Sigmundsherberg

Erstellt am 28. November 2018, 06:05

von Thomas Weikertschläger

Neue Diskussion um Windpark. Macht ausgerechnet der Klimawandel das Wald-Argument gegen den Windpark zunichte?

Markus Phillip, Stiftsförster in Geras und Michael Nagl, Projektentwickler für die Windkraft Simonsfeld, beim Lokalaugenschein am geplanten Windpark-Standort bei Kainreith.  |  privat

Seit vier Jahren entwickelt die „Windkraft Simonsfeld“ einen Windpark in der Marktgemeinde Sigmundsherberg – und mindestens genau so lange dauert die Diskussion über die Umsetzung des Projektes. Und diese Diskussion erhält nun neuen Nährstoff. Entstehen sollen die sechs Anlagen nämlich in einem Wirtschaftswald des Stiftes Geras in den Katastralgemeinden Kainreith und Walkenstein, der aufgrund des Borkenkäfer-Befalls stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Sagt jedenfalls die Windkraft Simonsfeld. Der Klimawandel habe hier neue Fakten geschaffen: die frostarmen Winter und die heißen, trockenen Sommer der vergangenen Jahre seien ideal für den Borkenkäfer – und existenzbedrohend für die Fichtenwälder.

Markus Philip, Förster im Stift Geras, meint, dass man bereits 100 Hektar Wald roden musste, bis Ende April müsse man weitere 200 bis 300 Hektar roden. Was aus forstwirtschaftlicher Sicht eine Katastrophe sei, nehme den Windkraftgegnern ein wichtiges Argument – jenes, dass durch die Errichtung der Windanlagen schützenswerter Wald zerstört werde. So sei an drei von sechs Standorten für die geplanten Windkraftwerke der Wald fast zur Gänze gerodet. „An den anderen drei Standorten haben die Fichtenkulturen massive Schäden, wurden zum Teil bereits geschlägert oder werden demnächst gefällt“, so Philip, der weiter meint: „Vor vier Jahren haben wir noch darüber diskutiert, wie viele Bäume wir pro Windkraftwerk entnehmen müssten. Jetzt hat uns der Klimawandel die Entscheidung abgenommen: Für die Windräder werden wir keine Wälder roden, weil es an den in Frage kommenden Standorten kaum noch Bäume zu fällen gibt.“

Bürgermeister Franz Göd (ÖVP), der das Projekt immer befürwortet hat, sieht sich im Klimawandel bestätigt: „Wir haben den Windpark von Anfang an als unseren Beitrag gegen den Klimawandel unterstützt.“ Vor der Volksbefragung zum Thema vor vier Jahren sei das Argument „Wald“ ein viel diskutiertes gewesen, es sei „traurig, dass uns der Klimawandel schneller als erwartet mit voller Wucht erreicht hat.“ Aus dem „Windpark im Wald“ habe der Klimawandel einen „Windpark ohne Wald“ gemacht hat.

Windpark-Gegner lassen Argumente nicht gelten

Nicht gelten lassen will dieses Argument Franz Radaschütz von der Bürgerliste Sigmundsherberg. Weitere Schlägerungen des ohnehin stark angeschlagenen Waldes seien abzulehnen, die Drainagierungen durch lange Kabeltrassen beschleunigten eine Austrocknung des Waldbodens und damit weitere Schäden. Die Verdichtung des Bodens zur Herstellung von geeigneten Zufahrtswegen für Schwertransporte und der Stellflächen sei ein weiteres Kriterium. Es sei „grob verantwortungslos, Wälder, die einen wertvollen Lebens- und Erholungsraum für Mensch und Tier darstellen, für kurzfristige finanzielle Erträge zu opfern“, so Radaschütz.

Die Bürgerliste habe sich daher entschlossen, eine Bürgerinitiative zu gründen, um Parteistellung im UVP Verfahren zu erlangen. Die gesetzlich geforderten 200 Unterschriften habe man rasch erreicht, er habe bereits 540 Unterschriften in St. Pölten abgegeben. Außerdem haben vier Umweltorganisationen (Naturschutzbund, Protect Nature, Alliance for Nature, Forschungsgemeinschaft Wilheminenberg) negative Stellungnahmen abgegeben. Er sei gewillt, die Errichtung des Windparks bis zur letzten Einspruchsmöglichkeit hinaus zu zögern und bis zum Bundesverwaltungsgericht oder sogar Europäischen Gerichtshof zu gehen.

Auch Barbara Krobath von der IG Waldviertel, einer windkraftkritischen Plattform, widerspricht den Argumenten der Windpark-Befürworter heftig. Der Wechsel von Fichten zu natürlichem Bestand an Mischwald biete eine Zukunft für den ökologischen Wald. Außerdem stimme es nicht, dass das gesamte Projektgebiet wegen Borkenkäferbefalls gefällt werden müsse, so befinde sich etwa ein Projektstandort in einem Waldgebiet mit einem Bestand an teils 100-jährigen Stieleichen. Und bodensaure Eichenwälder hätten besonders hohen naturschutzfachlichen Wert.

Aktuell wird über das Projekt im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) entschieden, die Unterlagen lagen bis 22. November am Gemeindeamt auf. Die Entscheidung der Behörden in erster Instanz wird im Frühjahr 2019 erwartet.

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