ÖGK: Androsch-Bestellung wirbelt Staub auf. Der Groß-Sieghartser Maurice Androsch ist neuer Leiter der Horner Außenstelle der Österreichischen Gesundheitskasse. Die Bestellung des ehemaligen Landesrates wirbelte in Horn aber ordentlich Staub auf.

Von Thomas Weikertschläger und Rupert Kornell. Erstellt am 15. Oktober 2020 (09:09)
Die Bestellung von Ex-Landesrat Maurice Androsch zum ÖGK-Service-Center-Leiter in Horn wirbelte einiges an Staub auf.
Martin Kalchhauser

Denn eigentlich war nicht nur intern erwartet worden, dass Herbert Jordan, langjähriger Stellvertreter des Service-Center-Leiters, neuer Leiter der Außenstelle Horn wird. Er wäre damit Franz Vögerl, der am 30. September 2019 - seinem letzten Arbeitstag - verstorben war, nachgefolgt.

Jordan hatte damals Vögerls Agenden übernommen und war Leiter des Kundenservice Horn. Aber es kam anders: Neuer „Chef“ ist der ehemalige SPÖ-Bürgermeister von Groß Siegharts und Landesrat Maurice Androsch. Er leitet laut ÖGK seit 1. Oktober offiziell die Außenstelle in der Bezirkshauptstadt, derzeit absolviert er eine Einschulung in Baden.

Anonymes Schreiben wirft Fragen auf

In einem anonymen Schreiben, das den Medien zugespielt wurde und das wohl aus gut informierten Kreisen kommt, soll es bei dieser Bestellung seltsame Vorgänge gegeben haben. So sollen sich unter den zehn Bewerbungen acht interne und zwei externe (einer davon war Androsch) befunden haben - einige besser qualifiziert als Androsch. Laut der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des SPÖ-Nationalratsabgeordneten Rudolf Silvan durch Gesundheitsminister Rudolf Anschober hätten nicht alle Bewerber die erforderlichen Kriterien hinsichtlich Qualifikation erfüllt, aber auf jeden Fall die beiden externen. Weiters wurde mitgeteilt, dass „die ÖGK nicht beabsichtigt (habe), die ausgeschriebene Stelle intern nachzubesetzen. Das war auch die Meinung eines externen Beraters.“

"Versorgung" für Ex-Landesrat?

In Horner ÖGK-Kreisen ist man verwundert, dass ein Polizeibeamter in Karenz zum Leiter in Horn bestellt wird, und weist darauf hin, dass es der einzige Posten im Führungsbereich der ÖGK in ganz Österreich sei, der seit der Zusammenlegung ausgeschrieben worden sei. Um einen Ex-Landesrat zu „versorgen“?

Laut ÖGK wurde die Stelle öffentlich ausgeschrieben. Bestätigt wurde seitens der ÖGK auch, dass es acht interne und zwei externe Bewerber gegeben habe. Danach habe Androsch ein Auswahlverfahren durch ein externes Beratungsunternehmen und ein Hearing vor der Leiterin der ÖGK-Landesstelle-Niederösterreich, einem Vertreter des Betriebsrates und einem externen Personalberater für sich entschieden. „Die ÖGK hat sich für eine externe unabhängige Begleitung entschieden. Grundvoraussetzung solcher Dienstleistungsunternehmen ist es, Personalempfehlungen unabhängig, sachlich und objektiv zu treffen. Wie jedes andere Unternehmen hat auch die ÖGK einen Onboarding-Prozess, der je nach Position unterschiedlich ausgestaltet ist“, heißt es weiter in der ÖGK-Stellungnahme.

In Silvans Anfrage wurde auch aufgeworfen, ob nicht Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bzw. ihr Umfeld hinsichtlich dieses Postens interveniert habe. Die Antwort Anschobers: „Mir sind keine Umstände bekannt, die auf ein Zutreffen der in dieser Frage zum Ausdruck kommenden Vermutung hindeuten.“ Aus dem Büro von Mikl-Leitner heißt es auf NÖN-Anfrage: „Das Auswahlverfahren und die Bestellung sind alleinige Angelegenheit der ÖGK.“

Androsch selbst wollte sich gegenüber der NÖN nicht zur Causa äußern.