Abbau von Kohlenstoffverbindungen, Nitrifikation und Denitrifikation – sowie Filtrationseffekte zur Schwebstoffentnahme parallel in einem Reaktor statt.“ Herausragendes Merkmal von Biofilteranlagen sind die bis zu zehnfach höheren Raumumsatzleistungen gegenüber Anlagen mit suspendierter Biomasse. Hieraus resultiert ein entsprechend deutlich verringerter Platzbedarf.