Rodingersdorfer Spezialverlag: Boom dank E-Bike. Rodingersdorfer Spezialverlag spielt in Deutschland große Rolle – und bleibt trotz Krise zuversichtlich.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 02. April 2021 (04:00)
In Rodingersdorf 31 ist ein kleiner, aber feiner Verlag ansässig.
privat, privat

Wie auf einer Hochschaubahn hoch hinauf und tief hinunter geht es für Roland Esterbauer, der in Rodingersdorf einen auf Radkarten jeglicher Art spezialisierten Verlag betreibt. Profit und Verlust lagen 2020 eng beieinander – das berichtete der NÖ Wirtschaftspressedienst. „Der Sommer war toll. Da hat das Radfahren richtig geboomt. Schließlich waren auch Hotels und Gastronomie geöffnet und das Radfahren bot die Möglichkeit, unterwegs und trotzdem auf Abstand zu sein“, erklärt Esterbauer. Trotz alldem seien die Umsatzzahlen katastrophal gewesen. „Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass der deutsche Buchhandel erst vor Kurzem wieder öffnen durfte. Die üblichen Frühjahrsbestellungen haben heuer nicht stattgefunden.“

E-Bikes erneut im Trend. Optimismus ist im Verlag aber spürbar. „Seit rund zwei Wochen bekommen wir verstärkt Anfragen betreffend Norditalien, etwa für die Strecke München bis Venedig oder für Südtirol“, schildert Esterbauer. Außerdem würden die Fahrradverkäufe – vor allem bei E-Bikes – wieder steigen. „Das bringt auch uns neue Kundengruppen. Sobald Hotels und Gastronomie wieder geöffnet haben, werde auch die Zahl jener wachsen, die mit einem Fahrrad oder neuem E-Bike in den Urlaub fahren wollen.

Umsatz-Zuwächse aus Deutschland. Grundsätzlich mache der Verlag seit vielen Jahren regelmäßig Umsatzsteigerungen mit den Radkarten, insbesondere den Radtourenbüchern. Die Zuwächse kommen in erster Linie aus Deutschland. Dort werden die Tourenbücher aus dem Waldviertel überwiegend verkauft, und es sind auch vor allem deutsche Radfahrer, die sowohl auf den deutschen als auch auf den österreichischen und sonstigen europäischen Radstrecken unterwegs sind. Die Radtourenkarten beziehen sich auf konkrete Strecken, haben ein genaues Übernachtungsverzeichnis und viel Hintergrundinformation.

Trend zu „unbekannten“ Radwegen. Im vergangenen Jahr hat sich ein, bereits seit einiger Zeit, bestehender Trend massiv verstärkt. Viele Radurlauber suchen Radwege, die abseits liegen und weniger bekannt sind. „Der Verkauf der Radtourenkarten zum Donauradweg beispielsweise stagniert auf hohem Niveau“, erklärt Esterbauer. Dagegen sind Karten für neue Radwege, wie etwa für den Lech-Radweg in Tirol, den Kärntner Seeweg oder den Römerradweg in Oberösterreich, mehr und mehr gefragt.

Digitale Variante angedacht. „Mit dem Rad in den Urlaub zu fahren, bewegt die meisten, sich eine analoge Streckenkarte mitzunehmen. Deswegen bringen wir immer wieder neue Karten auf den Markt“, sagt Esterbauer. Zuletzt hat sich insbesondere die Kompaktvariante der Tourenkarten durchgesetzt, die kleiner und einfacher gestaltet sind und trotzdem die gleichen Informationen beinhalten.

Digitale Varianten stünden durchaus zur Überlegung, aber Esterbauer meint: „Momentan sind die Investitionen am digitalen Markt zu hoch, sodass ein Gewinn in absehbarer Zeit nicht möglich erscheint. Es gibt unzählige kostenlose Apps in Bezug auf Fahrradstrecken, und wenn wir als Verlag eine kostenpflichtige Variante anbieten, muss jedenfalls ein Mehrwert gesichert sein.“