Kellergassen wollen „Weltkulturerbe“ werden

Gute Chancen für Kellergassen als Gebäude-Ensemble in Röschitz, auf Warteliste der UNESCO zu kommen. „Kellergassenkultur“ strebt Titel „immaterielles Kulturerbe“ an.

Erstellt am 03. November 2021 | 05:17
Lesezeit: 2 Min

Die „Kellergassenkultur“ will „immaterielles Kulturerbe“ werden. Die 128 Teilnehmer, die beim dritten Kellergassen-Kongress im Veranstaltungszentrum W4 in Röschitz, der vom Verein „KellergassenführerInnen im Weinviertel“ gemeinsam mit AGRAR PLUS veranstaltet wurde, waren sich einig, die „Kellergassenkultur“ als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO zu beantragen, um die vielfältigen Traditionen in den Weinviertler Kellergassen als Besonderheit darzustellen, wie Obmann Joachim Maly betonte. Gleichzeitig freute er sich über die Meldung, dass die Kellergassen als Gebäude-Ensemble große Chancen haben, auf die Tentativliste (=Warteliste) für das UNESCO-Weltkulturerbe zu kommen.

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Die eigenen Begrifflichkeiten der Winzersprache, die kulinarischen Kellergeheimnisse oder die alten Handwerkstechniken sind allesamt Bestandteil der Kellergassenkultur. Viele Weinbräuche wie das „In d’Grean gehen“ oder die Weinsegnungen sind lang gepflegte Traditionen in den Weinviertler Kellergassen. Die typischen Kleidungsstücke im Weinland, wie Fiata oder Kalmuck, die Keller-Literatur oder die Kellerlieder – all das findet sich im komplexen kulturellen Umfeld der Kellergassen. Beim Kongress näherte man sich diesen Themen sowohl mit Fachvorträgen am Vormittag als auch mit praktischen Workshops am Nachmittag.

Von „trockenen Vorträgen“ zu Wein-Liedgut

Während der Unterschied zwischen immateriellem und materiellem Kulturerbe noch eher trockene Materie darstellte, aber gekonnt von Caroline Jäger-Klein (TU Wien) und Gerold Eßer (Bundesdenkmalamt) vorgetragen wurde, ging es beim „Liedgut rund um Wein & Keller“ fröhlich und munter her. Der Vollblut-Musikant Norbert Hauer brachte den Saal zum Erklingen. Der „Winzersprache“ widmete sich Elisabeth Arnberger und die „Arbeitsweisen im Weingarten und Keller“ beleuchtete der Volkskundler Erich Broidl. Einen Querschnitt über die „Weinbräuche in Österreich“ bot der Kulturhistoriker Johann Werfring.

Bei den Workshops konnte man wieder mitsingen (Norbert Hauer gemeinsam mit Elisabeth Schöffl-Pöll), mitkochen (mit Seminarbäuerin und TV-Köchin Elisabeth Lust-Sauberer) oder sich von der Dirndlmacherei von Irene Novak kleidungstechnisch beraten lassen. Alois Ullmann, ein begnadeter Gewölbe-Spezialist zeigte Tipps und Tricks rund ums „gewölben, mauern und verputzen“, während die Kellergassenführerin Elli Janoschek das Reben-Aufbinden mit Strohbandln herzeigte. Es gab außerdem laufend Führungen im Weber-Keller mit Kunstwerken aus Löss und Lehm. All das wurde eifrigst gepostet und getwittert, denn die Social-Media-Expertin Eva Vogel zeigte vor, wie man die Kellergassen digital in die Welt hinausträgt.

Altobmann Richard Stöger führte durch Kellergasse

Röschitz zeigte sich beim Kongress jedenfalls als Weinort von seiner besten Seite. Zahlreiche Gäste nutzten im Anschluss noch die Möglichkeit einer Kellergassenführung mit Altobmann Richard Stöger.

Landtagspräsident Karl Wilfing sagte die Unterstützung seitens des Landes für die Erhaltung der Kellergassenkultur zu.

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