Spatenstich: Startschuss für Keller-Projekt

Erstellt am 22. September 2022 | 05:11
Lesezeit: 4 Min
Bis zur Ernte 2023 entsteht am Röschitzer Ortsrand 4.000 m² großer Weinkeller der Familie Gruber – und das CO2-neutral.
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Das Großprojekt des Bio-Weinguts Gruber in Röschitz nimmt langsam Form an: Wie die NÖN berichtete, entsteht in der Roggendorfer Straße ein 4.000 m² großer neuer Weinkeller samt Verkostungsraum und Büroräumlichkeiten – und das auf der „ersten CsO₂-neutralen Baustelle Österreichs“. Mit dem Spatenstich wurde jetzt in der Vorwoche der offizielle Startschuss für den Bau gesetzt.

Dabei ließen die drei Geschwister Maria Wegscheider, Ewald und Christian Gruber, die den Familienbetrieb seit 2012 gemeinsam führen, den Planungsprozess des Projektes Revue passieren. Die ersten Ideen zur Übersiedlung des Betriebes aus der Winzerstraße wurden schon vor sechs Jahren gefasst. Der Grund dafür: Am alten Standort gab es für den Betrieb, der sich immer mehr zum international exportierenden Weingut entwickelte – aktuell gehen 50 Prozent der Produktion in 17 Länder –, wegen der beengten Platz- und engen Straßenverhältnisse keine Möglichkeit für eine weitere Expansion. Um einerseits den Ortskern verkehrstechnisch zu entlasten, andererseits die Arbeitsabläufe im Betrieb zu optimieren, sei der Neubau unumgänglich gewesen.

In guter Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Röschitz und Bürgermeister Christian Krottendorfer habe man dann die Suche nach potenziellen Standorten gestartet – und sich rasch für jenen in der Roggendorfer Straße entschieden. Der liege knapp außerhalb des Ortes, sei aber über die Kellergasse gut an den Ort angebunden. Angenehmer Nebeneffekt: Mit dem Projekt könne die zuletzt sehr ruhige Kellergasse („Sie ist ein einzigartiges Kulturgut des Weinviertels“) neu belebt werden. Ein Abwandern in eine andere Gemeinde sei nicht zur Diskussion gestanden: „Wir sind hier aufgewachsen, unsere Weingärten sind hier – wir wollten in Röschitz bleiben“, so „die Grubers“.

Schon 60.000 Tonnen Erdmaterial bewegt

Mittlerweile sind die ersten Bagger auf der Baustelle aufgefahren – und haben 60.000 Tonnen Erdmaterial bewegt. Und das, wie bereits berichtet, mit synthetischem Kraftstoff „HVO“ der zweiten Generation. Damit soll bis zur Übergabe der schlüsselfertigen Baugrube gemeinsam mit der Baufirma Gnant aus Wimmersdorf und Energie direct aus St. Pölten das Ziel, erste „CO₂-neutrale Baustelle Österreichs zu sein“, erreicht werden. Überprüft werden soll das übrigens durch ein Team der TU Wien.

Neben der durch den Einsatz dieses Treibstoffs erreichten CO₂-Reduktion um 80 bis 90 Prozent wird auf der Baustelle auch auf die Vermeidung von CO₂ – durch die Aufbringung des Aushub-Materials auf einer nur knapp einen Kilometer entfernt liegenden landwirtschaftlichen Fläche, wodurch dort auch gleich Erosion vermieden wird – und Kompensation gesetzt. Denn der Rest der CO₂-Emissionen soll durch Investitionen in nachhaltige Klima-Projekte wieder gut gemacht werden.

Auch Büro für sechs Mitarbeiter wird entstehen

Generell setzen die Grubers bei ihrem Projekt auf Nachhaltigkeit. Die Verarbeitung wird im acht Meter unter der Erde liegenden Keller passieren, in dem eine dauerhafte Temperatur von ca. 15 Grad herrschen wird. Energietechnisch will man dank einer PV-Anlage – und hoffentlich bald einem entsprechenden Speicher – so autark wie möglich sein. Das auf dem Gebäude gefangene Wasser soll gleich für die Bewässerung des begrünten Daches bzw. der dort angepflanzten heimischen und teilweise vom Aussterben bedrohten Pflanzen verwendet werden. Für ein angenehmes Raumklima soll der Lehmputz sorgen.

Konkret entsteht hier im Untergeschoß ein 4.000 m² großer topmoderner unterirdischer Weinkeller mit Abfüllanlage, Edelstahltank-Lager mit im Vergleich zum bisherigen Lager verdoppelter Kapazität, einem klimatisierten Holzfass-Keller und der Traubenübernahme. Und letztere kommt ohne Pumpen aus, wodurch die Übernahme für die Trauben schonender möglich wird. Im Erdgeschoß wird neben Büroräumlichkeiten für sechs Mitarbeiter und einem klimatisierten Weintresor mit konstanter Lagertemperatur der Verkostungsraum das Herzstück sein. Denn hier wollen die Grubers Kunden auch Einblicke in die Verarbeitung gewähren – und so den Einkauf gleich zu einem Erlebnis werden lassen.

Geplant wurde das Projekt von Architekt Patrick Herold vom Wiener Architekturbüro „Architects Collectiv“. Für die Inneneinrichtung hat man die Designagentur „Studio Riebenbauer“ an Bord geholt. Verwirklich werden sollen die Pläne jetzt von der Baufirma Leyrer + Graf, die ersten Kellerwände sollen Mitte Oktober stehen. Mit der Fertigstellung rechnen die Grubers für die Ernte 2023.

Aktuell bewirtschaften die Grubers 80 Hektar Weingärten nach biologischen und organischen Richtlinien und arbeiten mit 15 weiteren Kleinbauern aus der Region zusammen. Die Expansion sei auch deshalb notwendig, um diesen Partnern auch künftig die Abnahme garantieren zu können.

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