Geldschein: Not macht erfinderisch. Das Krahuletz-Museum gibt Einblick in die große Variation an Notgeldscheinen der Zwischenkriegszeit.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 05. Mai 2019 (04:44)
Karin Widhalm
Eröffneten die Sonderausstellung „Not/Geld: Notgeld in den Anfangsjahren der Ersten Republik“ (v. l.): Bürgermeister Georg Gilli, Museumsleiter Johannes M. Tuzar, Kustodin Susanne Stökl, Landesrat Ludwig Schleritzko und Obmann Gerhard Dafert.

Jeder Österreicher erhielt 1914 für eine Krone eine warme Mahlzeit mit Getränk, 1923 dann nur mehr ein Glas Wasser. Das Krahuletz-Museum erinnert mit einer Sonderausstellung an die Hyperinflation der Zeit, in der mit einer kreativen, wenn auch streng geregelten Lösung reagiert wurde: Notgeld.

„Die Wirtschaft lag darnieder“, schildert Johannes M. Tuzar die Situation des geschrumpften Landes bei der Eröffnung am Samstag. Dass Österreich nach dem Ersten Weltkrieg Nobelpreisträger und eine pulsierende Filmbranche hatte, brachte kaum etwas. „Das Potenzial war da, aber man traute sich nicht, das, was vorhanden ist, zu vermarkten.“

Hype um Notgeld, der bald wieder einbrach

Das Material für die Geldproduktion ging aus. Das kannte man aus der Vergangenheit, schon früher wurden weniger Silber oder Legierungen aus verschiedenen Metallen verwendet. Der Staat erlaubte in der Zwischenkriegszeit Landtagen, Gemeinden, Parteien, Versicherungen und Gewerbetreibenden, Geldscheine auf Papier zu drucken. „Das war innerhalb von wenigen Wochen da“, erzählt Claude Daburon, Experte für Münzen und Geld.

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Probedruck mit dem Finanzlandesrat.

Ein regelrechter Hype entstand: Man erkannte den identitätsstiftenden Effekt. Eggenburg ließ die Stadtmauer auf Scheinen kursieren, während das Notgeld des Stadttheaters alle Schauspieler abbildete. Der großen Vielfalt folgte eine enorme Sammelleidenschaft: Das spülte Geld in die Kassen, der Kleinhandel florierte. Manche Gemeinden hatten bis zu 80 Serien ausgegeben, bis das Ganze überhand nahm. Der Staat erteilte schließlich ein Verbot der Ausgabe des Sammelgeldes.

Das Interesse ist eingebrochen – bis heute. Obmann Gerhard Dafert ist sich dessen bewusst, will aber mit dem Museumsteam eine der größten Notgeld-Sammlungen nicht verstecken. Finanzlandesrat Ludwig Schleritzko fand die Ausführungen jedenfalls höchst interessant. „Keine Angst: Das hat mich nicht auf blöde Ideen gebracht“, sagte er lachend. Dem Probedruck eines Notgeldscheins konnte er trotzdem nicht widerstehen.