Bürgermeister Falk: „Stolz auf Solidarität der Garser“. Bürgermeister Martin Falk über Umgang mit Corona, bisher Erreichtes und über Projekte für 2021 und darüber hinaus.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 20. Februar 2021 (04:18)
Drei Vorhaben will Bürgermeister Martin Falk in diesem Jahr wenn schon nicht abschließen, aber doch zumindest bis zur „Fast-Vollendung“ bringen: die Multifunktionshalle bei der Mittelschule, die Kläranlage und das Feuerwehrhaus.
Rupert Kornell

Wie sehr hat Corona das Leben in der Gemeinde und das des Bürgermeisters verändert? Wie hat sich die Krise ausgewirkt? Sind die geplanten Projekte umgesetzt worden? Gibt es neue? Und was erwarten Sie sich von 2021? Diese und noch eine Reihe anderer Fragen hat die Horner NÖN dem Garser Bürgermeister Martin Falk gestellt.

NÖN: Die Ziffern 2 und 0 scheinen eine besondere Bedeutung nicht nur für Gars zu haben. 2002 die Jahrhundertflut, 2020 die Pandemie. Sind die beiden Katastrophen eigentlich vergleichbar?

Martin Falk: 2002 war auch ein Katastrophenjahr, aber da haben wir den Schaden sofort gesehen und der ist eigentlich relativ schnell dann repariert worden. Innerhalb von zwei, drei Jahren hat man nichts mehr gesehen. Jetzt ist es auch eine Katastrophe, aber den Schaden heute sieht man nicht in vollem Umfang, er betrifft mehr die Psyche. Wir werden viel Zeit zum Reparieren brauchen. Und vor allem wissen wir nicht, wie lang die Pandemie dauert. Wirtschaftlich ist das sicher nicht vergleichbar mit 2002: damals sicher großer materieller Schaden, heute doch einer, wo es um Menschenleben geht. Ich kenne in Gars schon etliche Leute, die an bzw. mit Corona gestorben sind. Damals hatten wir „nur“ einen tragischen Unfall.

Wie sehen Sie 2020 im Rückblick? Wie sehr hat Corona das Leben in der Gemeinde verändert?

Falk: Man sieht, wie schnell sich Prioritäten verschieben können. Im Vorjahr hatten wir in etwa um diese Zeit Intensivwahlkampf und dementsprechend viele Kontakte mit der Bevölkerung. Damals sind wir mit vielen Vorhaben in die Öffentlichkeit gegangen. Es gab viele Veranstaltungen und dementsprechend viele Gespräche mit den Leuten. Im März war dann alles zu Ende. Es hat sich zwar dann im Sommer gebessert, aber es war in keiner Weise vergleichbar mit den vielen Jahren zuvor.

Und wie ist es dabei Ihnen als Bürgermeister gegangen? Haben Sie diese Kontakte sehr vermisst?

Falk: Natürlich. Obwohl, zu Beginn des Lockdowns war es ja einige Zeit ganz schön, keine Termine wahrnehmen zu müssen. Aber dann war es schon eine sehr komische Sache, wenn man den persönlichen Kontakt mit den Bürgern, aber auch mit Freunden nicht pflegen kann. Das ist mir schon abgegangen.

Der Alltag eines Bürgermeisters hat sich also verändert?

Falk: Ganz massiv sogar, und da spreche ich nicht nur von den Festen und Veranstaltungen, auch von den Gratulationsbesuchen, wo man außerhalb des Protokolls mit den Menschen in sehr private Gespräche gekommen ist. Die ganzen Zoomgeschichten und Videokonferenzen schön und gut, aber sie können nicht mit dem persönlichen Gespräch verglichen werden. Außerdem sind diese Art von Konferenzen sehr anstrengend, man muss das erst einmal lernen, mit 20 Leuten verbunden zu sein. Da braucht es ein gehöriges Maß an Disziplin. Und manchmal haut halt auch die Technik nicht so hin, wie man es gerne hätte.

Hat sich Corona 2020 auf Vorhaben der Gemeinde ausgewirkt? Hat man nicht umsetzen können, was man sich vorgenommen hat?

Falk: Konkret wurde nur ein Projekt zurückgestellt, nämlich das Gemeinschaftshaus in Kotzendorf. Dafür wurde 2019 schon ein Grundsatzbeschluss gefasst. Wegen der Verschiebung hat jeder Haushalt einen Brief bekommen, dass das Vorhaben nicht gestorben ist, sondern nur zeitlich hinausgeschoben. Es wird auch noch andere Sachen geben, die wir verschieben. Aber es ist mir ganz wichtig, dass die multifunktionelle Veranstaltungshalle bei der Sportmittelschule heuer gebaut wird. Obwohl, zu Beginn der Pandemie haben wir uns schon die Frage gestellt, ob wir uns da drüber trauen. Doch wir haben uns gesagt, dass es durchgezogen wird. Wäre die Pandemie vier Monate vorher ausgebrochen, hätten wir es wohl nicht gemacht.

Die Sporthalle ist ja nicht das einzige größere Projekt, das man im Visier hatte, ich denke da an das Feuerwehrhaus oder die Burg.

Falk: Richtig. Was an Großprojekten für die nächsten vier, fünf Jahre ansteht wie etwa die Kläranlage oder Feuerwehrhaus, verlieren wir natürlich nicht aus den Augen. Den Straßenbau haben wir angesichts der Finanzlage schon zurückfahren müssen. Insgesamt gesehen wird nichts gestrichen, sondern nur zeitverzögert durchgeführt.

Zu den Projekten gehört ja auch der Ausbau auf der Burg, wo die Gemeinde als hundertprozentiger Eigentümer der Gesellschaft etwas zuschießen muss.

Falk: Es wurde ja schon im Vorjahr begonnen, nahe dem Eingangsbereich unter der Tribüne den Ausbau mit Shop und Kassa voranzutreiben. Das wird jetzt gesplittet. Heuer wird weiter gearbeitet, 2022 abgeschlossen.

Aber ob „Carmen“ gespielt wird, ob weitere Veranstaltungen durchgeführt werden, damit hat die Gemeinde nichts zu tun …

Falk: Nein, das ist nicht unsere Sache. Über die Oper wird Ende März entschieden. Für die Zusatzveranstaltungen wie etwa die Auftritte von Alex Kristan, Gery Seidl oder Pizzera & Jaus habe ich gesehen, dass der Vorverkauf schon sehr gut läuft.

Viele der Vorhaben in der Gemeinde hängen natürlich auch von den Geldmitteln ab, die als Ertragsanteile vom Bund oder als Kommunalsteuer von den Betrieben kommen. Wie schätzen sie die Situation diesbezüglich ein?

Falk: Anscheinend bekommen wir ja jetzt vom Bund zusätzlich Geld, nur ist es dafür zu früh, eine Aussage zu treffen. Das wird frühestens im Mai der Fall sein. Mit einem Nachtragsbudget ist vielleicht das eine oder andere Straßenbauprojekt dann doch noch möglich. Von den Betrieben her sind wir in Gars recht gut aufgestellt, haben noch keine Konkurse. Man sieht aber schon, dass sich diesbezüglich die Kurzarbeit auswirken wird, wie weit die Kommunalsteuer 2020 eingebrochen ist und wie die weitere Entwicklung ausschaut. Somit gibt es weniger Einnahmen, gleichzeitig aber auch mehr Ausgaben im Gesundheits- und Sozialwesen.

Ein Schwerpunkt 2020 war ja der Ausbau der Wanderwege in und rund um Gars. Gibt es ähnliches bei Radwegen?

Falk: Das ist zur Zeit nicht geplant, außer bei möglichen Radwegen im Ort. Der Wunsch nach solchen ist ja, wie die Mobilitätsumfrage gezeigt hat, vorhanden. Da wird es demnächst eine Grobplanung geben. Als Bürgermeister bekommt man ja meist nur Rückmeldungen, wenn etwas nicht funktioniert, aber bei den Wanderwegen habe ich sehr, sehr viel positives Feedback bekommen.

Gars ist ja bekannt für den Tourismus, besonders für den Gesundheitstourismus. Wird man auf dieser Schiene bleiben?

Falk: Ja selbstverständlich. Die vielen Radler, die im Sommer und Herbst gekommen sind, haben das ja bewiesen, dass wir richtig liegen. Und die über dem Schnitt liegende Zahl an Gästen, die hier Urlaub machen und unser Tourismusangebot mit Begeisterung nutzen, bestärken uns, da weiterzumachen. Mit der „Reha 2“ haben wir ja ein weiteres Mosaiksteinchen im Gesundheitstourismus. Und vielleicht gelingt es auch noch, zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen. Ein zweites Drei-Stern- Hotel könnte Gars ganz gut vertragen.

Können Sie trotz aller Probleme aus dem Jahr 2020 etwas Positives mitnehmen?

Falk: Ja, unbedingt. Am Beginn des Lockdowns die Solidarität der Menschen, die gegenseitige Unterstützung, das Aushelfen etwa beim Einkaufen. Und die Arbeit der vielen Freiwilligen sei es bei der Feuerwehr, beim Roten Kreuz, bei den Vereinen. Ohne sie wäre auch gerade jetzt die Einrichtung von Teststraßen nicht möglich gewesen. In diese Gruppe schließe ich auch die Mitarbeiter der Marktgemeinde ein, die sich immer wieder gern zur Verfügung stellen. Ich bin stolz, dass so viele in der Not zusammenstehen und für andere da sind. Das ist für mich das große Positivum in diesem Jahr.

Was erwarten Sie sich, was erhoffen Sie von 2021?

Falk: Ein baldiges Ende der Pandemie, dass alle geimpft sind und gesund bleiben, wirtschaftlichen Erfolg – und dass wir alle miteinander wieder Veranstaltungen besuchen und persönlich Kontakte pflegen können.