Dank Horner Firma Riegl virtuell den Stephansdom sehen. Horner Laserscanner erfasste jeden Winkel. Das sieht man in Linz und online.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 10. September 2020 (06:14)
Der Stephansdom kann von den Katakomben bis zum Dachboden virtuell erkundet werden.
Johannes Pöll/Ars Electronica Futurelab

Die „Ars Electronica“ hat sich zum Ziel gesetzt, jedes Jahr in Linz die Technologie der Zukunft zu zeigen. 2020 kann der Besucher den Stephansdom erkunden – nicht in Wien, sondern eben in Linz. Eine virtuelle interaktive 3D-Tour macht’s möglich.

Sie basiert auf einer mit 21 Milliarden Laserpunkten großen „Wolke“: Der Laserscanner-Hersteller Riegl mit Hauptsitz in Horn hat sie mit der Dombauhütte St. Stephan einfangen können. Das Ergebnis ist „The Translucent St. Stephan‘s Cathedral“ – oder „Der durchleuchtete Stephansdom“.

Datenvolumen beträgt 400 Gigabyte

Der Festivalbesucher kann durch die in Echtzeit gerenderte Punktewolke fliegen, um festgelegte Plätze in hochaufgelösten 360 Grad-Bildern zu erkunden. Das volle Potenzial des Gebäudes mit all seinen Details kommt so zur Geltung. Das Datenvolumen umfasst fast 400 Gigabyte.

Die Zusammenarbeit von „Riegl Laser Measurement Systems“ mit der Dombauhütte St. Stephan besteht seit Jahren. Ziel ist hierbei eine genaue Erfassung und Dokumentation der Bausubstanz des Stephansdomes mit einem 3D-Laserscan. Detailpläne entstehen, Ansichten und Schnitte werden generiert. Diese werden für Bauanalyse, Schadensdokumentation und Simulation historischer Bauzustände verwendet.

„Beim typischen Arbeitsablauf mit dem terrestrischen Scanner wird ein sogenannter Panoramascan nach dem anderen aufgenommen“, führt Nikolaus Studnicka, Business Division Manager bei Riegl, aus. Der Scanner steht auf einem Dreibein-Stativ und erfasst bei einer vollen Drehung durchschnittlich 22,5 Millionen Messpunkte in 45 Sekunden. Hunderte Scans pro Tag können so aufgenommen werden.

Fünf kalibrierte 45 Megapixel-Fotos wurden im Stephansdom pro Scanposition (insgesamt über 1.000) aufgenommen – im Kirchenraum, in den Katakomben, am Dachboden und am Stephansplatz.

„Die Fotodaten ermöglichen eine Einfärbung der Scandaten und damit eine foto-realistische Darstellung für weitere Anwendungen“, erklärt Studnicka.

Der RIEGL VZ-400i Laserscanner ist seit Jahren für die Dombauhütte St. Stephan im Einsatz – und lieferte Daten für das virtuelle Projekt, das bei der „Ars Electronica“ in Linz vorgestellt wird.
Riegl

Alle Bilddaten wurden in nur vier Vermessungstagen in den Jahren 2018 und 2019 mit einem Laserscanner und in zwei Vermessungstagen mit einer Totalstation generiert.

„The Translucent St. Stephen’s Cathedral“ vermittelt das Gefühl, Echtzeit und interaktive Inhalte in höchster Qualität zu erleben – ein Rendering, das mit heutigen Technologiestandards eigentlich nicht in Echtzeit möglich sei.

Diese Einblicke entstanden im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Immersify“, das durch das EU-Programm Horizon 2020 finanziert wurde. Die Live-Premiere der virtuellen Tour während des „Ars Electronica“-Festivals kann jeder online mitverfolgen (12. September, 16 Uhr).