Verein „rettet“ Spitalskirche. Die Renovierung schreitet dank neuem Verein und vielen tatkräftigen Helfern aus der Gemeinde zügig voran. Bauspezialisten werden jetzt aktiv werden.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 04. August 2021 (04:54)

Ein großangelegtes Hilfsprojekt nimmt immer weiter Form an. Der glückliche Empfänger: die Spitalskirche zu Röhrenbach. Seit über zwei Monaten laufen bereits die Arbeiten zur Rettung und Erneuerung des historischen Gemäuers mitsamt Fresken des berühmten Malers Paul Troger. Vergangene Woche, pünktlich zum Namenstag der Heiligen Anna, Schutzpatronin der Kapelle, fand eine Generalversammlung des neuen Vereins zur Erhaltung der Kapelle statt.

Dabei wurden Manfred Strupp zum Obmann und Andreas Gamerith zu seinem Stellvertreter gewählt. Gamerith, der als Kunsthistoriker und Organisator maßgeblich an den Arbeiten beteiligt ist, gab zudem einen Überblick zu den bisherigen und kommenden Arbeiten. So wurden bereits 30 Tonnen Schutt aus der Kapelle beseitigt. Am Dachboden hätte sich dieser bereits zu einer großen Gefahr entwickelt. „Das Dachwerk und hölzerne Teile waren teilweise vom Schutt umgeben. Wenn da etwas nass geworden wäre, wäre der Dachstuhl sicher kaputt gegangen“, berichtet Gamerith.

„Die größten Problemkinder wären dann heuer noch beseitigt.“ Andreas Gamerith

Insofern war es großes Glück, dass der Schutt jetzt endlich beseitigt ist. Kübel für Kübel reichten die vielen helfenden Hände die 30 Tonnen vom Dachboden herunter. Daneben wurden auch die Fassade und die Figuren gereinigt. Durch das sogenannte Schlämmen erhielten die Figuren eine neue Schutzschicht und wurden in ihrer Struktur gefestigt. „Nach der Schlämme können die Figuren endlich wieder ihre wahre Schönheit entfalten. Dass das Jesuskind mit offenem Mund in den Armen des heiligen Joseph schläft, ist erst jetzt wieder erkennbar“, schildert Gamerith.

Der Kameradschaftsbund und rund 20 freiwillige Helfer waren bislang tatkräftig bei der Sache. Die Reinigung der Südfassade steht kurz vor dem Abschluss. Auch die Sonnenuhr soll zeitnah rekonstruiert werden. So langsam würde man jetzt aber an die Grenze der selbst machbaren Arbeiten stoßen. Für die nächsten Schritte sind dann Spezialisten gefragt. Mit Mitte August sollen dann nämlich die Dacharbeiten beginnen. Sobald das Gerüst steht, ist die Restaurierung der Fassade geplant.

Die Firmen Strupp, Frank oder Leyrer + Graf werden im Einsatz sein. „Wir hoffen, dass das Dach und die Fassade bis zum 30. Oktober, dem Geburtstag von Paul Troger, fertig sind. Die größten Problemkinder wären dann heuer noch beseitigt“, betont Gamerith. Im Trockenen könne man sich dann den Innenarbeiten widmen.

„Der Innenraum ist zwar in vergleichsweise gutem Zustand, aber es gibt noch etliche Maßnahmen, die wir gerne setzen würden“, meint der Kunsthistoriker. Mit dem Verein soll in Zukunft mehr Geld dafür gesammelt werden. Mit der Finanzierung sei man nämlich noch lange nicht am Ende. Die größten Brocken konnten dank Förderungen des Bundesdenkmalamtes und vom Land NÖ gestemmt werden.

Das Ziel für die Finanzierung der weiteren Maßnahmen ist nach oben offen. Der Mitgliedsbeitrag für den Verein beträgt 20 Euro. Fünf davon wandern dabei nicht zur Kapelle, sondern sollen in ein soziales Projekt investiert werden. „Die Kapelle war ursprünglich ein Bürgerspital für sozial Schwache. Deshalb streben wir nicht nur die Erhaltung an, sondern wollen uns auch zumindest mit einer Kleinigkeit sozial engagieren“, erzählt Gamerith.

Die Schäden wurden noch rechtzeitig erkannt

Dass die Arbeiten an der Kapelle zeitnah begonnen wurden, war laut ihm ein enorm wichtiger Schritt. Schon in den nächsten Jahren seien erhebliche Schäden im Innenbereich erwartet worden. „Die Malereien und Fresken wären zerstört und unwiederbringlich verloren gegangen“, meint Gamerith. Die Sanierungsmaßnahmen gehen quasi „in letzter Minute“ über die Bühne.

2037 wird die Kapelle 300 Jahre alt. Ende des 17. Jahrhunderts befand sich auf dem Areal das bereits erwähnte Bürgerspital. Von diesem Ursprungsgebäude sind auch noch bauliche Reste vorhanden. Erst später wurde das Gebäude umgebaut.

„Die große Wende kam 1737, als Paul Troger mit den Fresken und der kompletten Innengestaltung beauftragt wurde“, schildert Gamerith. Für die Architektur zeigte sich Josef Mumminger, der Klosterarchitekt von Klosterneuburg, Melk und Geras, verantwortlich. Große Namen also, deren Werke jetzt vom Zahn der Zeit gerettet – und noch lange erhalten bleiben sollen.

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