Bezirk Horn: „Stimmung im Handel angespannt“. Betriebe im Bezirk Horn sind auf Lockdown gut vorbereitet, Zeitpunkt wird aber kritisch gesehen.

Von Georgia Kazantzidu und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 18. November 2020 (06:04)
Auch die soogut-Verkaufsstelle Horn bleibt während des Lockdowns geöffnet, informiert Veronika Stock (kleines Bild). Fotos: Dieter Schewig, Archiv
Dieter Schewig, Archiv

Der zweite Lockdown trifft die Betriebe im Bezirk Horn erneut hart. Wie die Betriebe damit umgehen und was die größten Herausforderungen sind, hat die NÖN erhoben.

„Stimmung sehr angespannt“

Wirtschaftskammer-Obmann Werner Groiß meint in seiner Einschätzung der Situation, dass er die Stimmung in den Betrieben des Bezirks als „sehr angespannt“ sehe. Der Versuch, Produkte im letzten Moment an dem Mann zu bringen ist mit vielen Aktionen sichtbar – auch wenn es sich dabei um geringere Deckungsbeiträge handelt.

Dass Unterstützungen seitens der Regierung angekündigt wurden, sei positiv, wobei man nicht wisse, wie hoch diese sein werden. „In der Gastronomie funktioniert die Unterstützung aber sehr gut und unbürokratisch. Die Finanzbearbeitung ist binnen drei bis vier Tagen erfolgt“, meint Groiß.

Mit der Auszahlung könnten die Betriebe schon nächste Woche rechnen. Über das Schema der Umsatzersatzleistungen sollen nun auch Friseure, Masseure, Tätowierer, sonstige persönliche Dienstleister sowie der gesamte Handel abgewickelt werden. „Die direkt Betroffenen wie Gastronomie, Handel, Personaldienstleister werden für diesen Lockdown vernünftig unterstützt“, fasst Groiß zusammen.

„Aktionen verrückt“

Kritik an den von Groiß beschriebenen Aktionen kurz vor dem Lockdown kommt von Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Robert Fischer. Er hätte sich gewünscht, dass seitens der Regierung solche Aktionen, bei denen unter den aktuellen Umständen viele Menschen in Einkaufszentren und Supermärkte gelockt wurden, untersagt worden wären.

„Die Bundesregierung muss doch die Werbungen auch gehört haben. Warum verhindert man es nicht, dass Geschäfte mit solchen Aktionen locken. Wen wundert es da, dass es zu Menschenansammlungen kommt, die wir gerade jetzt nicht brauchen?“, sagt Fischer. Dass man solche „Aktionen, die verrückt“ seien, während des sanften Lockdowns ermöglicht, sei zu hinterfragen.

Nur Fixkostenzuschuss für Zulieferer

Aus Sicht von Groiß ist die Situation derzeit auch für indirekt Betroffene wie Zulieferer, die nicht in diesem Ausmaß unterstützt werden und die genauso Ausfälle haben, problematisch. Als Beispiel nannte er etwa Fleischhauer, die zwar den Großhandel, aber nicht die Gastronomie beliefern können. „Die haben wesentlich weniger Unterstützung“, sagt Groiß.

Auch andere Betriebe wie IT-Dienstleister oder Immobilientreuhänder, die einen Umsatzrückgang haben, könnten ihrer Tätigkeit nur sehr eingeschränkt nachgehen. Und die bekommen keine Umsatzausfallzuschüsse, sondern nur einen Fixkostenzuschuss, bei dem noch keine Klarheit über die langfristige Abwicklung herrscht und sind daher stark betroffen, sagt Groiß.

Schlag für Weihnachtsgeschäft

Der Lockdown wird sich natürlich auch auf das Weihnachtsgeschäft auswirken, in dem viele Kunden auf das Internet ausweichen werden. Dabei werden diejenigen Unternehmen, die einen Onlineshop anbieten, das Geschäft machen, „aber der regionale Handel könnte dabei unter die Räder kommen“, so Groiß.

Durch Onlineeinkauf würden vorwiegend internationale Konzerne gefördert.

Bücherstube: „Online funktioniert.“

Da es nichts bringe, sich ins „Jammertal“ zu begeben, gehe man in der Bücherstube in Horn Lockdown 2 mit Zuversicht an, meint Alexander Kornell.

Alexander Kornell: „Stammkunden halten die Treue.“
RK

Schon beim Lockdown im Frühjahr habe sich gezeigt, dass die Stammkunden dem Geschäft die Treue gehalten haben. „Außerdem haben wir da viele Neukunden gewonnen, die unser Service jetzt sehr schätzen“, erzählt Kornell, dass die Online-Abwicklung sehr gut funktioniere.

Zusätzlich wird man während des neuerlichen Lockdowns vormittags auch telefonisch Bestellungen entgegennehmen. Ausgeliefert wird per Post, im Raum Horn auch von den Mitarbeitern selbst.

Falscher Zeitpunkt?

Für den Handel wäre es besser gewesen, wenn der Lockdown schon von Mitte Oktober bis Mitte November durchgezogen worden wäre, meint Alexander Ziegelwanger, der in Horn einen Elektro-Handel betreibt. „Aber Mitte November läuft gerade das Weihnachtsgeschäft an, da schneidet man uns schon sehr ins Geschäft“, meint er.

Er hoffe, dass die Zeit bis zum 7. Dezember – falls es dann wieder losgehen kann – mit Lieferservice überbrückt werden könne. Dass das Weihnachtsgeschäft danach komplett aufgeholt werden kann, glaubt er aber nicht: „Auch wenn die Kundennachfrage da ist, es ist eine Personalfrage. Ein Mitarbeiter kann ja nicht drei Kunden gleichzeitig bedienen“, meint er.

In der Bücherstube hätten viele Kunden ihren Weihnachtseinkauf schon hinter sich, erzählt Kornell. „Am Samstag hatten wir erstmals die Situation, dass wir überfüllt waren“, berichtet er von einem regelrechten Ansturm.

Lieferservice Ja, Abholservice Nein

Weitere Einschränkung für den Handel im Vergleich zu Lockdown 1: Damals war es möglich, den Kunden Abholservice anzubieten. „Das geht jetzt nicht mehr. Gerade bei kleineren Produkten hat sich das aber bewährt“, sagt Ziegelwanger.

Alexander Ziegelwanger: „Für Handel falscher Zeitpunkt.“
privat

Jetzt werde man eben das hausinterne Lieferservice noch weiter forcieren, um auch weiter Kundenwünsche bestmöglich berücksichtigen zu können. Generell sei jetzt auch Kreativität im Handel gefragt. Für den Handel sieht er das Corona-Problem mit dem aktuellen Lockdown aber noch nicht ausgestanden: „Ich fürchte, dass es im Frühjahr zu einem weiteren Lockdown kommen wird.“

Auch soogut-Verkaufsstelle hat offen

Trotz aktueller Lockdown-Maßnahmen geöffnet bleibt auch die soogut-Verkaufsstelle in der Horner Thurnhofgasse.

Klar sei, dass auch hier die Covid-19-Schutzmaßnahmen wie verpflichtende Bedeckung von Mund und Nase, Handdesinfektion und beschränkte Anzahl von Kunden eingehalten werden, erzählt Veronika Stock vom Verein „willkommen.Mensch in Horn“.

Einkaufsberechtigte Personen - übrigens auch Schüler und Schülerinnen – können an Montagen (17-19 Uhr), sowie Mittwochen und Freitagen (10-12 Uhr) hier einkaufen.

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