Thomas Schmidt: Wenn die Kunst Hunger hat. Thomas Schmidt regt mit „Brot- und Kartoffelbildern“ in Nonndorf zum Nachdenken über die Kunst an.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 23. Juli 2021 (04:01)
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Thomas Schmidt, der in Nonndorf bei Gars lebt und arbeitet, denkt über Kunst nach und schafft „kleine, wilde Brot- und Kartoffelbilder“.
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Er nennt sie seine „kleinen, wilden Brot- und Kartoffelbilder“, entstanden in Pandemiezeiten, in denen „es nichts gibt, was man einen Kulturbetrieb nennen könnte“.

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Nicht nur Brot- und Kartoffelbilder malt Thomas Schmidt, auch Tiere wie Wölfe oder Bisons.
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Der in der Garser Katastralgemeinde Nonndorf wohnhafte Künstler Thomas Schmidt, der sonst großformatig Tempera und Öl auf Holz aufbringt, hat kleine Wildtier-Portraits geschaffen, weiß auf schwarz, mehr Schatten als Kontur, abgebildet in intensiven Momenten, in denen sich die an Kontakt uninteressierten Wesen gerade einmal zeigen – jederzeit bereit, in das schwere Dunkle vor dem Licht der Menschen zu fliehen. Sie bringen in Zeiten, in denen „Kunst Hunger hat“, Gedanken darüber, wie abgehoben und elitär Kunst sein darf (Aus dem Text für die Einreichung zum Luxembourg Art Prize 2021).

Kunst ist nicht elitär! „Nein, Kunst ist nicht abgehoben, elitär. Nur was für Intellektuelle, Wissende“, sagt Schmidt. „Ich lebe in einem Dorf, abgelegen von der Stadt, und in Zeiten wie diesen gibt’s nichts, was man Kulturbetrieb nennen könnte. Keine Möglichkeit, seine Arbeiten zu zeigen, so direkt meine ich, in Galerien oder Museen.“

Plötzlich merke man, dass Kunst Hunger hat, nicht nur nach Kultur. „Auch du selbst“, so Schmidt weiter. „Dein Magen knurrt und es gibt nichts, keinen Weg, der dich ,satt‘ macht. Aber den Weg musst du jetzt finden.“

Kleine Zeichnungen. „Ich zeichne auf Resten von Fotokarton, so wie früher, als Kind, kleine Zeichnungen“, erzählt der Künstler. „Ich nummeriere sie wie Drucke und mache kleine Serien. Diese ,Brot- und Kartoffelbilder‘ – ich zeichne aber auch allerhand Tiere, Büffel, Wölfe – geben mir zu denken, wie weit man sich den einfachen Menschen entfremden konnte im Kulturbereich.“

Bilder „verstehen“. Vieles sei diesen Menschen unverständlich und fremd geworden, die ganze Welt mit ihren Trends und ihrer modernen Technologie, die sie nicht loslässt und der sie folgen, ja folgen müssen und dann auch noch die Kunst. Ja, damals habe es noch Bilder gegeben, die hätten sie auch „verstanden“. Aber die hängen jetzt auch in Museen. Und dort geht man nur selten hin, wenn überhaupt. Schmidt: „Banal und scheinbar unwesentlich, wie diese Bilder sind, füllen sie mir nicht nur den Magen. Ein Ansatz, den ich so noch nicht denken musste. Und vielleicht bin ich da gar nicht so alleine.“

Die kleinen, wilden Brot- und Kartoffelbilder (10 mal 10 cm, Weißstift und Gouache auf Schwarzpapier, schwebend gerahmt, inkl. Holzrahmen) kann man um 130 Euro per Stück erwerben.

Mehr dazu auf der Facebookseite von Thomas Schmidt oder auf www.schmidt-the-art.com.