Pkw-Fahrt im Suff endet mit Haft. Alkolenkerin (46) gefährdete Verkehrsteilnehmer & ignorierte Polizei-Anhalteversuche. Gutachten hat Schuldfähigkeit geklärt.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 28. April 2021 (03:28)
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Der Gegenverkehr musste immer wieder ausweichen oder abbremsen: Die Schlangenlinien-Fahrt einer damals 46-Jährigen aus Retz hat im Jänner 2020 andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, die Polizei musste mehrere Versuche starten, um sie stoppen zu können. „Das Ganze tut mir aufrichtig leid“, sagte sie bei der Hauptverhandlung im Juli. Bezirksrichter Thomas Zach ließ aufgrund ihrer Erinnerungslücken ein Gutachten einholen, um ihre Zurechnungsfähigkeit zu klären.

Diese ist gegeben, wie der Sachverständige feststellte. Zum zweiten Verhandlungstag erscheint die Angeklagte mit Justizwachebeamten: Sie büßt gerade eine sechsmonatige Haft in der Justizanstalt Korneuburg wegen Betrug und Körperverletzung ab. Das Bezirksgericht Gmünd sprach im März 2020 das Urteil aus. Jetzt steht sie wegen des Vorfalls im Jänner 2020 vor Gericht, der sich auf der B 4 in der Gemeinde Rosenburg-Mold zutrug.

„Mir tut das Ganze leid und hoffe, dass Sie mir jetzt keine Strafe geben.“ Angeklagte hofft auf Milde, ihre gerichtliche Vorgeschichte führte aber zur einer weiteren Verurteilung

Polizeibeamte beobachteten, wie die Retzerin im Rauschzustand mit ihrem Auto immer wieder links abgedriftet ist. Zusammenstöße seien nur knapp und unter Einbremsung des Gegenverkehrs vermieden worden, gaben die Polizisten vor Gericht an. Zwei Anhalteversuche habe die Fahrerin missachtet. Die schließlich errichtete Polizeisperre bei Ravelsbach (Bezirk Hollabrunn) habe sie zu umgehen versucht, indem sie über eine Böschung ausweichen wollte.

„Bin ich nicht schon bestraft worden?“

Dazu kommen zwei Anklagepunkte wegen Betrugs: Nicht bezahlt habe die Frau 5,70 Euro (Jänner 2020) in einem Horner Café und 10,30 Euro (März 2020) in einem Retzer Lokal. Sie gab in der Hauptverhandlung an, von Alkohol und Tabletten abhängig zu sein, das beeinträchtigte ihr Gedächtnis. „Bin ich nicht wegen dem schon bestraft worden?“, erinnert sie sich selbst an die Hauptverhandlung nicht. Richter Zach weist auf die Gutachten-Einholung hin, zudem habe es eine Zeitverzögerung gegeben, „weil sie eine Zeit lang nicht auffindbar waren“.

„Mir tut das Ganze leid und ich hoffe, dass Sie mir jetzt keine Strafe geben“, ergänzt die Angeklagte noch. Das Urteil: sieben Monate Haft. „Die Delikte sind für mich eindeutig erwiesen“, begründet Zach. Ihm seien zwar die Gedächtnislücken spanisch vorgekommen: Die Schuldfähigkeit gilt aber als erwiesen.

Ein belastender Umstand ist das Zusammentreffen von Vorstrafen – insgesamt zwölf, davon acht wegen ähnlicher Delikte –; zudem ist die Frau kurz nach dem Urteil am Bezirksgericht Gmünd wieder straffällig geworden. Möglich wäre die Verhängung von bis zu neun Monaten Haft gewesen, mildernd wertet der Bezirksrichter das Geständnis und die Schadensgutmachung.