Manufactura Eggenburg bietet mehr Platz für Handwerk. Die Manufactura in Eggenburg bietet in Coronazeit Handwerkern Absatzmöglichkeiten. Während Lockdown gibt es Lieferservice, auch Online-Shop kommt.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 17. November 2020 (14:37)
Bieten in der Manufactura in Eggenburg Handwerks-Produkte aus der Region: Vereins-Obfrau Margarete Jarmer und Dorothea Hollerer.
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Aus allen Nähten platzt derzeit das Geschäft des „Vereins zur Förderung, Erhaltung und Belebung des Handwerks“ in Eggenburg. Da viele Handwerker wegen der coronabedingt abgesagten Weihnachts- und Adventmärkte um ihre Hauptabsatzmöglichkeit kommen, gibt es einen „Run“ auf die Möglichkeit, Handwerksprodukte in der „Manufactura“ am Eggenburger Hauptplatz abzusetzen. Der Corona-Lockdown kann das Geschäft im Herzen Eggenburgs aber nur vorübergehend stoppen.

Umzug wird angedacht

„Als wir vor vier Jahren gestartet sind, hatten wir Angst, dass wir das Lokal nicht füllen können. Jetzt wird es uns bald zu klein“, erzählt Vereins-Obfrau Margarete Jarmer über das Projekt, das einst zur Hauptplatzbelebung ins Leben gerufen wurde. Ein Umzug in ein größeres Lokal wird daher angedacht.

In den kommenden Wochen wird ein Lieferservice angeboten, noch diese Woche soll auch ein Online-Shop starten, um Handwerk-Fans auch während des Lockdowns mit gewünschten Produkten zu versorgen. Dass viele Handwerker ihre Produkte nun in der Manufactura anbieten wollen, werte sie als Zeichen, dass sich das Geschäft mittlerweile in der Region einen tollen Stellenwert erarbeitet habe, sagt Jarmer.

Regionales Handwerk fördern

Grundvoraussetzung, seine Produkte in der Manufactura anbieten zu können, ist laut Jarmer ein Gewerbeschein. „Wir wollen nicht Kunsthandwerk, sondern echtes Handwerk fördern“, sagt sie. Wichtig sei, dass die Produkte – bis auf wenige Ausnahmen, die wegen ihrer Einzigartigkeit auch aus dem Rest Österreichs kommen können – aus der Region stammen.

Neben den Bezirken Horn und Hollabrunn stammen die meisten der rund 40 Lieferanten der Manufactura aus dem oberen Waldviertel und der Region um Langenlois und Krems. Auf knapp 70 m 2 wird ein breites Angebot, das saisonal jeweils angepasst wird, präsentiert.

Neben Waldviertler Schuhen aus Schrems gibt es etwa Seifen und Naturkosmetik, Düfte, Holzprodukte wie Holz-Faltschachteln, Drechselarbeiten, Keramiken, Lampen, Kleidung, Kinderkleidung, Hüte, Kinderspielzeug, Glas, Fisch-Textilien oder Ledertaschen, die in den Werkstätten der Justizanstalt Stein gefertigt werden. „Und das – wie bei vielen unserer Produkte – auf individuellen Kundenwunsch. Die Individualität steht bei uns generell im Fokus“, erzählt Jarmer.

Bindeglied zwischen Produzenten und Kunden

Nicht nur angesichts der Coronakrise sei es für viele Handwerker finanziell nicht möglich, eigene Verkaufsräumlichkeiten anzumieten. „Etwa 80 Prozent unserer Lieferanten haben kein eigenes Geschäft. Ihre einzige Möglichkeit, ihre Produkte zu veräußern, sind Märkte, die es derzeit nicht gibt“, meint Jarmer.

Man wolle diesen Leuten daher eine Plattform bieten, ihre Produkte dennoch an die Kunden zu bringen. Daneben will man auch den Austausch zwischen den Handwerkern fördern. „Bei uns haben sich schon Leute kennengelernt, die Überlappungen bei den verwendeten Materialien entdeckt haben und dann gemeinsam weitere Produkte entwickelt haben“, zeigt Jarmer auf.

Und allesamt seien die Lieferanten Produzenten, die mit voller Leidenschaft und Hingabe hinter ihren Produkten stehen. Hinter jedem Produkt stehe eine Geschichte, die man gerne an die Kunden weitergeben wolle. Man sehe sich als Bindeglied zwischen Produzenten und Kunden, Ziel sei es, dass die Kunden das Lokal mit der gleichen Begeisterung für die Produkte verlassen, mit der es die Produzenten angeliefert haben.

Rückbesinnung durch Corona?

Wenn man der derzeitigen Krise etwas Positives abgewinnen wolle, dann, dass sich zuletzt der Trend zur Rückbesinnung auf die Vorteile regionaler Produkte verstärkt habe.

Seien es zu Beginn der Geschäftstätigkeit vor vier Jahren noch in erster Linie Eggenburger und „Zufallsgäste“ gewesen, die sich in das Lokal verirrt hätten, habe man es nun geschafft, ein überregionales Stammpublikum zu erlangen.

Betrieb nicht profitorientiert

Neben Workshops (etwa zur Herstellung von Kräuter-Kosmetika oder das Bemalen von Zinntäfelchen), Führungen in Handwerksbetrieben und Beteiligungen an großen Festen wie dem Mittelalterfest bietet die Manufactura auch „alte Handwerke“ wie ein Schuhreparatur-Service und Messerschleifen an.

Auch zahlreiche Gastro- bzw. Friseur-Betriebe aus der Region lassen ihre Messer und Scheren hier schleifen. Zu kurz kommt auch die soziale Seite nicht, auch Produkte der Caritas Werkstätte wie Kräutersalze, Sirupe oder Marmeladen finden sich im Sortiment. Abgerundet wird das Angebot durch eine kleine Palette an Lebensmitteln.