Schutz der Kleinode in der Natur. „MaGICLandscapes“ fokussiert auf nicht-versiegelte Flächen wie Wäldchen, Wegränder oder Böschungen.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 01. August 2018 (04:44)
Uni Wien
Das Team des Departments für Botanik und Biodiversitätsforschung (v.l.): Projektleiter Thomas Wrbka,Ina Hahn (Administration und Finanzen) undFlorian Danzinger, wissenschaftlicher Projektmitarbeiter.

Die Ursprünglichkeit des Naturraumes im nordöstlichen Eck des Waldviertels wird unterbrochen, in dem der Mensch mit seinem Tun die Natur in eine Kulturlandschaft verwandelt: Er bewirtschaftet Felder, baut Häuser und Straßen – und doch sind sie da, die Kleinode.

Man darf nicht aufs „Grün“ zwischen den versiegelten Flächen vergessen: Der Mensch nutzt kaum die Wäldchen, Wiesen, Böschungen, Wegränder, Parks, Gärten, Biotope, Retentionsbecken oder Begleitflächen für Bahnstrecken. Sie erfüllen wichtige Naturschutz-Funktionen und stehen im Fokus des Interreg-Projekts „MaGICLandscapes“, das seit 2017 breit gefächert auf den Beinen steht.

Von Böhmischer Masse zum kalkhaltigen Löss

Das Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien, Abteilung Naturschutz, steht mit dem Nationalpark Thayatal auf österreichischer Seite dahinter. Das Forschungsgebiet, östliches Waldviertel und westliches Weinviertel, ist spannend: Die Böhmische Masse geht in kalkhaltigen Löss über. Der Westen hat mehr Wald, der Osten betreibt intensiveren Acker- und Weinbau.

Die Forscher nehmen Satellitenbilder aus den Bezirken Horn und Hollabrunn zur Hand und schauen sich dann die grüne Infrastruktur (auch Gewässer und Feuchtlebensräume gehören dazu) vor Ort an. Wie ist der Zustand der naturnahen Flächen? Wie können sie geschützt werden? Im Zentrum steht ihre (Wieder-)Vernetzung.

„Wir wollen anhand von Pilotregionen und Schwerpunkten in die Tiefe gehen und uns konkrete Fragestellungen ansehen“, erklärt Florian Danzinger. Der gebürtige Roseldorfer ist wissenschaftlicher Projektmitarbeiter im Team von Thomas Wrbka. Das abgeschottete, isolierte Wäldchen bringe wenig, wenn es nicht auf wertvolle „Zwischenstationen“ zurückgreifen könne und in ein größeres Netzwerk eingebunden ist.

„Wir haben einen starken Mitmachansatz“

Der Nationalpark wird daher einen Korridorplan für die Wildkatze und einen Leitfaden zur Verbesserung der Wanderrouten erstellen. Überhaupt soll Wissen und Werkzeug bereit gestellt werden. Karten und Handbücher sollen darüber informieren, was man beim Schutz von kleinen Natur-Räumen beachten soll. „MaGICLandscapes“ will zeigen, dass grüne Infrastruktur Fauna und Flora bewahren, Überschwemmungen vorbeugen und die Winderosion eindämmen kann. Das kommt dem Menschen zugute, auch als Erholungsraum. Danzinger spricht von Multifunktionalität.

Ihm ist eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren wie Bürgermeistern, Regionalmanagern, Landwirten oder Schlüsselfiguren wie Rainer Raab, der den Schutz der Großtrappe forciert, wichtig. „Ohne sie wird es nicht gehen.“ Lokales Wissen soll genutzt werden. „Wir haben einen starken Mitmachansatz.“

NPTT
Mit dabei ist der Nationalpark Thayatal mit (v.l.): Bernadette Lehner, Claudia Waitzbauer, Martha Schober, Christina Stiepani, Christoph Milek, Wolfgang Riener, David Freudl und Christian Übl.

Eine erste Möglichkeit bietet der Workshop „Grüne Infrastruktur als Zukunftschance für unsere Region“ im Nationalpark-Haus (14. November). Universität Wien und Nationalpark Thayatal wollen mit regionalen Vertretern Konzepte und Maßnahmen für ein verantwortungsvolles Management von grüner Infrastruktur erarbeiten.