Toter Rekrut: Antrag auf Fortführung gestellt. Der Anwalt der Eltern, deren 19-jähriger Sohn 2017 bei einem Fußmarsch in der Nähe der Radetzky-Kaserne Horn zusammengebrochen war, hat einen Fortführungsantrag bei Gericht eingereicht.

Von Red. Horn. Erstellt am 11. März 2020 (09:43)
Die Radetzky-Kaserne in Horn 
APA/Herbert Pfarrhofer

Der Antrag auf Fortführung ist bereits bei der Staatsanwaltschaft eingelangt, bestätigt Susanne Waidecker, Leiterin der Kremser Anklagebehörde, am Mittwoch auf APA-Anfrage. Die Entscheidung obliegt einem Richtersenat.

Der 19-jährige Soldat der Garde war im August bei einem Fußmarsch in der Nähe der Radetzkykaserne in Horn zusammengebrochen. Er starb später im Krankenhaus. Todesursache war laut Obduktion eine Überhitzung des Körpers. Bei einer Blutuntersuchung des Rekruten wurde außerdem ein akuter Infekt festgestellt, der zu einer Sepsis geführt hatte.

Ermittelt wurde in der Folge gegen vier Soldaten, die an der Durchführung des Marsches beteiligt waren. Sie standen unter anderem unter dem Verdacht der grob fahrlässigen Tötung sowie der Vernachlässigung der Obsorgepflicht nach dem Militärstrafgesetz, wie Staatsanwaltschafts-Sprecher Franz Hütter im Februar mitteilte.

Die Anklagebehörde kam zum Schluss, dass die Vorgesetzten des Rekruten gegen keine Vorschriften verstoßen haben. Sie hätten aufgrund der Hitze ausreichend Wasser zur Verfügung gestellt und leichtere Adjustierung angeordnet. "Außerdem konnten sie nicht erkennen, dass der 19-Jährige eine akute septische Entzündung hatte", wurde Hütter vor einem Monat vom ORF zitiert.

Anwalt Helmut Graupner schildert, dass der 19-Jährige - wie der ORF berichtet - mehrfach zusammengebrochen, beim Eintreffen des Notarztes mit 43,5 Grad Fieber auf dem heißen Asphalt gelegen und eine Stunde zu spät ins Krankenhaus gebracht worden sei. Er könnte noch leben, wenn sich die Vorgesetzten an den eigenen Hitzeerlass des Bundesheeres gehalten hätte, kritisiert Graupner scharf.

Der Erlass gelte ab 28 Grad, der Marsch hätte demnach nicht stattfinden dürfen. Die Durchführung bei 35 Grad sei sogar für eine Bundesheerkommission und ein Gericht eine „problematische Führungsentscheidung“ gewesen, so Graupner