Mit Flasche Mann am Hals verletzt. 24-Jähriger verlor bei Debatte die Nerven: 26-Jähriger erlitt Schnittwunde. Bedingte Haft für Angeklagten.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 30. April 2021 (05:30)
Zeugen berichten, dass der 24-Jährige eine Bierflasche über den Kopf des Wiener gezogen habe.
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Außer Kontrolle geriet eine private Technoparty, die im September in der Raabser Gemeinde stattfand. Eine Diskussion endete mit einer Körperverletzung: Ein 26-jähriger Wiener trug eine lange Schnittwunde vom Ohr und bis über den Hals davon. Das Bezirksgericht führte bereits die Hauptverhandlung durch: Der Angeklagte erschien zwar nicht, die einvernommenen Zeugen haben ihn allerdings belastet.

Weil der 24-jährige Angeklagte der Ladung nicht Folge geleistet hat, wird er am zweiten Verhandlungstag von der Polizei abgeholt und dem Richter vorgeführt. „Am liebsten will ich mich entschuldigen, aber ich habe keine Kontaktdaten“, gibt er sich reumütig. Den Vorfall schildert er ein wenig anders.

Die Zeugen beschrieben, dass der Angeklagte nach einer politischen Diskussion dem 26-Jähriger mit der Bierflasche eine über den Kopf gezogen habe. Der 24-jährige Wiener sagt hingegen, dass er die Flasche geworfen habe, nachdem er ein Glas Wasser hätte bezahlen müssen und er sich im Laufe der Debatte bedroht gefühlt habe. „Ich wollte einfach weg“, sollte die Flasche ein Fenster zur Fluchtmöglichkeit durchschlagen. „Ich bin schon schuld, aber ich habe das nicht mutwillig getan.“

Richter Lukas Beran weist darauf hin, dass die Verletzung weit schlimmer hätte sein können. „Ich packe das selber nicht, ich kann nicht schlafen“, antwortet der Angeklagte.

Er verneint die Frage des Richters, ob er gestoßen oder geschlagen worden sei oder ob er harte Drogen genommen habe. „Meinen Sie nicht, dass Sie überreagiert haben? Sie hätten einfach weggehen können“, hakt Beran nach. „Ja, ich habe falsch reagiert, das stimmt schon. Ich hatte einfach Angst.“ Der 24-Jährige hat allerdings mit psychischen Problemen zu kämpfen, wie ein Attest zeigt.

Angeklagter bittet um Antiaggressionstraining

Der 26-jährige Verletzte schließt sich dem Verfahren als Privatbeteiligter an und verlangt 4.000 Euro Wiedergutmachung. Der Angeklagte erklärt sich einverstanden, dem Folge zu leisten. Er werde zudem ab Mai eine Therapie in Anspruch nehmen. Ob er zusätzlich ein Antiaggressionstraining machen würde? „Ich wäre sehr froh, wenn Sie mir das geben würde“, sagt der 24-jähriger Wiener zum Richter.

Lukas Beran erklärt ihn der Körperverletzung für schuldig und verhängt eine dreimonatige bedingte Haftstrafe unter dreijähriger Probezeit. Der 24-Jährige muss binnen 14 Tagen 4.000 Euro zahlen, Bewährungshilfe und ein Antiaggressionstraining über den Verein „Neustart“ absolvieren.

„Sie haben diesen Mann verletzt, das steht für mich außer Frage“, erklärt der Richter in seiner Begründung. Die Höchststrafe sei sogar bis zu einem Jahr bemessen, der 24-Jährige gelte aber als unbescholten und war im Kernvorwurf geständig, zusätzlich habe er die Gesundheit des Angeklagten berücksichtigt. Aber: „Sie haben ein wahnsinniges Glück gehabt, das Opfer hätte schwer verletzt sein können oder hätte sterben können“, ergänzt Beran. Der 24-Jährige nimmt das Urteil an.