Vorzeige-Projekt: Ein Weinkeller für das Klima

Erstellt am 17. August 2022 | 05:08
Lesezeit: 4 Min
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Auf der Baustelle in der Roggendorfer Straße ist die „CO2-neutrale Energiezentrale“ bereits eingerichtet. Maria Wegscheider, Ewald und Christian Gruber starten gemeinsam mit Josef Gnant und Martin Jarmer (von links) in die „CO2-neutralste Baustelle“ des ganzen Landes.
Foto: Thomas Weikertschläger
Das Bio-Weingut Gruber baut in der Roggendorfer Straße in Röschitz einen 4.000 m² großen Weinkeller samt Verkaufsraum – und das als „CO₂-neutralste Baustelle“ des ganzen Landes.
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Das Bio-Weingut Gruber in Röschitz baut aus. Und das nicht irgendwie, sondern sehr ambitioniert. Denn gemeinsam mit dem Energielieferanten Eergie Direct aus St. Pölten und der bauausführenden Firma Gnant aus Tulln will man am Ortsrand in der Roggendorfer Straße die „CO₂-neutralste Baustelle Österreichs“ realisieren.

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Die fünf von der Baustelle: Martin Jarmer, Christian Gruber, Maria Wegscheider, Ewald Gruber und Josef Gnant.
Foto: Thomas Weikertschläger

Entstehen soll hier ein 4.000 m² großer Weinkeller plus Verkaufsraum und Büroräumlichkeiten. Der Baustart soll Mitte September erfolgen. Als Grund für den Ausbau nennen Maria Wegscheider und ihre beiden Brüder Ewald und Christian Gruber, die den Familienbetrieb seit zehn Jahren erfolgreich gemeinsam in dritter Generation führen, Platzprobleme am bisherigen Standort in der Winzerstraße. Dort wird das Gebäude, das zugleich als Wohnhaus dient, in dem die drei gemeinsam mit ihren drei weiteren Geschwistern aufgewachsen sind, zu klein. Man sei mit derzeit rund einer Million abgefüllten Flaschen Wein pro Jahr an einem Punkt und einer Größe angelangt, an der der Standort an seine Grenzen stoße. Mit dem Wechsel an den Ortsrand habe man dann nicht nur selbst mehr Platz, man schaffe mit der Verlagerung des Lkw-Verkehrs auch eine Entlastung für den Ortskern, ohne selbst den Anschluss an den Ort zu verlieren.

Erste Pläne gab es schon lange

Man habe sich schon vor fünf Jahren erste Gedanken über das Projekt gemacht, verrät Maria Wegscheider. In den vergangenen eineinhalb Jahren sei man dann an die konkrete Planung gegangen. Kernstück der neuen Anlage wird der 4.000 m² große Weinkeller sein, der gänzlich unter der Erde verschwinden wird und über den auch weitere derzeit schon freigegrabene Keller in der dahinter liegenden Kellergasse angebunden werden könnten. Dort soll die komplette Verarbeitung der Trauben erfolgen.

Ausgelegt ist der Keller von der Größe her so, dass man bei weiteren künftigen Vergrößerungen der Produktionsmengen jetzt schon genug Raum schafft: „Dadurch sparen wir uns, dass wir in ein paar Jahren gleich wieder eine Baustelle haben“, sagt Ewald Gruber. Der Zeitplan dafür ist ambitioniert: Schon die Ernte 2023 will man hier verarbeiten, verrät Christian Gruber. Schon zu sehen sein sollen hingegen der Verkaufsraum und die Büroräumlichkeiten, die bis zur Weintour 2024 fertig sein sollen.

Beim Projekt setzen die Grubers auf Nachhaltigkeit in der Gesamtplanung. So soll so wenig Fläche wie möglich versiegelt werden, auf dem Dach wird eine Begrünung angebracht werden. „Wir wollen dadurch so viel an Natur wie möglich zurückgewinnen“, sagt Ewald Gruber. Auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Verkaufsraum, der mit Lehm verputzt sein soll und für dessen Bau vor allem natürliche Materialien aus der Nähe des Standorts verwendet werden, ist geplant.

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Aktuell präsentiert sich die Baustelle als Lösswüste. Im Hintergrund sind die freigelegten Keller der Kellergasse zu sehen.
Foto: Foto Thomas Weikertschläger

Kooperation mit TU, Energie Direct und Firma Gnant

Wie man dem Anspruch, die „CO₂-neutralste Baustelle“ Österreichs zu sein, nachkommen will? Gemeinsam mit den Firmen Gnant und Energie Direct hat man proaktive Maßnahmen erarbeitet, wie die 60.000 Tonnen Erdmaterial bewegt werden können, um eine schlüsselfertige Baugrube zu schaffen. „Dabei hat das gesamte Handeln ein Credo: Vermeiden, reduzieren und kompensieren“, sagt Josef Gnant. So werde etwa CO₂-Ausstoß vermieden, indem der fruchtbare Lössboden aus der Baugrube in weniger als einem Kilometer Entfernung auf die landwirtschaftliche Fläche gebracht wird. Durch die Begradigung dieser Fläche trage der Löss wesentlich zur Vermeidung von Erosionsschäden bei und diene gleichzeitig der Verbesserung des Wasserhaushalts.

Eine weitere Maßnahme, um CO₂ zu reduzieren: Alle beteiligten Kraftfahrzeuge und Baumaschinen werden mit synthetischem Kraftstoff (HVO der 2. Generation, er wird aus Abfallprodukten, etwa Frittierfett hergestellt) angetrieben. Damit werden laut Martin Jarmer von Energie Direct im Vergleich zu fossilem Diesel 80 bis 90 Prozent CO₂ effektiv eingespart. Der Rest der nicht vermeidbaren Emissionen soll dann durch Investitionen in nachhaltige Klimaschutzprojekte kompensiert werden. Da HVO aktuell preislich weit über „normalem“ Diesel liegt (ein Liter kostet etwa 3,50 Euro) nehmen die Grubers damit einen finanziellen Nachteil in Kauf.

Aber: „Was nützt es uns, wenn wir aufs Geld alleine schauen, dabei aber unsere Umwelt ruinieren?“, sagt Wegscheider. Man wolle mit dem Projekt auch Vorbild sein und andere ebenso zu nachhaltigem Handeln animieren. Übrigens: Ob die Ziele dann auch aufgehen, wird von der Technischen Universität Wien überprüft. Die begleitet das Projekt nämlich wissenschaftlich und wird die erzielte CO₂-Reduktion durch die Verwendung von HVO im Vergleich zu fossilem Diesel genau errechnen und darstellen.

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