Christophorus-Siedlung: Wie alles begann. „Christophorus“ wird seit zehn Jahren erschlossen, die letzte Zone wird nun an Häuslbauer vergeben.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 10. April 2021 (04:58)
Bürgermeister Franz Göd und Gemeinderätin Natascha Mang sind dort, wo die ersten Häuser der Christophorus-Siedlung entstanden. Das letzte Teilstück wird jetzt für Häuslbauer freigegeben.
Karin Widhalm, Karin Widhalm

2010 setzte man den Spatenstich für die Erschließung eines landwirtschaftlichen Gebietes, das zur Christophorus-Siedlung werden sollte. Die Marktgemeinde traf Abschnitt für Abschnitt Einigungen mit Grundstücksbesitzern, parzellierte, verlegte die Infrastruktur und bereitete damit den Weg für den Zuzug in Einfamilien- und Reihenhäuser. Und jetzt, zehn Jahre später, liegt der Teilungsplan für den letzten Abschnitt der Siedlung vor.

„Bürgermeister, das müssen wir schaffen“. Franz Göd hatte schon als Vizebürgermeister vor Augen, dass die Gemeinde den „weißen Fleck“ – zentral zwischen Pfarrkirche und Volksschule gelegen – erschließen könne. „Bürgermeister, das müssen wir schaffen“, habe er damals zu Josef Waldher, der bis 2005 sein Amt innehatte, gesagt. Nicht immer gestalten sich Verhandlungen mit Grundbesitzern leicht: „Aber ich habe immer auf Augenhöhe verhandelt, das geht nur miteinander“, betont Göd.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon einmal so einen Boom hatten.“ Franz Göd über die „Stadtflucht“ aufs Land

Vier von acht Bauplätzen sind reserviert. Der Zufall spielt manchmal mit, wenn kein Nachfolger den Hof übernehmen möchte und die Äcker verkauft werden; und manchmal bleibt eine Fläche eben eine landwirtschaftlich genutzte. Die Christophorus-Siedlung erwuchs schließlich auf einer Fläche von 5,78 Hektar. Acht Bauplätze, zwischen 970 und 1.100 Quadratmeter sind im letzten Abschnitt vorgesehen: „Davon sind vier schon reserviert“, freut sich Bürgermeister Göd über die nicht abebbende Nachfrage.

Reihenhäuser-Bau: Start im Herbst. Die Waldviertler Siedlungsgenossenschaft erhielt die Option für einen Grundstücksankauf, auf dem vier Doppelhäuser entstehen sollen. Der Einreichplan steht, der Gestaltungsbeirat des Landes NÖ muss noch grünes Licht geben. „Wir rechnen damit, dass heuer im Herbst mit dem Bau begonnen wird.“ Die Leitungen für Wasser und Kanal sind bereits verlegt.

Wie geht Siedlungsreise weiter? Das heiße nicht, dass die Reise zu Ende sei: Der Bürgermeister hat schon mehrere Gebiete geortet, wohin sich möglicherweise Sigmundsherberg siedlungstechnisch ausbreiten könnte. Und: „Wir haben als Gemeinde landwirtschaftliche Flächen angekauft, damit wir mit den Grundbesitzen tauschen können. Es ist gut, wenn man einen Joker in der Hinterhand hat.“ Göd habe Verständnis dafür, dass Bauern nach adäquatem Ersatz suchen, wenn sie Ackerland verlieren.

Boom: Immer mehr ziehen aufs Land. „Ich bin jetzt schon a Randl im Gemeinderat, 25 Jahre“, lächelt Göd. „Aber ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon einmal so einen Boom hatten.“ Der letzte Schub sei verzeichnet worden, als die Franz Josefs-Bahn nach Sigmundsherberg (der Bahnhof entstand in den 1860er-Jahren) kam. „Wir haben kaum leer stehende Häuser“, kehrt der Bürgermeister in die Gegenwart zurück.

Corona habe das angekurbelt, weil die Lockdowns die Sehnsucht nach grünen Freiräumen erhöht habe. Göd ist überzeugt: Eine Stadtflucht setze ein, man wolle raus aus Wohnungen. Gemeinderätin Natascha Mang denkt an einen Zuzug aus Horn in ihre Ortschaft Kainreith: „Sogar die Kleinstädter wollen aufs Land.“ Die Gemeinde könne in jeder Katastralgemeinde Baugründe anbieten.

Was macht Sigmundsherberg interessant? Die 1.600 Einwohner-Gemeinde kann mit der zuletzt gebauten Tagesstätte eine Kinderbetreuung von null Jahre bis Volksschulalter vorweisen und arbeitet als familienfreundliche Gemeinde laufend an Verbesserungen für jede Generation.

„Die Eisenbahn-Anbindung ist für uns notwendig, wir haben Arzt mit Haus-Apotheke, Nahversorger, Bank, Friseur, Bücherei und die Gemeinde ist Post-Partner“, zählt er auf. Das Freibad werde oft als Zuzug-Reiz genannt, weil Kinder ihre Freizeit dort verbringen können: Ein Service, der sich für die Gemeinde nie bezahlt macht, aber offenbar eine Facette ist, hier her zu ziehen.