Corona: Schwierige Situation für psychisch Erkrankte. Sylvia Etzenberger aus Schweinburg macht auf Situation psychisch erkrankter Personen in Pandemie aufmerksam.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 22. Januar 2021 (04:47)
CDC-Alissa Eckert, Dan Higgins

„Wir werden im Stich gelassen. Niemand denkt während dieser Pandemie daran, dass auch psychisch kranke Personen unter der Situation leiden. Wir werden als Gruppe vernachlässigt“ – mit diesen Worten wandte sich die Schweinburgerin Sylvia Etzenberger an die NÖN. Sie leide an schweren psychischen Problemen – unter anderen an einer von einem Facharzt bestätigten Kontaminationsangst (Anm.: Ansteckungsphobie), dazu leidet sie an einer chronischen Lungenerkrankung.

„Niemand kann sich vorstellen, wie schwer es ist, mit so einer psychischen Störung zu leben“, erzählt sie. Seien die derzeit geltenden Maßnahmen schon für gesunde Personen kaum hinzunehmen, so seien sie für psychisch erkrankte Personen kaum aushaltbar. Erschwerend hinzu kommt: Ihr Mann ist Diabetiker, ihre Tochter behindert. „Außer zum Einkaufen beim Nahversorger in Japons haben wir seit fast einem Jahr das Haus nicht mehr verlassen“, erzählt sie. Da es vielen Menschen mit psychischen Problemen nicht leicht falle, sich in der Öffentlichkeit für ihre Anliegen einzusetzen, wolle sie jetzt vorangehen und auf das Problem aufmerksam machen.

Jetzt höre man laufend von der Corona-Impfung, das gebe ihr Hoffnung. Sie warte sehnsüchtig darauf, sich impfen zu lassen, aber: „Es wird immer nur von der Risikogruppe der über 80-Jährigen gesprochen. Aber es gibt auch andere Risikogruppen, davon spricht niemand, sagt sie. Sie liege ihrer Hausärztin Bettina Brtna bereits laufend mit der Frage nach der Impfung in den Ohren: „Sie ist wirklich bemüht, mir zu helfen. Aber die Situation der Ungewissheit ist auch für die Ärzte nicht leicht“, sagt Etzenberger.

Wie Brtna gegenüber der NÖN meinte, sei es aber verständlich, dass Patienten sich mehrere Male an ihren betreuenden Hausarzt wenden, in der Hoffnung, dass diese vorab Informationen erhalten und bereits wissen, wie es weiter geht. Aber: „Leider erfahren wir meist gleichzeitig über öffentliche Medien von den nächsten Schritten der Regierung bzw. des Landes“, sagt sie. Ein Zustand, der den Hausärzten sehr missfalle und bei den Patienten schnell einen Eindruck der „hausärztlichen Inkompetenz“ hinterlasse, da die Ärzte die Patienten stets mit einem „ich weiß leider auch noch nicht mehr“ vertrösten müssen.

Das Angebot der Ärzte an die Patienten sei daher, alle Anfragen bzw. Anmeldungen zu dokumentieren und sobald weitere Informationen seitens der Regierung bzw. des Landes kommen, dementsprechend abzuarbeiten. „Wir arbeiten eng mit den Gemeinden zusammen, um im Falle alle unsere Patienten rechtzeitig zu informieren“, sagt Brtna.

Etzenberger: „Möchte noch ein wenig leben“

Seitens des Landes verweist Anton Heinzl, Pressesprecher von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, auf die Website www.impfung.at. Dort kann man sich seit Montag für die Corona-Impfung registrieren. Man findet auch den Plan zur Impfstrategie des Landes. Auch wenn man sich seit diesem Montag für die Impfung vormerken lassen könne, könne ihr niemand sagen, wann sie endlich drankomme, sagt Etzenberger. Das sei laut Heinzl deshalb der Fall, weil man über den Zeitpunkt, wann gewisse Gruppen geimpft werden, derzeit noch nicht seriös Auskunft geben könne, denn: „Das hängt stark davon ab, welche Menge an Impfstoff zu welchem Zeitpunkt zur Verfügung steht.“

Zunächst werden in der KW 6 und 7 Menschen aus der Risikogruppe der über 80-Jährigen geimpft, danach je nach Verfügbarkeit von Impfstoff die weiteren Risikogruppen. „Wenn Impfstoff da ist, dann wird er natürlich sofort verimpft“, sagt Heinzl. Die Ärzte wurden auch in den vergangenen Tagen über die schon bekannten Details informiert. Denn die Impfungen sollen flächendeckend dezentral über die Hausärzte und Fachärzte, die sich beteiligen wollen, abgewickelt werden, sagt Heinzl. Impfstraßen soll es nur in bevölkerungsstarken Gebieten geben, wo dies notwendig sei.

Dass diese Info bei den Hausärzten eingelangt ist, bestätigt auch Brtna. „Wir wissen jetzt, dass sich alle Niederösterreicher auf dieser Website voranmelden sollen. Auf dieser Webseite erhält man auch weitere Informationen zum Ablauf und zum Impfstoff selbst“, erklärt die Ärztin.

Etzenberger hofft, dass sie nun rasch an der Reihe ist. „Ich und viele andere Betroffene sehnen uns nach der Impfung wie ein Dürstender nach der rettenden Wasserflasche“, sagt sie, und hängt an: „Ich bin jetzt 56 Jahre alt. Ich möchte auch noch ein wenig leben.“