Caroline Gilli aus Eggenburg: Neustart in Krisenzeit. Caroline Gilli – Optik-Handwerkerin mit Leib und Seele – wagt mitten in der Coronakrise den Sprung in die Selbstständigkeit – und setzt auch auf „mittelalterliche Brillen“.

Von Petra Hauk. Erstellt am 16. Februar 2021 (08:01)
Jungunternehmerin Caroline Gilli wagt den Schritt in die Selbstständigkeit – und das in Zeiten der Krise.
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Die Corona-Pandemie ist für viele nicht nur gesundheitlich und psychisch eine enorme Belastung, auch Unternehmer und Wirtschaftstreibende hatten nie gekannte Hürden zu stemmen. Bei nicht wenigen Geschäften ging der Rollbalken für immer herunter. Auch im Straßenbild von Eggenburg wurde es im letzten Jahr stiller. Umso erstaunter waren viele daher über neue, hell erleuchtete Schaufenster in der Kremserstraße. Ein neues Geschäft? Und das in Krisenzeiten? Wer – salopp gefragt – tut sich das an? Die Antwort auf die Frage: Optikermeisterin Caroline Gilli.

Chance in der „Wunsch-Stadt“ Eggenburg. Wie man auf die Idee kommt, in Zeiten der Krise ein Geschäft zu eröffnen, erzählt die gebürtige Salzburgerin der NÖN: „Ich bin seit 1999 Optikerin und habe das immer mit Leib und Seele gemacht, ich bin der absolute Handwerker, ich greife gerne etwas an, mache gerne etwas mit den Händen.“

Als 2014 ihre erste Tochter auf die Welt gekommen ist, gingen sich die Arbeitszeiten in der Optik nicht mehr aus. Sie sei daher sehr glücklich gewesen, einen Job in einer Bank in Eggenburg gefunden zu haben, der besser mit dem Familienleben vereinbar war. Auch wenn ihr dieser Job viel Freude bereitet habe und das Arbeits-Klima super gewesen sei: „Ich habe immer mehr gespürt, dass mir das Handwerk fehlt. Die Idee, dass ich mich irgendwann selbstständig machen will, hatte ich schon lange – aber erst, wenn meine zwei Kinder größer sind. Als der alteingesessene Optiker Strassberger zugesperrt hat, wusste ich: ‚jetzt muaß i wos toa‘. Wenn jemand anderer kommt, habe ich die Chance, in meiner Wunschstadt Eggenburg ein eigenes Geschäft zu eröffnen, nicht mehr.“

Caroline Gillis große Leidenschaft: ihre selbst geschnitzten Mittelalterbrillen.
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Vorteil: Systemrelevante Branche. Trotz Pandemie? Ja! sagt die tatkräftige Jungunternehmerin. Weil: „Die Pandemie geht auch irgendwann wieder vorbei – oder auch nicht, aber man muss sowieso damit leben lernen. Ich habe den Vorteil, wenn man es so nennen will, dass mein Geschäft als systemrelevant eingestuft wird. Das heißt, was auch immer die zukünftigen Bestimmungen bringen, ich darf offen haben.“

Mensch wichtiger als Firmenname. Aber das dürfen die großen Ketten und bekannten Namen natürlich auch. Der Konkurrenz setzt Caroline Gilli eine eigene Philosophie entgegen. Grundsätzlich sei es für Optiker-Kunden nicht ausschlaggebend, unter welchem Firmennamen man reingeht, wichtig ist der Experte, der vor einem steht. „Man muss dem Optiker vertrauen können, dass er wirklich offen und ehrlich die Meinung sagt und einem nicht einfach eine Brille ,aufs Aug‘ drückt, auf gut Deutsch gesagt. Und wenn einmal im Geschäft nichts Passendes ist, dass man auf eine nächste Lieferung wartet. Die Beratung und die Leidenschaft für den Beruf machen den Unterschied aus!“ Und, fügt sie mit einem Augenzwinkern an: „Ich repariere Dinge, die andere nicht reparieren.“

„Mittelalterbrillen“ aus Vollholz. Die Liebe zum Detail und zu besonderen Objekten kommt wohl von Gillis Vater, einem gelernten Uhrmachermeister. Trotz Bankjob und zwei Kindern hat die Jungunternehmerin in den letzten fünf Jahren in ihrem Keller nach Originalvorlagen „Mittelalterbrillen“ aus Vollholz geschnitzt – inspiriert vom Flair ihrer Wahlheimat. Nun ist der Traum vom eigenen Geschäft wahr geworden, strahlt Caroline Gilli: „Alles ist so geworden, wie ich es in meinem Kopf skizziert hatte. Hier im Geschäft haben wir alles selbst gemacht – außer der Wasserleitung. Es ist wunderschön, wenn man dasitzt und seinen eigenen Wunschtraum verwirklich sieht.“ Ein Termin für ein Eröffnungsfest steht noch aus, aber das wird im Sommer nachgeholt, denn, ergänzt sie mit einem Schmunzeln: „Da ist es eh viel schöner!“