„Weihnachts-Fisch“: Es muss nicht immer Karpfen sein. Der Poigener IT-Security David Pascher produziert in Halle in Poigen Welse – auch als Alternative für den Weihnachtstisch.

Von Eduard Reininger. Erstellt am 03. Dezember 2020 (05:41)

Fische standen bei David Pascher schon seit frühester Kindheit im Mittelpunkt. Mit seinem Großvater war er regelmäßig auf dessen Naturteich angeln. „Doch Fischotter und Co. machten die Fischzucht unrentabel. So putzig sie auch ausschauen, so gefräßig sind Fischotter“, erzählt Pascher.

Das Problem sei dann von Jahr zu Jahr schlimmer geworden, deshalb entschloss sich der IT Security Analyst und Fischzüchter im Nebenerwerb vom Naturteich in die Halle zu „übersiedeln“.

„Afrikanische Welse“ als „echte Waldviertler“

Seit April betreibt Pascher nun mit einer sogenannten Indoor-Kreislaufanlage seine Wels-Zucht in einer Halle und schwört dabei auf Nachhaltigkeit.

Seine Fische gehören zwar der Gattung „Afrikanischer Wels“ an, sind aber waschechte Waldviertler. Bei Waldland geboren, aufgewachsen und geschlachtet in Poigen, werden die meisten seit August – damals führte Pascher die erste Schlachtung durch – in der Region verspeist.

„Konsumenten schätzen, dass Welse keine Gräten im Filet haben.“ David Pascher

Zur Haltung der Fische braucht er keinen Bach, keinen Teich, sondern nur drei Becken. „Nicht gerade Natur pur, dafür aber ökologisch und nachhaltig“, wie Pascher betont. Und auf das kommt es an.

Nachhaltigkeit im Fokus.

Da das Wasser wieder aufbereitet wird, benötigt Pascher für seine Welse mit täglich 1,5 m³ Wasser aus dem hauseigenen Brunnen relativ wenig Frischwasser. „Durch ihre besondere Fähigkeit, Luftsauerstoff zu atmen, sind die Welse sehr robust und die ideale Fischart für eine Kreislaufanlage“, erklärt Pascher.

In den drei Becken sind ca. 3.700 Welse. „Das hört sich viel an, das muss aber so sein, weil der Wels, wenn er zu dünn besiedelt ist, Reviere bildet und sich die Tiere gegenseitig angehen.

1,3 Kilo Futter für 1,5 Kilo Fisch

Wenn gute Futterverwertung ein Maß für das Wohlergehen eines Fisches ist, dann muss es dem „Poigen::Wels“ in den Betonbecken prächtig gehen. Am Ende ihres kurzen Lebens wiegen sie 1,5 Kilo, haben bis dahin aber nur 1,3 Kilo ökologisches Futter und ganz viel Wasser zu sich genommen.

„Kein Landtier wächst derart sparsam. Rinder und Schweine fressen ein Vielfaches ihres Schlachtgewichts. Und das sei längst nicht der einzige Vorteil der Aquakultur gegenüber anderen Formen der Tierzucht“ erklärt Pascher, der Wels zu Weihnachten auch als Alternative zu Karpfen sieht.

Testanlage selbst gebaut

Die Erfahrungen für die Wels-Zucht hat Pascher zuerst an einer selbst gebauten Testanlage erworben. „Im Laufe des Probierens hat sich gezeigt, dass das System super funktioniert, die Qualität der Fische hervorragend ist und im Umfeld eine Nachfrage nach frisch produzierten Welsen besteht“, so Pascher.

Daher hat er dann ein eigenes Gebäude für die Fischproduktion mit Schlachtraum ohne Förderung errichtet. Ausgelegt ist die Fischzucht auf die Produktion von rund zehn Tonnen pro Jahr. Das Ablaufwasser fließt nach den Fischbecken über einen Trommelfilter, der das Wasser mechanisch reinigt und die Feststoffe entfernt. „Man hat de facto eine Kläranlage dabei und reduziert so den Wasserverbrauch auf ein Minimum“, erklärt Pascher.

Das Wasser erwärmt sich über ein ausgetüfteltes Heizsystem in den Becken am Boden und an der Decke auf 27 Grad. Die Wärme liefern eine Photovoltaikanlage und eine Hackschnitzelheizung. Ziel ist es, alle 14-Tage kleine Mengen zu schlachten. Vermarktet werden die Fische unter dem Namen „Poigen::Wels“, erhältlich ist der Fisch im Hofladen Paschers auf Vorbestellung. Die Direktvermarktung ausgenommener, filetierter und geräucherter Welse funktioniere sehr gut. „Dabei schätzen die Konsumenten besonders, dass die Welse keine Gräten im Filet haben“, erklärte Pascher.

Auch Rindfleisch im Angebot

Besonders stolz ist er auf den Schlachtraum, der alle Stückerl spielt und alle EU-Anforderungen an einen Schlachtraum für Direktvermarkter erfüllt. Die Zulassung erfolgte zugleich als Be- und Verarbeitungsbetrieb für Fisch und alle Arten von Fleisch.

Künftig wird er auch Rindfleisch unter der Bezeichnung „Poigen::Rind“ vermarkten, wobei der kurze Transportweg von umliegenden Bauern zum Schlachtraum besonders tierfreundlich ist.