Windpark in Sigmundsherberg vor dem Neustart

Erstellt am 23. Juni 2021 | 05:10
Lesezeit: 4 Min
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Die Standorte der sechs geplanten Windräder.
Foto: zVg
Gemeinderat-Mehrheit stimmt für den Plan der Simonsfeld AG. Jetzt steht die UVP bevor.
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Das Windpark-Projekt steht vor einem Neustart: Die Windkraft Simonsfeld AG reicht das Vorhaben neu ein und damit wird das Umweltverträglichkeitsverfahren (UVP) in Gang gesetzt. Der Gemeinderat stimmte dem zu, zumindest die ÖVP-Mehrheit. Die sechs SPÖ-Mandatare sprachen sich im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung dagegen aus.

Die SPÖ hat jene Anlage (SI-6) im Auge, die an Walkenstein und Kainreith grenzt: Diese stehe zu nah am Siedlungsgebiet. „Die Anlagen sollen wesentlich höher werden als ursprünglich geplant“, erklärt Fraktionschef Gerhard Zauner, dass das grundsätzlich in Ordnung sei. Aber der Abstand zum nächstgelegenen Haus müsse sich auf 1.900 bis 2.000 (statt 1.400) Meter vergrößern.

„Logisch wird jetzt wieder eine Diskussion entfacht, die Gegnerschaft wird massiv aufstehen.“ Bürgermeister Franz Göd

Dem SPÖ-Vorschlag habe sich die ÖVP nicht angeschlossen, deshalb habe man sich zu den Gegenstimmen entschlossen. Dass die Gemeinde von dem Projekt profitiert, ist für Zauner ein „schwaches Argument“. Denn: „Kaufen sollte man sich nicht lassen, auch wenn es für die Gemeinde ist.“ Er betont: „Wir wollen nicht gegen erneuerbare Energien sein, aber man muss schon auf die Bedürfnisse der Menschen Rücksicht nehmen.“ Ihm ist allerdings nach dem Gemeinderatsbeschluss klar: „Die Windräder kommen.“

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Gerhard Zauner findet, dass die hohen Windräder zu nah an Orten sind.
Foto: privat

Bürgermeister Franz Göd (ÖVP) kann die Bedenken nicht nachvollziehen: „Wenn wir’s auf 2.000 Meter ausweiten, sind wir aus dem gewidmeten Gebiet raus.“ Eine Änderung würde zudem die Folge haben, dass „ein Windrad dem anderen den Wind wegnimmt“, ergänzt er. „Die Standorte sind nicht willkürlich gewählt, sondern berechnet worden.“ Simonsfeld-Projektleiter Jonathan Bendel betont: „Zum Wohngebiet halten wir deutlich mehr Abstand als vorgeschrieben.“ 1.200 Meter schreibe das Gesetz vor.

Göd findet, dass man fair sein müsse: Man könne nicht einen größeren Abstand für die eine Ortschaft einfordern und für die andere nicht. Die Anlage SI-3 ist 1.380 Meter von Posselsdorf (Gemeinde Pernegg) entfernt – und damit der Ortschaft näher. Zauner weist darauf hin, dass er nicht für Bewohner einer anderen Gemeinde sprechen könne: „Das müssen die Betroffenen für sich selbst entscheiden.“

Bürgerbefragung 2014 als Anfangspunkt

Die Vorgeschichte reicht bis ins Jahr 2014 zurück, 57 Prozent der Bürger haben sich an der Urne für den Windpark entschieden. Die Flächen sind seit 2015 für die Windkraftnutzung umgewidmet. 2019 geriet Produzent Senvion in wirtschaftliche Schwierigkeiten: Die für Sigmundsherberg geplanten Anlagentypen am Markt waren nicht mehr vorhanden .

Die Simonsfeld AG hat das Projekt mit neuen Anlagen komplett umgeplant, es steht nun kurz vor der Einreichung. Die AG hat den Vertrag mit der Marktgemeinde angepasst: Im alten Vertrag war die Höhe vom Fundament bis zur Rotorspitze mit 200 Meter angegeben, jetzt sind’s 250 Meter.

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Franz Göd: „Die Standorte sind nicht willkürlich gewählt.“
Foto: privat

Der Ertrag werde dadurch deutlich steigern, das wirke sich aufs Gemeindebudget aus. „Auch das haben wir mit der Windkraft Simonsfeld vertraglich vereinbart“, erklärt Göd. Der Gemeinderat arbeite an Ideen, wie die Bevölkerung über ökologische und soziale Projekte davon profitieren soll. Göd rechnet durchaus mit Widerstand: „Logisch wird jetzt wieder eine Diskussion entfacht, die Gegnerschaft wird massiv aufstehen.“ Er weist aber darauf hin, dass das Klima, die Ökologie und Umwelt gleichermaßen in Debatten Eingang findet: „Ich glaube, man darf nicht nur reden, sondern man muss auch mal ein Zeichen setzen.“

Die nächsten Schritte werden auf der Umweltverträglichkeitsprüfung fußen: „Kommt nach dem Verfahren ein Ja raus, dass wir die Windräder errichten dürfen, dann werden wir das natürlich tun. Kommt ein Nein, dann nicht. Das liegt in der Entscheidung der Experten.“

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