Wildschwein-Baby aufgezogen: Rettungsaktion gelungen!. Tier wenige Stunden nach Geburt in Steinegg gefunden. Nach sieben Monaten gab es Abschied mit Tränen. Eber „Nutsch“ nun im Tierpark Dobersberg.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 10. November 2016 (05:44)
NOEN, Fotos: Martin Kalchhauser, privat
Bei einem der Spaziergänge rund um Steinegg: Traude Roitner, Petra und Manuel Bauer sowie Erich Roitner und Lena Gerhart (von links) mit dem zutraulichen Eber, der seinen Menschen wie ein Hund folgte, ihnen buchstäblich „aus der Hand fraß“ und zuletzt schon über 60 Kilogramm auf die Waage brachte.

Wenige Stunden nach seiner Geburt wurde Wildschwein „Nutsch“ nahe Steinegg auf der Straße gefunden. Nach sieben Monaten bei den Familien Roitner und Bauer übersiedelte der mittlerweile 65 Kilogramm schwere Eber nun in das Wildschweingehege des Tierparks Dobersberg.

„Wir hätten nicht gedacht, dass wir ihn durchbringen!“, erinnert sich Erich Roitner an den 14. April zurück. Damals hatte der Mieter des zweiten Hauses der Roitners, Manuel Bauer, das Tier zwischen Steinegg und St. Leonhard auf der Straße aufgelesen. An ihm hing sogar noch ein Stück der Nabelschnur! Bauer brachte das nur 500 Gramm leichte „Nutschi“ seiner Frau Petra nach Hause. Und weil sein Schicksal die Herzen der Vermieter rührte, durfte es bleiben.

Baby-Fläschchen mit Kuhmilch & Kamillentee

Mit Kuhmilch und Kamillentee wurde der Frischling aufgezogen. Bald war die anfängliche Schwäche überwunden, und das Schweinchen gehörte bei Erich und Traude Roitner und den Bauers zur Familie.

In sieben Monaten wurde „Nutschi“ zu „Nutsch“. Viele gemeinsame Unternehmungen bleiben unvergesslich. „Wir haben selber nicht gedacht, dass das Schwein so folgsam sein wird“, lacht Roitner. Spaziergänge im Wald waren kein Problem – nur eine Leine akzeptierte es nicht. „Einmal habe ich ihm ein Halsband angelegt – da war er drei Tage lang beleidigt“, berichtet Roitner, der mit den anderen einig ist: „Er gehört zu unseren zwei Familien.“

Ein paar Mal durfte „Nutsch“ zuletzt noch einer seiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Baden und Schwimmen im Kamp, nachgehen. Am Sonntag wurde er nach Dobersberg gebracht.

Der tränenreiche Abschied war gut vorbereitet. Roitner hatte das Tier daran gewöhnt, vom Verschlag vor dem Haus in den Pkw-Anhänger zu steigen. „Das war sein ,Wohnwagen‘, wir sind sogar probegefahren.“ Wenn es dem Tier auch weiter gut geht, gab es vor dem Abschied Wehmut in Steinegg. Erich und Traude Roitner: „So etwas erlebt man ja sicher nur einmal!“