Bürgermeisterin Kernstock: „Wichtigste ist Teamarbeit“. Gabi Kernstock blickt im Gespräch mit Redaktionsleiter Thomas Weikertschläger aufs erste Bürgermeister-Jahr zurück.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 06. März 2021 (03:38)
Gabriele Kernstock sprach über ihre ersten Monate als Bürgermeisterin der Gemeinde St.Bernhard-Frauenhofen.
Emil Jovanov

NÖN: Sie sind seit rund einem Jahr Bürgermeisterin. Genau so lange dauert die Pandemie. Was war für Sie in dieser Zeit die größte Herausforderung?

Gabriele Kernstock: Die Pandemie selbst. Das ohnehin schon vielfältige und umfangreiche Tagesgeschäft einer Gemeinde mit allen seinen Herausforderungen und Problemstellungen ist ungebremst weitergelaufen. Zusätzlich wurden dann noch die Anforderungen durch die Corona-Krise oben drauf gepackt.

Sie haben im „Normalberuf“ einen Job als stellvertretende kaufmännische Direktorin im Landesklinikum, der einem alles abverlangt. Dazu eine Familie. Beim Antrittsinterview haben Sie gemeint, es sei wichtig, familiären Rückhalt zu haben, um alles unter einen Hut zu bringen. Gab es Zeiten, in denen Sie gedacht haben: Wenn ich das gewusst hätte ...?

Kernstock: Der familiäre Rückhalt ist für mich auch heute noch das Um und Auf. Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, war nie einfach, aber mit guter Organisation machbar. Glaubte ich zu Beginn der Krise ein stabiles, funktionierendes System zu haben, wurde mit Corona alles über den Haufen geworfen. Von einem Moment auf den anderen gab es in keinem Bereich des Lebens Planbarkeit. Doch da ging es mir und meiner Familie nicht anders als anderen, die mit eingeschränkter Kinderbetreuungsmöglichkeit, Homeschooling, Homeoffice, Kurzarbeit, gesundheitlichen und/oder finanziellen Sorgen konfrontiert wurden. Gepaart mit physischer Distanz und sozialer Isolation ist das für jede Familie ein Pulverfass.

Ich habe es aber nie bereut, das Amt der Bürgermeisterin übernommen zu haben. Dass es nicht einfach wird, war mir bewusst. Meine Motivation war es stets, unsere Gemeinde auch in Zukunft lebenswert, nachhaltig und zukunftsweisend zu gestalten. Dafür ist es wesentlich, gemeinsam nach Verbesserungen und Lösungen zu suchen, den Menschen mit ihren Sorgen und Nöten zu helfen und für die Bürger da zu sein. Diese Motivation ist größer denn je!

Wenn Sie auf ihr erstes Jahr als Bürgermeisterin zurückblicken: Hat es etwas gegeben, dass tatsächlich so abgelaufen ist, wie Sie sich das erwartet haben?

Kernstock: Ja, das wichtigste Puzzleteil von allen, nämlich die Teamarbeit! Wem nützt es, wenn ich alleine motiviert und engagiert bin? Ich bin von der Zusammenarbeit und dem Engagement aller beeindruckt. Die öffentliche Verwaltung ist in der Meinung vieler oft unflexibel, langsam, macht nur Dienst nach Vorschrift und lässt um 15 Uhr den Bleistift fallen. Genau das Gegenteil ist aber der Fall und das beweist mein Team – egal ob im Kindergarten, der Volksschule, dem Bauhof oder am Gemeindeamt – täglich. Aber auch die Gemeinderäte aller Fraktionen haben stets vollen Einsatz gezeigt, getreu dem Motto „Einer für alle, alle für St. Bernhard-Frauenhofen!“.

Sie sind ein kommunikativer Mensch, haben auch in der Krise Kreativität im Umgang mit den Bürgern gezeigt. Wie sehr hat Corona die Kommunikation mit den Bürgern beeinflusst?

Kernstock: Der persönliche Kontakt ist in der Gemeindearbeit das Um und Auf. Aufgrund von Corona musste dieser persönliche Kontakt auf ein Minimum reduziert werden. Natürlich erfolgte auch schon zuvor die Kommunikation über andere Medien – etwa Gemeindenachrichten oder die Website bzw. die Gem2Go-App. Allerdings war diese Art der Kommunikation stets zweitrangig. Bedingt durch Corona haben wir aus der Not eine Tugend gemacht. Wir haben die Website neu gestaltet und aktualisieren sie seither täglich. Zusätzlich bieten wir wesentliche Infos per Gem2Go-App und Push-Nachrichten an. Wir haben die Gemeindenachrichten professionalisiert, machen – bei aktuellen Anlässen – auch Sonderausgaben. Zudem sind die Kontaktdaten aller Gemeinderäte öffentlich bekannt, um stets erreichbar zu sein. Ich werde mehr denn je via whats-App, Facebook und Instagram kontaktiert. Für mich ist es ein Gebot der Zeit, hinsichtlich Kommunikation alle gängigen Kanäle aufzumachen und zu nutzen. Wobei: Das gesprochene Wort und der Kontakt von Angesicht zu Angesicht sind durch nichts zu ersetzen.

Für die Gemeinde St. Bernhard-Frauenhofen läuft mit dem Projekt „Wasserleitungsbau“ in Grünberg, Poigen und Strögen derzeit ein lang geplantes und sehr wichtiges Projekt. Wie ist da der aktuelle Stand der Dinge?

Kernstock: Aktuell befinden sich die Bauarbeiten in der Winterpause, aber die Arbeiten sind im Vorjahr trotz Corona zügig vorangeschritten. Wir sind absolut im Zeitplan – dank der sorgfältigen Vorbereitung und aufgrund der guten Zusammenarbeit mit der Baufirma Swietelsky sowie der strengen Bauaufsicht von Vizebürgermeister Josef Brandner in enger Abstimmung mit dem Ziviltechniker und dem Geschäftsführenden Gemeinderat Walter Popp. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2021 geplant.

Derzeit läuft auch die Werbungs-Phase für Glasfaser. Wie läufts da? Ist das Erreichen der 40 Prozent realistisch?

Kernstock: Das Glasfaser-Projekt gemeinsam mit der nöGIG ist eine riesen Chance für unsere Gemeinde. Eine schnelle, sichere, stabile und leistungsstarke Internetverbindung ist heute schon für viele privat und beruflich von hoher Bedeutung. In Zukunft wird diese Infrastruktur über die weitere Entwicklung unserer Gemeinde als Wohn- oder Wirtschaftsstandort maßgeblich entscheiden. Und auch wenn aktuell die Möglichkeiten von Info-Veranstaltungen und Diskussionen fehlen, haben viele gerade jetzt die Bedeutung von Glasfaser erkannt und auch schon bestellt. Ich bin zuversichtlich, dass wir bis spätestens 14. März die 40 Prozent schaffen werden. Wir bieten den Bürgern im Falle von Fragen das komplette Servicepaket, egal ob Unterstützung beim richtigen Ausfüllen des Anmeldebogens oder eine Vor-Ort-Begutachtung zur Abklärung technischer Fragen mit Fachexperten. Ein Anruf am Gemeindeamt oder bei einem Gemeindevertreter genügt.

Wie hat sich die Krise auf andere Vorhaben der Gemeinde ausgewirkt? Mussten Projekte abgesagt oder verschoben werden?

Kernstock: Die Krise hat natürlich auch auf unsere Gemeinde massive finanzielle Auswirkungen und die Langzeitfolgen sind nicht ansatzweise abschätzbar. Noch haben wir kein Projekt abgesagt, aber jedes einzelne wird vor Beginn hinsichtlich Notwendigkeit und Finanzierbarkeit neu hinterfragt.

Welche Projekte stehen 2021 auf dem Plan?

Kernstock: Wir haben auch 2021 wieder viel vor und investieren beispielsweise weiter in die Infrastruktur. Oberste Priorität haben die Inbetriebnahme der Wasserversorgunganlage Poigen, Grünberg und Strögen und bei Erreichen der 40 Prozent die Umsetzung des Glasfaser-Projektes sowie die Durchführung erforderlicher Sanierungen bei bestehenden Wasser- und Kanaleinbauten. Wir sind aber auch bemüht, Bauplätze zu schaffen, haben den Hochwasserschutz für Frauenhofen im Blick und möchten Impulse für die Stärkung unserer Gemeinde als attraktiver Wohn- und Lebensraum setzen. Hier gibt es viele Ideen, die aber noch einer konkreten Planung bedürfen. Doch mein größter Wunsch für 2021 wäre, dass wieder kleinere Veranstaltungen stattfinden dürfen, um die Menschen wieder zusammenzubringen und unsere Gemeinschaft wieder leben zu können!

Jede Krise birgt auch Chancen. Was kann man für Ihre Gemeinde Positives aus der Krise mitnehmen?

Kernstock: Seit jeher ist die Gemeinschaft eine der großen Stärken unserer Gemeinde. Es mag paradox klingen, aber trotz der physischen Distanz und der sozialen Isolation hat die Krise die Menschen vielerorts näher zusammengebracht.

Corona verändert aber auch die Wohnbedürfnisse der Menschen, wodurch das Das Leben am Land wird wieder neu wertgeschätzt, ebenso wie regionale Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Dienstleistungen. Wenn dann nach der Pandemie auch noch die Möglichkeit des Homeoffice bestehen bleibt, ist das eine große Chance für unsere Region, die Umwelt und die Menschen selbst. Viele Autokilometer fallen weg und Menschen, die sonst täglich zur Arbeit pendeln müssten, haben mehr Zeit zur Verfügung. Hier wird abermals deutlich, wie wichtig und notwendig der Glasfaserausbau ist.

Viele Menschen sehnen sich nach „Normalität“. Wann denken Sie, werden wir zu dieser Normalität zurückkehren?

Kernstock: Je früher desto besser und am liebsten morgen – doch so einfach ist es leider nicht. Der Weg zurück ist nur schrittweise zu schaffen. Je mehr sich aber jeder Einzelne durch Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen für das Allgemeinwohl persönlich zurücknimmt, desto schneller wird die Pandemie unter Kontrolle sein. Ein bisschen hat es also jeder von uns selbst in der Hand.