Altbauer begrapschte 16-jährige Praktikantin. Richterin glaubte dem Opfer und verurteilte den leugnenden Rentner aus dem Waldviertel wegen sexueller Belästigung zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 08. März 2021 (15:39)
Symbolbild
charnsitr, Shutterstock.com

„Nicht schuldig“, erklärte ein 72-Jähriger vor Gericht zu dem Missbrauchsvorwurf. Der Altbauer aus dem Bezirk Horn leugnete, die 16-jährige Praktikantin am Hof des Sohnes unsittlich berührt zu haben. „Ich bin Hochrisikopatient und würde wegen Corona keine fremde Frau berühren oder küssen. Ich habe nix mit ihr zu tun gehabt. Sie half beim Kochen oder beim Melken. Ich habe nur einige Male mit ihr geplaudert. Versuchte, sie aufzumuntern, weil ihr die Arbeit keine Freude gemacht hat und sie aufhören wollte.“ Er habe den Kurzurlaub des Sohnes und der Schwiegertochter nicht dafür ausgenutzt, der Praktikantin an die Wäsche zu gehen, beteuerte er. Es sei auch immer ein Arbeiter am Hof anwesend gewesen und es hätten auch jederzeit Milchkunden kommen können, führte er aus.

Ans Tageslicht sind die mutmaßlichen Übergriffe gekommen, weil sich die 16-Jährige ihrem Freund und dessen Familie anvertraut hat. Der Teenager blieb bei der kontradiktorischen Vernehmung bei den belastenden Angaben, dass ihr der Altbauer an den Busen gelangt, ihr zwischen die Beine gegriffen und sie geküsst habe.

Entgegen den Bemühungen der Verteidigerin, an der Glaubwürdigkeit der 16-Jährigen zu kratzen, glaubte die Richterin dem Opfer und hatte letztlich keine Zweifel an den Übergriffen. Sie verurteilte den bislang unbescholtenen Pensionisten wegen sexueller Belästigung zu einer unbedingten Geldstrafe von 1.500 Euro. Weiters muss der Altbauer dem Opfer für das erlittene Unbill 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.