Neuer Glanz für „Fenstergucker“ in Horn. Figur in Piaristen Passage bei Sanierungsarbeiten entdeckt und hergerichtet.

Von Eduard Reininger. Erstellt am 31. Oktober 2020 (04:02)
Professionell und in liebevoller Kleinstarbeit wurde die fast 300 Jahre alte Steinplastik in der Piaristen Passage von Herbert Puschnik restauriert und rekonstruiert.
Eduard Reininger

Die fast 300 Jahre alte Steinplastik „Der Fenstergucker von Horn“ in der Piaristen Passage wurde nun von Herbert Puschnik restauriert.

Die Figur war bei Restaurierungsarbeiten in der Mauer entdeckt worden. Provisorisch freigelegt und sichtbar gemacht, bekam die Steinplastik eine Umrahmung. Gleichzeitig wurde die Figur restauriert und rekonstruiert. Dabei stelle sich heraus, dass es sich um einen Engel handelt, der ein aufgeschlagenes Buch in Händen hält, auf denen die Wörter „Artes Liberales“ (Freie Künste) zu lesen sind.

„Es war dies der Lehrplan der Lateinschule, wie sie ab dem 14. Jahrhundert in den größeren Städten, so auch in Horn bestanden“, erklärt Puschnik. Damit war es der Jugend des Adels und der gehobenen Bürgerschicht möglich, sich auf das Studium an der Universität vorzubereiten, um Theologie, Jurisprudenz oder Medizin zu studieren. „Da die Vorlesungen dort bekanntlich in lateinischer Sprache erfolgten, musste in den Lateinschulen und späteren Gymnasien vor allem Latein gebüffelt werden“, ergänzte Puschnik. Dieses Fach beanspruchte gleich drei frei Künste, nämlich Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Die restlichen Fächer waren Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.

Figur stammt vom Piaristenkonvent

Das Alter der Steinplastik wird auf 300 Jahre geschätzt, die Figur soll nach Lokalhistoriker Michael Wiesinger vom ehemaligen Piaristenkonvent stammen. Dieser Orden, der in Horn ein Gymnasium betrieb, hatte Lehrer die Zöglinge, die Interesse für Theologie zeigten, zeitweise auch auf Hochschulniveau unterrichtete und ihnen so größtenteils den Aufenthalt in Wien ersparte. Von den Passanten und den Gästen des Restaurants „Al Fresco“, das sich in unmittelbare Nähe der Skulptur befindet, wird diese liebevoll „Der Fenstergucker von Horn“ bezeichnet.